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"Murot und das Prinzip Hoffnung": So wird der neue "Tatort" mit Tukur

„Tatort: Murot und das Prinzip Hoffnung" : Murot und die Lars-Eidinger-Show

Für die Standards des Tukur-„Tatorts“ ist „Das Prinzip Hoffnung“ ein geradezu konventioneller Krimi. Ob das gut oder schlecht ist, muss jeder für sich selbst beurteilen.

Neun Filme mit Ulrich Tukur als LKA-Mann Felix Murot gab es bislang, und einer ist ein größerer Klassiker als der andere. Man denke an den irren Western „Im Schmerz geboren“ mit 54 Toten, den Zirkus-, den Zombie- und den Zeitschleifen-Fall und den Schocker „Es lebe der Tod“. Zuletzt kam vor einem Jahr eine Verwechslungskomödie, die wiederum nicht zu verwechseln ist mit dem Film-im-Film-Fall „Wer bin ich?“, in der anstelle von Felix Murot eben dessen Darsteller Ulrich Tukur im Mittelpunkt stand.

Nun folgt der zehnte Streich, und „Das Prinzip Hoffnung“ ist keine zwei Monate nach „Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ erneut ein Duell zwischen einem einsamen, alt werdenden Ermittler und einem von Lars Eidinger gespielten Psychopathen, der ein Feuerwerk von Sprache und Emotion abbrennt. Die Figur ist eloquent und selbstbesoffen, zynisch und wahnsinnig. Sie ist Eidinger auf den Leib geschrieben. Es ist ein Erlebnis.

Zu Beginn des Films stoppt eine Reporterin Murots spleenigen Oldtimer und stellt kritische Fragen zu einer Mordserie, bei denen die Fahnder eine schlechte Figur abgeben. „Wir haben nichts“, gibt er zu. Dann wendet er sich über die TV-Kamera direkt an den Täter: „Es ist leicht, jemanden zu töten, der schwach und schutzlos ist. Aber wie ist es mit jemandem, der sich wehren kann? Töten Sie mich! Hören Sie? Töten Sie mich!“

Eine Woche zuvor: Unter einer Mainbrücke, die nur aus der Ferne schick aussieht, hat sich ein obdachloser Mann schlafen gelegt. Die Polizei hätte es gern anders, denn es gibt Hinweise, dass der Serienkiller neuerdings Wohnungslose ins Visier nimmt. Möglichst alle sollen in Sammelunterkünfte umziehen, aber manche wollen nicht. Manche können wohl auch nicht. Sie haben verlernt, drinnen und unter Leuten zu sein. So kommt es, wie es im Krimi kommen muss: Der Obdachlose wird erschossen.

Und der Ermittler nimmt es persönlich. Aus gleich zwei guten Gründen. Erstens hat der Täter Murot vor allen Morden Botschaften zukommen lassen. Und zweitens ist dieses Opfer ein alter Bekannter: Der Mann, den sie auf der Straße „Professor“ nannten, war tatsächlich einer. Bei Ernst Muthesius hatte Felix Murot einst Philosophie studiert, vier Semester lang. „Ich wollte etwas verstehen. Dann reichte mir das Verstehen nicht mehr, ich wollte etwas tun.“ Stellvertretend für das Publikum klärt Murot seine überraschte Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) auf: Vor Jahrzehnten war er der absolute Musterstudent des nun Getöteten, hart an der Grenze zum Ziehsohn. Dann zog Murot weiter in Richtung Polizeischule, und wenig später zerbrach das Familienidyll des Professors so gründlich, dass dieser auf der Straße landete.

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Im echten Leben würde Murot nun wegen Befangenheit vom Fall abgezogen, aber im Film stürzt er sich in die Ermittlungen, die sich schnell auf die drei exzentrischen Kinder des Professors konzentrieren. Denn diese – stark gespielt von Eidinger, Karoline Eichhorn und Friederike Ott – sind drauf und dran, die schicke Bungalow-Villa sowie das beträchtliche Wertpapier-Depot zu erben.

„Murot und das Prinzip Hoffnung“ ist relativ konventionell geraten, ein beinahe klassischer Kriminalfall, wenn auch mit einem ordentlichen Schuss Psychotherapie (Familien-Aufstellung!). Das Ergebnis ist gut, natürlich, dafür stehen Drehbuchautor Martin Rauhaus („Tatort“-Premiere) und Regisseur Rainer Kaufmann mit ihren guten Namen. Manchem Murot-Fan dürfte der Film jedoch zu normal geraten sein, und vielen anderen zu andersartig.