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Maybrit Illner: Marco Buschmann und Michael Kretschmer im Streit - TV-Kritik

Streit bei Maybrit Illner : Bei Kretschmer und Buschmann liegen die Nerven blank

Die Bund-Länder-Beschlüsse sind eigentlich die richtigen Schritte bei der Pandemie-Bekämpfung. Da sind sich Maybrit Illners Gäste einig. Trotzdem geraten zwei Politiker heftigst aneinander. Und Karl Lauterbach besänftigt.

Darum ging es

Die Lage der Infektionen ist nach wie vor dramatisch. Nach der Ministerpräsidentenkonferenz will Maybrit Illner am Abend im ZDF von ihren Gästen wissen: „Gibt es jetzt endlich einen Plan?“ Beantworten soll ihre Runde auch: „Wird der reichen oder müssen wir an Weihnachten wieder Gäste zählen?“

Die Gäste    

  • Michael Kretschmer, Ministerpräsident Sachsen, CDU

  • 
Marco Buschmann, designierter Bundesjustizminister, FDP
  • 
Karl Lauterbach, Gesundheitspolitiker, SPD
  • 
Christine Falk, Biologin und Immunologin, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI)
  • Eva Quadbeck, Stellv. Chefredakteurin und Leiterin des Hauptstadtbüros vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)



Der Talkverlauf

Der Plan ist gut, da sind sich die drei Politiker bei Maybrit Illner in ihrer Bewertung der Bund- Länderbeschlüsse überraschend einig. Die Nerven liegen trotzdem blank - wenigstens bei Michael Kretschmer und FDP-Mann Marco Buschmann. die beiden bekommen sich über die dramatische Corona-Situation in Sachsen in die Haare, wo die höchsten Inzidenzen des Landes (1180) und die niedrigsten Impfquoten (58 Prozent) die Lage auf den Intensivstationen verschlimmern. Kretschmer hatte den designierten Justizminister eigentlich nur gefragt, ob er bald mit Unterstützung für den Umgang mit gefährlichen Verschwörern rechnen könne. Er spricht über „rechtsextreme Telegram-Gruppen, die bösartigste Propaganda und Hetze und zersetzende Dinge proklamieren“ und fordert: „Da müssen wir etwas tun.“

Als Buschmann ihm empfiehlt, doch lieber erstmal die Impflogistik in den Griff zu bekommen und vorhandene Gelder abzurufen, platzt Kretschmer der Kragen. Einen Moment lang sieht es aus, als würde der Ministerpräsident aufstehen und gehen. Macht er aber dann nicht. Stattdessen bellt er den FDP-Mann an: „So können Sie nicht mit mir reden. Da kommt jemand aus Berlin und will mir sowas erzählen! Da ist Schluss“, ruft er erbost und Buschmann blafft zurück: „Reißen Sie sich am Riemen.“ Was nicht wirklich hilft.

Erst Karl Lauterbach besänftigt und versprüht etwas Optimismus: „Die Maßnahmen wirken jetzt, das zeigen die neuen Studien“, sagt er und bittet: „Wir müssen zusammenhalten, sonst kommen wir nicht weiter.“ Journalistin Quadbeck sieht wie Kretschmer Handlungsbedarf. Auch wenn massiv gegen Regeln verstoßen werde, passiere oft nicht genug. „Sie werden in Sachsen besser kontrollieren müssen und wahrscheinlich auch härter vorgehen müssen gegen Querdenker und Rechtsradikale, die zusätzlich die Leute aufwiegeln“, rät sie.

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Zuvor hatte sie die neuen Maßnahmen beurteilt und gelobt, dass die Politiker inzwischen das „Klein-Klein“ aufgegeben haben, und zusammengerückt seien. Warum erst jetzt? Ihre Vermutung: „Uns muss es erstmal so richtig schlecht gehen, bevor man in der Lage ist, zu tun, was auf der Hand liegt.“ Buschmann lobt, der „neue Instrumentenkasten“ eigne  sich “den totalen, pauschalen Lockdown“ zu verhindern.

Lauterbach freut sich über eine Rückkehr zur „evidenzbasierten Politik“, räumt allerdings ein, dass ihm die Besucherzahlen bei Großveranstaltungen noch zu hoch sind: „5.000 Menschen in Stadien hätten mir besser gefallen.“ Das Gesamtportfolio der Beschlüsse könne sich aber sehen lassen. Und der SPD-Politiker ist auch sonst ungewohnt optimistisch, zum Beispiel angesichts der Prognose, dass in fünf Wochen 30 Millionen Impfungen zu leisten seien: „Wir haben die 30 Millionen, der Impfstoff ist da.“ Und den Ernst der Lage hätten „Bevölkerung und Politik parteiübergreifend begriffen“. Das sei im August noch nicht der Fall gewesen.

CDU-Mann Kretschmer gibt den Plänen der  Ampel-Regierung ebenfalls seinen Segen: „Es geht jetzt nicht darum, Recht zu bekommen, sondern das Richtige zu tun, was epidemiologisch geboten ist.“ In Sachsen werde er weiter nacharbeiten, in Stadien gebe es dort ohnehin schon keine Besucher mehr.

Ernst und alarmierend klingt Immunologin Falk: „Es geht um Menschenleben“, erinnert sie. „Wir verlegen innerhalb von Deutschland Intensivpatienten per Hubschrauber. Wenn man etwas gelernt hat aus der Pandemie, dann dass man schnell handeln muss“, mahnt  sie und legt nach: „Wenn wir die Zahlen jetzt nicht in den Griff bekommen ist absehbar, dass die Intensivkapazitäten schon vor Weihnachten nicht mehr ausreichen.“ Das sei im Übrigen nicht neu, das sagten Intensivmediziner seit Wochen.

Falk appelliert an jede und jeden Einzelnen, mitzumachen und Kontakte einzuschränken. Zudem brauche Deutschland eine „Impfquote deutlich über 85 Prozent“. Sie erklärt erneut, dass es die von manchen befürchteten Langzeitfolgen nicht gebe, dass die Impfstoffe jahrelang entwickelt worden, neu sei allein das Virus.

Von der Idee einer allgemeinen Impfpflicht scheinen alle im Studio einigermaßen überzeugt, aber niemand so recht begeistert. Quadbeck warnt vor einem Vertrauensverlust, da die Politiker über Monate versprochen hätten, es werde die Pflicht nicht geben. Der Beschluss werde bei den Coronaleugnern einen Boomerangeffekt haben, fürchtet sie.

Die Lage habe sich geändert, verteidigt Lauterbach die neue Ansage zur Impfpflicht. Kritik müsse man in Kauf nehmen, sagt der Politiker, den Illner als „Gesundheitsminister der Herzen“ beschreibt, den „jetzt sogar Friedrich Merz und Markus Söder gut finden“. Lauterbach grinst auf die Frage nach dem nach wie vor offenen Ministeriumsposten nur und hält sich bedeckt. Wer Gesundheitsministerin oder Gesundheitsminister wird bleibt auch bei Maybrit Illner ein Rätsel. Quadbeck witzelt: „Muss das nicht ein Team sein?“ fragt sie. „Oder macht der General dann Corona und der Gesundheitsminister kümmert sich ums Kiffen?“

(juju)