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Markus Lanz: Walter Kohl plädiert für Politik im Sinne Ludwig Erhards

Walter Kohl bei „Markus Lanz“ : „Ich würde das Geschichtsbuch aufschlagen und Ludwig Erhard fragen“

Suppenschüssel, alte Zöpfe, Fußball ohne Schiedsrichter: Walter Kohl kommt mit vielen Bildern zu „Markus Lanz“ – und fordert die Politik zum langfristigen Handeln auf.

Beim Talk von „Markus Lanz“ am Mittwochabend ging es um Thüringen, Rassismus und Zukunftsideen.

Die Gäste:

  • Mike Mohring, Thüringer CDU-Chef
  • Walter Kohl, Unternehmer und Neumitglied in der CDU
  • Aminata Touré (Grüne), Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtags
  • Cerstin Gammelin, Journalistin der „Süddeutschen Zeitung“

Der Verlauf:

Walter Kohl schweigt. Eine Dreiviertelstunde lang prasseln kritische Fragen auf den Thüringer CDU-Chef Mike Mohring ein. Die Journalistin Cerstin Gammelin und die Grünen-Politikerin Aminata Touré sind auch Teil der Diskussion um die Ursachen und Konsequenzen der Landtagswahl in Thüringen. Nur Kohl ergreift nicht das Wort.

Gerade als Gammelin der Debatte eine neue Richtung gibt mit der Frage, welche Möglichkeiten es denn nun noch gebe, das Dilemma in geordnete Bahnen zu lenken, bricht Moderator Markus Lanz ab: Nun solle der Unternehmer Walter Kohl über sein Buch sprechen. Er habe ja vielleicht auch eine Antwort auf diese Frage.

Ein Rezept habe er nicht, sagt Kohl. Aus Thüringen könne man lernen, dass „die demokratischen Kräfte sich zusammenraufen müssen“. Der Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl empfiehlt ihnen, aus der Empörung herauszukommen und Ursachen zu hinterfragen, warum – nicht nur in Thüringen – die politischen Ränder immer stärker geworden sind.

Den häufig angebrachten Einwand, den Menschen ginge es doch gut, und dennoch gäbe es diesen Zustrom, will Kohl so nicht gelten lassen. Er plädiert auf eine differenzierte Sicht – und rückt dabei weitreichende Fragen in den Mittelpunkt. „Tesla ist mehr Wert als die VW-Gruppe und BMW zusammen – das sollte uns beschäftigen“, sagt er etwa. Themen wie Einwanderung, Klimakrise und Digitalisierung brauchten politische Ideen.

Bei der Frage nach der Umsetzung schaut Kohl zuallererst aufs Prinzip. Mit einem Bild vom Fußballplatz ohne Schiedsrichter malt er aus, welche Richtung seiner Ansicht nach die falsche wäre. Die richtige: ein Spielfeld mit Regeln, auch bekannt als soziale Marktwirtschaft. „Ich würde das Geschichtsbuch aufschlagen und Ludwig Erhard fragen“, so Kohl.

Zudem fordert er, darauf zu achten, was in anderen Ländern besser gemacht werde. Deutschland müsse nicht überall das Rad neu erfinden. „Die Schweizer bauen einen Tunnel unter schwierigsten Bedingungen, und wir haben Probleme auf einer Brandenburger Wiese.“ Drittens setzt er sich für einen „Abschied aus dem politischen Kleinkrieg“ aus – mitsamt Abbau von Gesetzen, die zu langwierigen Prozessen führen. Deutschland müsse „raus aus der Suppenschüssel“, man müsse „alte Zöpfe abschneiden“ und langfristig denken.

Als Touré und Gammelin nachhaken, ob er damit Institutionen abbauen und eine Misstrauenserklärung an Politiker aussprechen wolle, gelingt es Lanz nicht, einen Schlagabtausch zu provozieren. Touré und Kohl bleiben gelassen – und klären die Lage. Dabei stellen sie fest, dass sie einander lediglich missverstanden haben.

Eigentlich wäre nun Touré dran, doch der Moderator lässt sie kaum zu Wort kommen vor lauter „das wäre jetzt Ihre Zeit, aber …“. Touré soll über das Thema Rassismus sprechen, und das tut sich schließlich in der gegebenen Eile. Auch auf Thüringen soll sie noch kurz eingehen. Sie beschreibt, welche Reaktionen die Wahl bei jüdischen Bürgern, Afrodeutschen oder Bürgern mit türkischem Hintergrund auslösten und stellt fest: „Eine Politik misst sich daran, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht.“ Dann ist die Sendung zu Ende, und das abrupte Ende wirkt wie ein Beispiel für Tourés Bemerkung.

(peng)