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TV-Reisereportagen: Mit Ruge durch die Rockies

TV-Reisereportagen : Mit Ruge durch die Rockies

Düsseldorf (RPO). Die drei Altmeister der Reisereportage - Gerd Ruge, Fritz Pleitgen und Klaus Bednarz - sind für einen ARD-Dreiteiler durch die USA und Kanada gefahren. Trotzdem sagt der 78-jährige Ruge: "Ein Draufgänger bin ich nicht."


Entspannt sieht anders aus. Die weißen Haare wehen im Wind, Gischt peitscht Gerd Ruge ins Gesicht, seine Hände umklammern die Plastikgriffe. Über Steine und durch Stromschnellen holpert das Gummiboot im Colorado-Fluss. "Ein Draufgänger bin ich nun wirklich nicht", erklärt der 78-jährige Reporter diese waghalsige Aktion. "Aber wir hatten ja schließlich Experten an Bord."


Die Rafting-Tour ist nur ein Abenteuer, das Gerd Ruge im Sommer während der Dreharbeiten zum Dreiteiler "Die Rockies" erlebt hat. Während er den Süden der fast 5000 Kilometer langen Gebirgskette erforschte, nahmen sich seine Kollegen Klaus Bednarz und Fritz Pleitgen die anderen Regionen vor. "Klaus Bednarz wollte oben ran, ganz in den Norden ans Eismeer", erklärt Ruge. "Und Fritz Pleitgen wollte etwas über den Mythos ,Wilder Westen' machen. Da boten sich die mittleren Rockies an."


Ganz freundschaftlich sei diese Aufteilung abgelaufen. "Wir haben uns im Büro von Fritz Pleitgen getroffen, geklönt und dann die Strecke auf einer Karte gegliedert", sagt Ruge. "Das passte sofort ganz gut, weil wir sowieso unterschiedlich sind und arbeiten. Da konnten wir uns nicht in die Quere kommen."


Der 68-jährige Pleitgen - noch bis Sommer 2007 der Intendant des WDR - hatte die Idee zu diesem Film über die Rocky Mountains. "Wenn er mehr Zeit gehabt hätte, hätte er auch alle drei Folgen selbst gemacht", sagt Ruge. "Aber so kam er auf die Idee, dass wir die Reihe zu dritt machen. Wir kennen uns seit vielen, vielen Jahren und sind gute Kollegen." Dennoch haben die Männer keine gemeinsame Reportage gedreht. "Unsere Filme haben wir jeweils für uns alleine gemacht, völlig unabhängig voneinander."


So stapft Bednarz - mit 64 Jahren der Jüngste im Trio - durch Tiefschnee, trifft Eskimos, Indianerhäuptlinge und Schlittenhunde und fliegt im Helikopter über den vereisten Fluss Yukon. Pleitgen trifft Rinderzüchter, Feuerwehrleute, Blackfoot-Indianer und sucht Grizzlybären. Für Gerd Ruge war seine Tour ein Wiedersehen: "Ich war 1953 zum ersten Mal dort und bin einmal quer durch die Rockies geritten." Ihn habe vor allen Dingen interessiert: "Was hat sich dort verändert?" Eine Menge, wie er feststellen musste. "Ich dachte, ich kenne die Gegend", sagt der ehemalige ARD-Korrespondent. "Aber alles war anders: die Leute, die Landschaft - da war ich schon sehr erstaunt und beeindruckt."


Trotz seines Alters hat Ruge die Strapazen überstanden. "Ich habe eine ganz gute Kondition: Ich gehe oft schwimmen, auch gelegentlich ins Fitnessstudio." Probleme habe ihm jedoch die Höhe bereitet. "Ständig 2000Meter und mehr, das merkt man natürlich." Dennoch ließ Ruge es sich nicht nehmen, den 4300 Meter hohen Mount Evans zu besteigen. "Wir sind um vier Uhr morgens hinaufgekrochen, um den Sonnenaufgang zu filmen. Es war hundekalt, und das sieht schon dramatisch aus, wenn ich da völlig außer Atem am Gipfel ankomme." Die Zuschauer werden diese Szene nicht sehen. "In den beiden anderen Filmen sind ja schon so wunderschöne Landschaftsaufnahmen", sagt Ruge. "Da haben wir lieber die Rafting-Tour ausgewählt."