Moderne Fernsehgeräte machen es leicht, Nutzer nach Belieben abzuhören

Düsseldorf : Lauschangriff im Wohnzimmer

Moderne Fernsehgeräte machen es leicht, seine Nutzer nach Belieben abzuhören.

Wer gemütlich vor seinem Fernseher sitzt, wägt sich vermutlich in absolut privater Runde. Früher war das sicherlich so, doch heute laden moderne TV-Geräte zum unerwünschten Lauschangriff ein. Dafür sorgen Unternehmen wie Samsung, LG oder Sony. Sie stellen Smart-TVs her, Fernsehgeräte, die wie ein Computer funktionieren: Sie haben Zugang zum Internet, damit man sich Filme und Reportagen anschauen kann, die die Sender in ihren Mediatheken anbieten. Einige Apparate verfügen über integrierte Mikrofone, weil sie auf Sprachkommandos reagieren, andere haben eingebaute Kameras, damit man Videogespräche führen kann. Mit den Smart-TVs vollzieht sich die endgültige Verschmelzung von Fernsehen und Internet; ab 2017 wird es vermutlich gar keine anderen Geräte mehr geben.

Diese Fernseher haben einen gewaltigen Haken: Während jeder vernünftige Nutzer seinen Computer mit einem Virenschutzprogramm vor unerwünschten Eindringlingen schützt, sind Smart-TVs solchen Angriffen schutzlos ausgeliefert. Es lässt sich nicht verhindern, dass Kriminelle die Festplatte missbrauchen, um etwa ungebetene Werbung zu verschicken. Aber es gibt auch ganz offizielle Zugriffe. Der Service HbbTV ermöglicht die Verknüpfung von Rundfunk- und Internet-Inhalten. Deshalb hat schon das Aufrufen eines bestimmten TV-Programms ein Signal an den entsprechenden Sender zur Folge. Allerdings verläuft die Kommunikation keineswegs einseitig. Ist die Tür einmal geöffnet, kann sich der Sender wunderbar über das Nutzungsverhalten des Zuschauers informieren, um ihn später ähnlich wie bestimmte Internetportale mit individuell angepasster Werbung zu versorgen.

Viele Menschen werden das nicht weiter schlimm finden. Wer intime Details auf Facebook preisgibt oder achselzuckend zur Kenntnis nimmt, dass Geheimdienste den E-Mail-Verkehr mitlesen, wird nichts dagegen haben, dass TV-Sender sein Fernsehverhalten speichern. Die Hersteller tun das auch, selbst wenn es dafür keine einleuchtende Erklärung gibt. Techniker haben festgestellt, dass die Augen und Ohren der Smart-TVs bei entsprechender Manipulation selbst dann noch funktionieren, wenn sich die Apparate in der "Stand by"-Funktion befinden - also zwar ausgeschaltet, aber jederzeit einsatzbereit sind. Jetzt dürfte auch bei sorglosen Nutzern eine Grenze überschritten sein.

Zum Glück jedoch lässt sich dem Fernseher ganz einfach der Saft abdrehen; man muss bloß auf die "Stand by"-Funktion verzichten und das Gerät komplett ausschalten. Eine Steckerleiste mit Kippschalter erfüllt den gleichen Zweck. Und natürlich kann man auch den Kontakt zum Internet kappen, so lange man es nicht braucht, vor allem, wenn das Gerät über Wlan ins Netz geht. Aber die Bedrohungen lauern auch dort, wo man als Letztes damit rechnet: Der amerikanische Spielzeughersteller Mattel hat eine Version seiner Barbie mit Mikro, Lautsprecher und Wlan ausgestattet. Die Gespräche mit der Puppe werden aufgezeichnet und analysiert, damit die Puppe mit den Kindern kommunizieren kann, wie es heißt. In Europa wird diese Barbie aus Datenschutzgründen aber nicht auf den Markt kommen.

(RP)
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