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Maybrit-Illner-Talk zur Rente: Der jungen Generation will niemand zuhören

Renten-Talk bei Maybrit Illner : Der jungen Generation will niemand zuhören

Diese Sendung war ein Service für Vergessliche: Maybrit Illner ließ ihre Gäste am Donnerstag die Diskussion um das Rentenpaket der Großen Koalition noch einmal durchspielen, schön komprimiert auf eine Stunde Sendezeit. Neues gab es nicht, es war das Repetitorium der sattsam bekannten Positionen. Nur: Die Generation, um die es gehen sollte, kam nicht zu Wort. Wie immer.

Schlecht war die Runde nicht, aber sehr routiniert. Sven Kuntze, Autor des Buches "Die schamlose Generation" und gern durchgereichter Gast in den politischen Talkshows der Republik, redete seinen Altersgenossen einmal mehr ins Gewissen: Man bediene sich einfach selbst an den derzeit vollen Kassen, eine Solidarität mit der jüngeren Generation gebe es nicht mehr. "Der Satz 'Du sollst es einmal besser haben‘, der gilt nicht mehr", sagte Kuntze. "Wir haben die Zukunft unserer Kinder und Enkel aus dem Blick verloren."

Ralf Stegner, der unvermeidbare Parteilinke der SPD, schob diese Erkenntnis beiseite: Der Generationenvertrag funktioniere auch weiterhin. Er sei übrigens das einzige Rentenmodell, das funktioniere. Und die Zukunft der heute Jungen sah er so schwarz nicht: Sie bestimme sich daraus, "dass es Arbeit gibt, die gut bezahlt wird". Das sei der Punkt, an dem Politik ansetzen müsse: Die Rentenkassen eben durch hohe Löhne und wenig Arbeitslosigkeit ordentlich zu füllen. Dann werde alles gut. Immerhin: Die Einführung der Riester-Rente hält mittlerweile auch SPD-Vertreter Stegner für einen Fehler: "Die, die sie sich leisten können, brauchen sie nicht. Und die, die sie brauchen, können sie sich nicht leisten", durfte er gleich zwei Mal zu Protokoll geben.

Jens Spahn, CDU-Sozialpolitiker und Jahrgang 1980, geißelte einmal mehr die Rente mit 63. Sie sei das falsche Signal in einer alternden Gesellschaft - ein "Geschenk an gut verdienende Facharbeiter". Für Arbeitnehmer, die nach einem aufreibenden Berufsleben gesundheitlich nicht mehr in der Lage seien weiterzuarbeiten, sei sie jedoch die falsche Lösung - hier hätte man eher über Änderungen bei der Erwerbsminderungsrente nachdenken sollen. Vor allem aber sei die Rente mit 63 eine "Männerente": Zwei Drittel aller Frührentner seien Männer, die nun plötzlich in der Arbeitswelt fehlten.

Einstieg Lutz Goebel, Präsident des Verbandes der Familienunternehmer: Die Schwierigkeiten, die die Rente mit 63 den Arbeitgebern bereite, bestätigte er. Aus seinem Unternehmen seien drei Mitarbeiter gleichzeitig in Rente gegangen, bei denen man bisher gar nicht damit habe rechnen können. Ihr Fachwissen und die Erfahrung hätten sie mitgenommen.

Und zum Schluss der Runde des Erwartbaren: Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Sie beklagte die falsche Finanzierung der Mütterrente. Statt aus den Rentenkassen solle die lieber aus Steuereinnahmen finanziert werden, wenn man sie denn schon haben wolle. CDU-Mann Spahn konterte sofort pflichtgemäß: "Immerhin erkennt die Mütterente Erziehungsleistung an."

So, fertig: Eine Stunde Rentendiskussion der Großen Koalition kompakt zusammengefasst. Oder war da noch was? Ja, allerdings: Die Stimme der Generation, um die es eigentlich gehen sollte. Jasmin Buck, 28, Vertreterin der "Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen" und Journalistin bei der Rheinischen Post, sorgte sich wegen des Schuldenbergs, der ihrer Generation hinterlassen werde. Altersarmut werde ein Thema ihrer Generation der heute etwa 30-Jährigen, denn die Renten dürften auf das Niveau einer Grundsicherung sinken, wenn die Zahl der Beitragszahler sinke, die der Rentner aber massiv steige.

Doch Bucks Rolle in der Diskussion entsprach der Position ihrer Generation in der ganzen Debatte: Man ließ sie kaum zu Wort kommen, um ihr dann vorzuwerfen, nicht laut genug zu sein. Buck musste sich von Arbeitgeber-Vertreter Goebel anhören, prekäre Arbeitsverhältnisse und geringe Entlohnung seien nur Probleme schlecht ausgebildeter junger Menschen, und von Stegner sagen lassen, dass immerhin gerade die 18- bis 34-Jährigen laut einer Umfrage die Rente mit 63 doch besonders gut fänden.

Bucks Erwiderungen auf diesen Unsinn ließen Talkgäste und vor allen Dingen Moderatorin Illner im Talk-Tumult untergehen. "Frau Buck, Sie sind gleich dran", kanzelte Illner die junge Journalistin ab. Bezogen auf Bucks Generation könnte man sagen: Wahrscheinlich nicht.

"Die junge Generation müsste mehr auf den Putz hauen" sagte Autor Sven Kuntze zum Schluss der Sendung. Leicht gesagt.

(hav)