Neues Buch: Michael Graeter — ein Leben für den Klatsch

Neues Buch : Michael Graeter — ein Leben für den Klatsch

München (RP). Michael Graeter beginnt seine Lebensgeschichte an dem Ort, um den sich seine Welt dreht: im Bett. Im Januar 2008 wecken drei Schweizer Polizisten den berühmtesten Klatschreporter Deutschlands in seinem Zimmer im Züricher Hotel Tivoli und nehmen ihn fest. Der Tiefpunkt seines Lebens – und gleichzeitig die erste Szene in Graeters Autobiographie "Extrablatt", die am Samstag im LangenMüller-Verlag erscheint.

München (RP). Michael Graeter beginnt seine Lebensgeschichte an dem Ort, um den sich seine Welt dreht: im Bett. Im Januar 2008 wecken drei Schweizer Polizisten den berühmtesten Klatschreporter Deutschlands in seinem Zimmer im Züricher Hotel Tivoli und nehmen ihn fest. Der Tiefpunkt seines Lebens — und gleichzeitig die erste Szene in Graeters Autobiographie "Extrablatt", die am Samstag im LangenMüller-Verlag erscheint.

Es ist ein Buch über die Welt der Oberflächlichkeiten und Eitelkeiten, über trunkene Nächte und schöne Menschen in teuren Kleidern, über ein Leben auf Luxusyachten und plüschig-purpurnen Galastühlen — und eine zotig-frivole Biographie pikanter Bettgeschichten der Münchener Schickeria. Graeters Spezialität.

Der 67-Jährige ist der König des Klatsches, das Schmuddelkind des deutschen Journalismus und Vorlage für die Figur des "Baby Schimmerlos" in der Erfolgsserie "Kir Royal". Er veröffentlichte die heimliche Affäre von Gunter Sachs und Brigitte Bardot, er deckte die Beziehung von Prinzessin Caroline und Prinz Ernst-August auf — ein legendärer "Bunte"-Titel. Er beherrschte über Jahrzehnte den Tratsch der deutschen Boulevard-Blätter, in der "Münchener Abendzeitung", der "Bild", "Bunten" oder "Neuen Revue" zerrte er die privaten Liebschaften der Reichen und Schönen ins Licht der Öffentlichkeit.

Graeter war mit den Prinzen und Fürsten per Du, er führte ein Leben unter Filmstars, reiste mit dem milliardenschweren Unternehmer Friedrich Karl Flick auf dessen Luxusyacht durchs Mittelmeer und jettete im Smoking von Party zu Party. Nebenbei betreibt er in München ab 1979 ein Café, das "Extrablatt". Es wurde schnell zum Treffpunkt für die lokale Prominenz. Wo die Stars waren, war auch Graeters nicht weit.

Vieles von dem, was er hörte und sah, habe er nie veröffentlicht oder weitererzählt, sagt Graeters heute. Auch die Geschichte mit Gunter Sachs und Brigitte Bardot habe er auf Bitten von Sachs noch einige Tage für sich behalten.

Der Multimillionär hat ihm den Gefallen nicht vergessen. Als Graeter 2008 verhaftet wurde, zahlte Sachs den Anwalt. Es half nicht viel: Graeter musste acht Monate absitzen. Der Tiefpunkt seiner Karriere. Nachdem Filialen des Cafés "Extrablatt" in Los Angeles und Berlin gescheitert waren und auch die 1986 gegründeten Kinos in München nicht liefen, hatte ihn das Landgericht München wegen Insolvenzverschleppung, Bankrott und Veruntreuung von Arbeitsentgelt zu 14 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Graeter setzte sich in die Schweiz ab, wo er festgenommen und wegen Verstoßes gegen die Bewährungsauflagen inhaftiert wurde.

Die Haft war für Graeter die schlimmste Zeit seines Lebens. Bis heute habe er "Paranoia", dass er wieder ins Gefängnis müsse, sagte er kürzlich. Derzeit lebt der Vater eines 18-jährigen Sohnes mit seiner Familie in einer Wohnung am Münchener Stadtrand und schreibt wieder für die "Abendzeitung", bei der er einst als Journalist angefangen hatte.

Vieles habe sich seitdem verändert, vorbei die goldenen 60er Jahre, als Frauen noch "Hasen" hießen und die Playboys "Münchener Raben", als der Champagner in Strömen floss und die Münchener Bussi-Gesellschaft mit ausschweifenden Partys das Wirtschaftswachstum genoss. Heute, beschwert er sich immer wieder, sei "Promi" wie "Proll" und die vielen Staranwälte verhageln das Geschäft. Trotzdem bleibt er bei seinem Fach: "Meins war stets die Affärengeschichte. Wer mit wem — das ist's, was mich interessiert."

(RP)
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