1. Panorama
  2. Fernsehen

"Mütter machen Porno": Neue Sat1-Sendung über Sex

Neue Sat.1-Sendung : Wenn Mütter einen Porno für ihre Kinder drehen

Pornos sind überall verfügbar, schnell und kostenlos - im Internet. In einer neuen TV-Sendung versuchen fünf Mütter, einen Porno zu drehen, den sie ihren Kindern zeigen würden. Die Mütter stehen dabei hinter der Kamera, versteht sich.

Es ist die Diskussion, die die Gesellschaft seit Jahrzehnten führt. Sind Pornos realitätsnah oder fern jeder Wirklichkeit? Und warum sind die Pornos im Internet sind für die meisten jungen Menschen in Deutschland kinderleicht zu erreichen?

Viele Kids sind erst elf oder zwölf, wenn sie das erste Mal Bilder sehen, die ein verstörendes Menschenbild zeigen. Oft geht es um sexuelle Gewalt oder lieblosen Gruppensex. Fünf Mütter wollen den Schmuddel-Filmchen auf den Smartphones etwas entgegensetzen und einen lebensnahen Film drehen - hinter der Kamera, nicht davor. Sie treten in der Sat.1-Doku „Mütter machen Porno“ auf, die nach einem britischen Vorbild entstand und. Am Mittwochabend lief die erste Folge, kommende Woche kommt die zweite Folge (20.15 Uhr) auf Sat.1.

„Egal wie provokant das klingt, dass wir als Mütter einen Porno drehen wollen“, sagt Mutter Karina in die Kamera. „Wir möchten andere Mütter aufklären und vor allen Dingen auch unsere Kinder: Schaut euch nicht so etwas Grausames an, sondern wenn einen ordentlichen Porno.“

„Für mich ist es einfach schlimm zu sehen, wie leicht Kinder gerade auch über Smartphones an Pornos gelangen“, sagt Jasmine, 36 Jahre und Mutter von zwei Kindern. Mit vier Mitstreiterinnen macht sie sich an das Sexfilm-Projekt: „Mit Menschen, die aussehen wie du und ich, die sich auf Augenhöhe, leidenschaftlich und wertschätzend begegnen“, wie Sat.1 das cineastische Vorhaben begeistert ankündigt.

Viele Hürden gilt es zu nehmen. Schließlich muss man nicht nur eine Storyline für den eigenen Erotikfilm entwickeln - man muss auch die Darstellerinnen und Darsteller finden. So „streiten“ sich die Mütter in der ersten Folge darum, was in ihrem Porno alles zu sehen sein soll. Eine Nahaufnahme einer Vagina? Nicht, wenn es nach Bianca geht. Den Vorschlag von Mirjam lehnt sie ab, ebenso wie die Idee eines Dreier-Pornos mit zwei Frauen und einem Mann. „Mit drei Personen ist für mich nicht echt das, was ein Mensch als erstes sehen sollte.“

Nicht nur dabei kann man sich schnell in die Haare kriegen - allein schon bei der Frage: Was genau ist eigentlich „normal“ bei Sex? Eines ist für die Mütter aber sofort klar: Eine übertriebene Traumfigur sollte keiner der Handelnden haben. Der Penis sollte nicht zu groß sein, dafür wünscht man sich die Dialoge lebensecht. Die Odyssee durch die Sexfilmbranche beginnt.

Auch Bestandteil der ersten Folge war der Besuch am Set eines Pornofilmchen. Es trat die große Ernüchterung bei den Müttern ein. Besonders, als Darstellerin „Mia Blow“ lässig darüber sprach, dass sie bei den Drehs nie einen Orgasmus bekomme. „Es ist oft so, dass du in dem Moment nicht das machst, was dir Spaß macht.“ Dieser Satz dürfte den Mamas in den Ohren hängen bleiben. Die Enttäuschung über die gespielten Sex-Szenen sind groß: „Es ist halt einfach so billig“, meint Mutter Britta. Überraschend sind auch die Aussagen des Porno-Produzenten, der sich bei der Sex-Messe Venus, die die Frauen im vergangenen Jahr für die Sendung besucht haben, vor die Kamera stellt und sagt: „„Der deutsche Mann mag kein Kondom.“ Dann erklärt er die Sicherheitskontrollen im Porno-System.

Von dem Porno-Business haben die Frauen eh nicht das beste Bild und die nächste Szene macht es nicht viel besser.

„Wieso muss ein Geschlechtsteil mir so laut ins Gesicht springen“, fragt sich Karina, während sich die Frauen einen Gangbang mit zehn Frauen und einem Mann im Fernseher ansehen. Die anderen Mütter stimmen ein: „Ich kotz gleich“ und „die wird nur rübergereicht“ wird gesagt.

Im Anschluss an die zweite Episode zeigt Sat.1 am 29. Juli um 22.20 Uhr ausgewählte Szenen des von den fünf Müttern produzierten Streifens „Vanilla X - Der Film“, damit sich das TV-Publikum ein eigenes Bild vom Ergebnis machen kann. Die Zuschauer bekommen ihn allerdings nur in einer geschnittenen, den Vorgaben des Jugendschutzes entsprechenden und kommentierten Form zu sehen. Keine Sex-Szenen wie im richtigen Porno also.

(mja/dpa)