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Michael Müller bei "Lanz": Berliner Bürgermeister gerät bei eigenen Quarantäneregeln ins Schleudern

Michael Müller : Berliner Bürgermeister gerät bei eigenen Quarantäneregeln ins Schleudern

Als Talk-Gast bei „Markus Lanz“ sollte Michael Müller am Donnerstagabend über seine Sicht auf eine geplante Testpflicht für Urlauber sprechen. Dabei zeigte sich ein Kommunikationsproblem in der Praxis.

Die Reiserückkehrer seien es, die ihm am meisten Sorgen machen würden, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller zu Beginn der Talkshow „Markus Lanz“. Der Moderator hatte ihm mit seiner Einstiegsfrage die Sorgenwahl zwischen Schulbeginn und Reiserückkehrern gelassen. Nun ergab sich die Frage, wie es mit den Quarantäneregeln in Berlin ausschaut.

„Zweifach Geimpfte müssen nicht in Quarantäne“, sagte Müller. So weit, so klar – und für Kinder nur in Ausnahmefällen zutreffend. Die Schulferien enden in Berlin bereits in gut einer Woche. „Wir starten das Schuljahr mit einer Testpflicht“, kündigte Müller an. Auf Berliner Kinder kämen drei Corona-Tests pro Woche zu, die Lehrkräfte würden bereits eine Woche vor dem Schulstart getestet.

Der SPD-Politiker stellte sich hinter die Pläne für eine Testpflicht bei der Rückkehr aus dem Urlaub. Müller sprach sich dafür aus, die bislang stichprobenartigen Tests bei rückkehrenden Flugreisenden „flächendeckend“ auszuweiten, zudem sollten auch Bahn- und Autoreisende „dringend mindestens in Stichproben“ auf eine Corona-Infektion überprüft werden.

Aber damit war immer noch unklar, was auf jene Berliner Familien zukäme, die erst am Tag vor dem Schulbeginn am 9. August in die Stadt zurückkehrten. Müller beharrte darauf, dass die Kinder in den Schulen getestet würden. Aber die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt hakte ein: Ihres Wissens nach müsse man nach der Rückkehr aus einem Hochrisikogebiet fünf Tage warten, bis man sich freitesten könne. Und das würde logischerweise bedeuten, dass Kinder erst später in die Schule gehen könnten.

Müller verlegte sich daraufhin kurzfristig auf die Testorte: Ob die Kinder dann in der Schule oder beim Arzt getestet würden, wisse er nicht. An diesem Punkt riss Moderator Markus Lanz wie gewohnt das Gespräch an sich. Dabei machte er in seiner Argumentation allerdings einen Denkfehler. Da eine mindestens fünftägige Quarantäne für alle Rückkehrer gilt, müssten nicht nur die betroffenen Kinder zu Hause bleiben, sondern auch deren mitgereiste Eltern. Sie bräuchten sich in dieser Zeit also mitnichten um eine Kinderbetreuung zu kümmern, wie Lanz suggerierte. Zu Recht verwies der Moderator allerdings auf die Schulpflicht. Kinder dürften nach dem Urlaub nicht einfach den Schulbeginn um fünf Tage verschieben.

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„Wir müssen in irgendeiner Form doch die Chance haben, die Welle zu beherrschen, die wieder ins Land zurückkommt, und nicht tatenlos zuzuschauen, dass Inzidenzen mitgebracht werden“, sagte Müller. Der Berliner Regierungschef verwies darauf, dass die Politik im Vorfeld auf die Lage in den Urlaubsländern aufmerksam gemacht habe – und auch auf die Regeln für eine möglicherweise nötige Quarantäne. Diesbezüglich musste er allerdings sein Unwissen einräumen.