Nach "Hart aber fair"-Talk mit Uwe Junge: WDR-Rundfunkrat schaltet sich ein

Umstrittener „Hart aber fair“-Talk : Jetzt schaltet sich der WDR-Rundfunkrat ein

Bei der Talkshow „Hart aber fair“ war auch ein AfD-Vertreter eingeladen, was schon vor der Sendung Kritik hervorgerufen hatte. Irritationen gab es dann zusätzlich wegen eines Tweets der ARD. Jetzt wird sich auch der Rundfunkrat mit dem Thema beschäftigen.

Der Auftritt des AfD-Politikers Uwe Junge in der Talkshow „Hart aber fair“ hat nun auch Medienwächter alarmiert. Der WDR-Rundfunkrat beschäftigt sich wahrscheinlich in seiner nächsten Sitzung am Freitag in Köln damit. „Ich gehe sehr stark davon aus, dass das Thema in der Sitzung angesprochen wird“, sagte Claudia Reischauer, die Geschäftsführerin des Kontrollgremiums, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Auch WDR-Intendant Tom Buhrow werde an der Sitzung teilnehmen. Der WDR-Rundfunkrat hat sich schon öfter kritisch über die beiden vom WDR verantworteten ARD-Talkshows „Maischberger“ und „Hart aber fair“ geäußert. Die Sendungen setzten „zu häufig auf populistische Reizthemen“.

Der Auftritt des AfD-Politikers hatte eine Debatte über das Verhältnis zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und der rechtspopulistischen Partei ausgelöst. Dazu trugen auch zwei Tweets bei, die Das Erste gepostet hatte, das die Talksendung mit Moderator Frank Plasberg am Montagabend ausstrahlte.

Nach kritischen Reaktionen über die Einladung an Junge, der AfD-Fraktionsvorsitzender in Rheinland-Pfalz ist, lautete ein Das-Erste-Tweet am Montag: „Die Redaktionen der Talksendungen bemühen sich insbesondere, AfD-Vertreterinnen kein Forum für ihre Zwecke zu bieten. Je nach Thema ist es aber von Fall zu Fall nötig, AfD-PolitikerInnen selbst zu Wort kommen zu lassen.“

Daraufhin reagierte die Leiterin der Zuschauerredaktion bei Das Erste in München, Sabine Knott, ebenfalls auf Twitter: „Dieser Tweet war leider nicht mit der Redaktion von "Hart aber fair" abgestimmt. Dafür entschuldigen wir uns. Wir betonen, dass bei uns für alle Parteien dieselben Standards gelten. Im Übrigen entscheidet jede Redaktion für sich, wen sie zu welchem Thema einlädt.“

Seit Bekanntwerden der Gästeliste von „Hart aber fair“ habe es massive Kritik von zahlreichen Usern an der Einladung Junges gegeben, erklärte Knott am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Mit dem ersten Tweet reagierte eine Kollegin der Zuschauerredaktion auf die Kritik, dass Das Erste Herrn Junge Gelegenheit zur Selbstdarstellung geben werde.“ Der Tweet sei inhaltlich nicht falsch, aber missverständlich, so Knott.

Die Redaktionen der Talksendungen bemühten sich generell darum, Vertreterinnen und Vertreter jedweder Parteien kein Forum für ihre Zwecke zu bieten. Das Ziel der Gesprächsrunden sei, die Äußerungen der Parteienvertreter einzuordnen, zu hinterfragen und auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen. Knott bedauerte, dass der Tweet Anlass zu Missverständnissen geboten habe.

Die Redaktion von „Hart aber fair“ teilte am Dienstag auf Anfrage mit, Tweets anderer Redaktionen nicht zu kommentieren. „Grundsätzlich legen wir Wert auf die Feststellung, dass bei "Hart aber fair" für alle Parteien dieselben journalistischen Standards gelten. Jeder Gast bekommt Raum, seine Meinungen zu äußern. Wir bieten jedoch niemandem ein Forum, sondern hinterfragen alle Positionen mit derselben journalistischen Distanz.“

Die zentrale Frage bei der Einladung von Gästen laute stets: Wer hat Relevantes zu diesem Thema zu sagen? „Bei unserem aktuellen Thema war die größte Oppositionspartei im Bundestag von besonderer Relevanz, was wir übrigens bereits vor der Sendung auf unseren Social-Media-Kanälen so kommuniziert haben.“

Das Thema der Ausgabe am Montag lautete: „Aus Worten werden Schüsse: Wie gefährlich ist rechter Hass?“ Anlass war die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) am 2. Juni. Junge sagte, er selbst sei vor drei Jahren körperlich attackiert worden. Seine Partei gehe gegen Rechtsextremisten in den eigenen Reihen vor.

Weitere „Hart aber fair“-Gäste waren der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul (CDU), Irene Mihalic von den Grünen, der Journalist Georg Mascolo und der Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler. Mihalic hielt Junge einen Tweet vom Dezember 2017 vor, in dem dieser davon sprach, dass „wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden“.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sagte der „Bild“-Zeitung (Mittwoch): „Dieser Beitrag von Herrn Junge ist ein Beispiel dafür, wie mit Sprache der Boden für Extremisten bereitet werden kann, und deshalb ist er so gefährlich. Was die Einladung bei "Hart aber fair" angeht: Ich hatte nicht den Eindruck, dass es gelungen ist, dies zu entlarven. Man hat dagegen eine zusätzliche Bühne geboten.“

Der medienpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion in Mainz, Joachim Paul, erklärte am Dienstag in einer Pressemitteilung, der Tweet von Das Erste sei ein „Eingeständnis der politischen Parteilichkeit“ und kündigte „entsprechende parlamentarische Initiativen“ an. Der rheinland-pfälzische SPD-Generalsekretär Daniel Stich schrieb auf Twitter: „Mit einem wie Uwe #Junge über die tödlichen Folgen des rechten Hasses zu reden, ist Irrsinn. Da macht man den Bock zum Gärtner.“

(zim/dpa)
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