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"Maybrit Illner" - Armin Laschet zu Gast: "Leute sollen an die frische Luft!"

Armin Laschet bei „Maybrit Illner“ : „Die Leute sollen an die frische Luft!“

Als Talkgast erklärt Laschet, warum er sich für ein Kontaktverbot entschieden hat. Dabei fragt die Moderatorin auch nach, ob es in der Telefonkonferenz zwischen den Ministerpräsidenten tatsächlich laut geworden ist.

Beim „Corona spezial“ treffen bei „Maybrit Illner“am Sonntagabend Politiker und Mediziner zusammen. Sie sprechen darüber, wie sie sich das Zuhausebleiben für die Bürger vorstellen.

Die Gäste:

  • Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister
  • Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von NRW
  • Ulrike Lüken, Psychologin
  • Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender Weltärztebund
  • Zugeschaltet: Johannes B. Kerner

Darum ging’s:

Kontaktverbot oder Ausgangssperre – da scheiden sich die Geister. Einig sind sich die Gäste dagegen bei der Beobachtung einer neuen Art von Zusammenhalt.

Der Talkverlauf

Die neuen Regeln gegen die Ausbreitung des Coronavirus beschäftigen die Talkrunde. Dabei plädiert die Psychologin Ulrike Lüken dafür, statt von „social distancing“ lieber von „physical distancing“ zu sprechen – denn es gehe ja nur darum, körperlich auf Abstand zu gehen. Dagegen sei es wichtig, regelmäßige Kontakte zu halten, entweder telefonisch oder auf digitalem Wege. In puncto Medienkonsum sei allerdings Zurückhaltung besser für die geistige Gesundheit. Zudem rät sie den Bürgern, die nicht mehr zur Arbeit gehen, sich einen Stundenplan für den Tag zu machen und dabei auch Highlights einzuplanen, die Freude machen.

Vor allem aber dreht sich das Gespräch um politische Fragen. Lange dauert es nicht, bis der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet in der Talkshow die Warnung wiederholt, die er bereits vorher der Öffentlichkeit mit auf den Weg gegeben hatte: „Es geht um Leben und Tod.“ Nun müsse spürbar sein, dass die Ordnungskräfte die neue Regelung durchsetzen, nach der die Menschen nur noch zu zweit oder mit der eigenen Familie nach draußen dürfen. Die große Eigenverantwortung, mit der die meisten ohnehin schon auf Abstand zu anderen Menschen gegangen seien, müsse man anerkennen. Aber „die wenigen Unvernünftigen müssen Sanktionen spüren“. Im Klartext: Ein Verstoß könne im Extremfall bis zu 25.000 Euro Bußgeld bedeuten.

Mit harten Regeln war der bayrische Ministerpräsident Markus Söder bereits am Freitag vorgeprescht, obwohl die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung am Sonntag über ein gemeinsames Vorgehen beraten wollten. In der Telefonkonferenz soll es dann zwischen Söder und Laschet laut geworden sein – und danach fragt Moderatorin Maybrit Illner nun Laschet auf den Kopf zu. „Es ist nicht laut geworden, es ist engagiert diskutiert worden“, sagt Laschet und betont, dass am Ende eine gemeinsame Position herausgekommen sei. Überhaupt zeigt er sich erfreut, wieviel Zusammenhalt er bei seiner Arbeit erlebt – etwa bei Gesetzen, die in erster oder zweiter Lesung „durchgehen“.

Auch Vizekanzler Olaf Scholz lobt das Ergebnis des Gesprächs mit den Ministerpräsidenten. Allerdings findet er auch, in dieser Situation solle man nicht jemandem Vorwürfe machen, weil er Entscheidungen trifft. „Es ist manchmal auch gut, ein paar Stunden nachzudenken“, kontert Laschet. Später wird die Psychologin Ulrike Lüken in dasselbe Horn stoßen. Sie vergleicht die Lage mit dem Bezwingen des Himalaya: Bergsteiger würden dabei auf jeder Basisstation innehalten und Gesundheit sowie äußere Umstände prüfen, ehe sie entscheiden, wie es weitergeht.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">&quot;Von Basislager zu Basislager&quot; <br>Psychologin Prof. Ulrike Lüken: Mit Unsicherheit zu leben, ist immer eine Herausforderung. Keiner kann momentan eine Zahl nennen. Deshalb ist es gut auf Sicht zu fahren.<br>Mehr: <a href="https://t.co/NaLqAllMdy">https://t.co/NaLqAllMdy</a><a href="https://twitter.com/hashtag/illner?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#illner</a> <a href="https://twitter.com/HumboldtUni?ref_src=twsrc%5Etfw">@HumboldtUni</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/covid_19DE?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#covid_19DE</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Kontaktverbot?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Kontaktverbot</a> <a href="https://t.co/Nz71B7BU0B">pic.twitter.com/Nz71B7BU0B</a></p>&mdash; maybrit illner (@maybritillner) <a href="https://twitter.com/maybritillner/status/1241898195803877376?ref_src=twsrc%5Etfw">March 23, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Doch zunächst erinnert Laschet daran, dass deutsche Politiker seit Wochen „massiv in Grundrechte eingreifen“, etwa in die Bewegungs-, Gewerbe- und Religionsfreiheit. Das erfordere ein Abwägen, was in der Situation verhältnismäßig sei. So kommt die Runde auch auf die Diskussion um eine Handyortung zu sprechen. Scholz berichtet, beim Gesetzespaket dieser Woche sei dies noch kein Thema. Diese Art der Überwachung werde erst interessant in einer Phase, „wo wir alles wieder aufmachen“.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Montgomery, schlägt ein „Verfallsdatum“ vor, ganz nach dem Motto: Jetzt machen, später noch einmal prüfen. Eine Befristung, nach der solche Eingriffe in Bürgerrechte wieder entfallen, hält auch Laschet für eine gute Idee. Grundsätzlich beharrt er aber darauf, die Politik müsse genau abwägen, was angemessen sei.

Die Moderatorin hat noch eine Überraschung parat: Sie hatte vor der Sendung Gelegenheit, mit Söder zu sprechen. Jener begründet sein Vorpreschen mit einer Ausgangsbeschränkung mit der Lage von Bayern als Grenzgebiet, mit Druck von Kommunalpolitikern und E-Mails aus der Bevölkerung.

Schließlich enthüllt ein Wort, wo die Differenzen zwischen ihm und Laschet liegen mögen: Kontaktsperre. Der Begriff behagt dem bayrischen Ministerpräsidenten nicht. Er findet, die Menschen sollen zu Hause bleiben. Genau das liegt Laschet fern. Schon zu Beginn der Sendung hatte er betont, ein Kontaktverbot sei keine Ausgangssperre. „Die Leute sollen an die frische Luft!“ Auch um Hüttenkoller und Konflikte zu vermeiden, sollten die Menschen ihre Wohnungen verlassen – nur sollten sie dabei möglichst nicht auf andere treffen.