RTL-Castingshow "DSDS": Mehrzad ist Deutschlands neuer Superstar

RTL-Castingshow "DSDS" : Mehrzad ist Deutschlands neuer Superstar

Mehrzad Marashi ist der Gewinner der diesjährigen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar." Der 29-jährige Hamburger gewann mit 56,4 Prozent der Zuschauerstimmen. Er punktete vor allem mit Konstanz, Professionalität und Gefühl.

Und gegenüber seinem Konkurrenten, dem Ex-Gefängnishäftling Menowin Fröhlich, wohl auch mit einer blütenreinen Weste. Konkurrent Menowin war kurz vor dem Finale noch durch einen Drogen-Skandal in die Schlagzeilen geraten. Menowin zeigte sich über seine Niederlage dennoch schockiert.

Die Entscheidung

Um viertel nach zwölf war es so weit — Moderator Marco Schreyl verkündete die Entscheidung. 56,4 Prozent der Zuschauer wählten Mehrzad Marashi zu Deutschlands neuem "Superstar". Neben seiner gefühlvollen Samt-Stimme verhalfen dem ausgebildeten Sänger wohl vor allem auch seine konstant brillanten Leistungen zum Sieg in der siebten DSDS-Staffel. Anders als Menowin, der in den vergangenen Motto-Shows des Öfteren mit Texthängern zu kämpfen hatte, leistete sich Mehrzad keine Fehltritte. Er lieferte immer voll ab, würde es im Jury-Jargon heißen.

Doch auch das Image der Kandidaten dürfte die Entscheidung beeinflusst haben: Während Mehrzad als Saubermann gilt und als junger Familienvater Sympathien einfahren konnte, dürfte Menowins Status als Schlagzeilenkönig mit zu seinem Scheitern beigetragen haben. Knast-Vergangenheit, drei Kinder mit der Cousine, Flucht aus der DSDS-Villa und jüngst eine anonyme Anzeige wegen Drogenhandels — Menowins permanente, negative Präsenz in der Boulevardpresse hat sein gesangliches Talent überschattet.

Für ihn kam die Niederlage bei DSDS als Schock: Nach der Stimmung von Jury und Studio-Publikum zu urteilen, hatte es den Anschein, als habe Menowin die Nase vorn. Nach der Verkündung der Entscheidung war der Ingolstädter sprachlos und rang mit der Fassung. Mehrzad hingegen zeigte sich von seinem Sieg überrascht — passenderweise heißt sein erster Hit "Don't Believe."

Der Auftakt

Schon zu Beginn der Show war klar, dass beim diesjährigen Finale von DSDS kein Kuschelkurs eingeschlagen wird. Im Laufe der Staffel hatte sich die ursprüngliche Männerfreundschaft der beiden Top-Favoriten Menowin und Mehrzad zu einer ausgewachsenen Feindschaft entwickelt. Über mehrere Wochen hinweg wurde die Fehde der "beiden großen M's" dankbar von der Boulevardpresse begleitet. Zum Finale sprang auch RTL selbst auf den Zug auf, und Moderator Marco Schreyl kündigte vollmundig an: "Hier treten zwei Erzfeinde an."

Für Harmonie und eitel Sonnenschein sorgten einzig die bereits ausgeschiedenen Top-Ten-Kandidaten, die als eine Art "Warm Up" zu Beginn der Show mit dem "Black Eyed Peas"-Song "I gotta feeling" auftraten. Danach folgte der perfekt inszenierte Showdown im Scheinwerferlicht: Menowin und Mehrzad betraten die Bühne und sangen gemeinsam den Hit "For You" der Disco Boys. Wie im Musical "Grease" traten die beiden Kandidaten zusammen mit ihren Background-Tänzern als zwei verfeindete Gangs zu einem "Tanz-Battle" an. Auch für den Rest des Abends versprach Marco Schreyl einen "Kampf über drei Runden."

Die Jury

Die DSDS-Jury erschien zum Finale einheitlich in elegantem Schwarz — einzig die Besetzung war eine andere. Weil Jurorin Nina Eichinger wegen der durch die Aschewolke bedingten Luftraumsperrung über Europa in den USA festsaß, sprang kurzerhand RTLs neue Allzweckwaffe Sylvie van der Vaart für sie ein. Die attraktive Moderatorin, die an der Seite von Dieter Bohlen bereits in der Casting-Show "Das Supertalent" Erfahrungen als Jurorin sammeln konnte, outete sich als DSDS-Fan. Sie schaue die Show immer zusammen mit ihrem Ehemann, dem Fußballspieler Rafael van der Vaart, gab die 31-Jährige zu.

Jury-Oberhaupt Dieter Bohlen verkündete zu Beginn der Show: "Das ist das spektakulärste Finale, dass es jemals gab." Er habe noch nie zwei Kandidaten gesehen, die "so sehr gewinnen wollten."

Die Songs

Ihren Siegeswillen konnten Menowin und Mehrzad mit jeweils drei Liedern unter Beweis stellen. In der ersten Runde der Casting-Show standen die ganz großen Gefühle auf dem Programm. Beide Kandidaten sangen romantische Herzenssongs. Als erster war Mehrzad an der Reihe. Der 29-Jährige präsentierte den Lionel Richie-Titel "Endless Love." Besonders bei Sylvie van der Vaart konnte der gebürtige Iraner mit seiner Samt-Stimme punkten. Sie schwärmte: "Wir Frauen haben alle das Gefühl, dass du das für uns gesungen hast." Volker Neumüller zeigt sich eher kritisch: "Wenn du singst, sehe ich immer den Xavier Naidoo vor mir."

Menowin Fröhlich sang als erstes Lied "That's What Friends Are For" von Dionne Warwick & Friends. Auch für ihn gab es Lob. Außerdem versuchten Dieter Bohlen und Volker Neumüller in ihrer Bewertung auch, die negative Berichterstattung über das Privatleben des 22-Jährigen abzufangen. Er sei ein guter Junge und hinter seinem harten Kern verberge sich eine weiche Schale, ließen die Juroren verlauten.

In der zweiten Runde sangen Menowin und Mehrzad noch einmal ihren besten Song der Staffel. Beide Kandidaten überzeugten diesmal nicht nur mit stimmlichem Talent, sondern auch mit tänzerischem Können. Mehrzad groovte zu "Fresh" von "Kool and the Gang" und Menowin präsentierte "Billie Jean" von Michael Jackson. Trotz guter Kritik für beide Kandidaten, sah die Jury Menowin in dieser Runde vorn. Dieter Bohlens Urteil: "Ich glaube einfach Michael Jackson hat im Himmel gesessen und den Daumen hoch gehalten." Und legte nach: "Das war Königsklasse."

Zum Schluss sangen beide Kandidaten den Gewinnertitel "Don't Believe." Das Lied aus der Feder von Dieter Bohlen ist - wie zu erwarten - eine eingängige Pop-Ballade. Panne bei Mehrzads Auftritt: Seine In-Ear-Kopfhörer, über die sich Sänger bei ihrem Auftritt selbst hören können, fielen schon zu Beginn der Auftritts aus. Dennoch überzeugte er Jury und Publikum mit seinem Gesang. Erneut zeigte sich besonders Sylvie van der Vaart angetan: "Du hast das Lied gesungen als wäre es schon dein Song."

Auch für Menowin gab es Jury-Lob. Dieter Bohlen schwärmte: "Das war wie Silvester. Das war absolut der Knaller." Doch es hat nicht für einen Sieg gereicht, am Ende war Mehrzad der strahlende Sieger.

(RPO)