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"Markus Lanz": TV-Nachlese - Moderator will wissen, wie sich Rassismus anfühlt

TV-Nachlese : Lanz will wissen, wie sich Rassismus anfühlt

Am Donnerstagabend sind bei „Markus Lanz“ zwei Afrodeutsche und eine Frau mit Migrationshintergrund zu Gast. Dass das ein ungewöhnliches Bild im deutschen Fernsehen ist, passt bestens zum Thema.

Am Donnerstagabend wird bei „Markus Lanz“ zunächst ein US-Korrespondent zugeschaltet, der am Rande einer Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt steht. Szenen aus den USA prägen die Fragen der Sendung – aber die Talkgäste holen die Diskussion in die deutsche Gesellschaft.

Die Gäste:

  • Karl Lauterbach (SPD), Politiker
  • Elmar Theveßen, Journalist
  • Hadija Haruna-Oelker, Politologin
  • Dennis Aogo, Fußballprofi
  • Serap Güler (CDU), Staatssekretärin für Integration in NRW

Darum ging’s:

Rassismus in den USA. Und in Deutschland. Aber nicht so schlimm, oder? Gleich zu Beginn der Sendung wird deutlich, welchen Unterschied es bei der Einschätzung des Themas macht, wenn der Mensch, den man in Videos wie dem vom Tod von George Floyd zu sehen bekommt, „der Bruder oder der Vater“ sein könnte. Moderator Markus Lanz erweist sich allerdings nicht als sonderlich guter Zuhörer.

Der Talkverlauf:

Lässt sich Rassismus zum rein amerikanischen Problem erklären? Moderator Markus Lanz erweckt in seiner Sendung am Donnerstagabend den Eindruck, das wäre ihm ganz recht. Der erste Teil widmet sich ausführlich der Lage in den USA, und nach dem zugeschalteten Korrespondenten Elmar Theveßen soll auch Karl Lauterbach sagen, wie das in den USA eigentlich läuft. Schließlich, so Lanz, habe jener einmal in Harvard studiert und halte dort immer noch Vorträge.

Bei dem Thema weicht Lauterbach von seinem wissenschaftlichen Habitus ab – und zieht statt Studien Anekdoten zu Rate. Seine „Kollegen in Harvard“ sagen „unisono“, dass Trump wohl nicht mehr gewinnen könne. „Freunde in New York“ hingegen glauben, Trump habe jetzt nichts mehr zu verlieren, sei deshalb völlig unberechenbar und würde möglicherweise einen Bürgerkrieg provozieren, um an der Macht zu bleiben. Erkenntnisgewinn: Null. Am Schluss der Sendung darf Lauterbach dann aus seinem Fachgebiet berichten, der Epidemiologie, aber seine wissenschaftsbasierten Aussagen kommen bei Lanz weniger gut an.

Der Großteil der Sendung dreht sich ohnehin um Rassismus. Dabei bemühen sich die Politologin Hadija Haruna-Oelker, der Fußballer Dennis Aogo und die Politikerin Serap Güler, Lanz und dem Publikum nahezubringen, was es heißt, rassistische Erfahrungen zu machen. Eigentlich fällt das in Lanz‘ Metier: Nach Emotionen fragt der Moderator besonders gern, und das tut er auch. Aogo zum Beispiel soll erklären, wie sich das anfühlt, wenn aus den Zuschauerrängen im Stadion Affengeräusche auf den Platz schallen.

Aogo gibt zu Protokoll, dass Fußballer ohnehin die schlimmsten Schimpfworte von gegnerischen Fans zu hören bekommen. Aber er habe sich da auch hilflos gefühlt: „Welche Möglichkeiten habe ich denn in dem Moment, zu reagieren?“ Sein Kumpel Boateng sei irgendwann vom Platz gegangen. „So weit war ich nicht“, sagt Aogo.

„Man fühlt sich dann hilflos, wenn man mit dem Thema alleingelassen wird“, wirft Güler ein. Das sei entscheidend. „Wenn nur Menschen, die selbst diese Rassismuserfahrung gemacht haben, gegen Rassismus aufstehen, dann haben wir als Gesellschaft ein Problem.“ An Aogo gewandt befindet sie, in so einer Lage müsse die ganze Mannschaft hinter einem stehen. Aber da winkt Aogo ab. Wäre das die Grundvoraussetzung, müsse man bei jedem zweiten Spiel vom Platz gehen, meint er.

Hüben wie drüben ist Rassismus nichts Neues, da sind sich die Talkgäste einig. Haruna-Oelker zitiert den US-Schauspieler Will Smith: „Racism is not getting worse. It’s getting filmed.“ (Rassismus wird nicht schlimmer. Er wird nur gefilmt.) Schwarze Menschen wüssten das, und weißen Menschen würde das nun bewusster, auch weil sie die Bilder aus den USA sähen.

Zuvor hatte Lanz schon über ein eingespieltes Video gestaunt, in dem Afroamerikaner ihren Kindern erklären, wie sie sich der Polizei gegenüber verhalten sollen und wie sehr sie mit Übergriffen rechnen müssen. Doch mit der Vorstellung, rassistisch motivierte Polizeigewalt gebe es nur in den USA, räumt Haruna-Oelker auf. Es gebe unzählige solcher Fälle in Deutschland, sagt sie und benennt einige, die durch die Medien gegangen sind.

Auf Nachfrage von Lanz berichtet Aogo, dass er öfter von der Polizei angehalten werde. In Luxusboutiquen oder Autohäusern werde er zuweilen „fast des Hauses“ verwiesen, und auch in Restaurants mache er die Erfahrung, keinen Tisch zu bekommen. Vor allem aber will Lanz, dass Aogo davon erzählt, wie dessen Vater im Jahr 2009 grundlos von der Polizei in die Mangel genommen wurde. Aber all diese Bemühungen nutzen offenbar nichts. Jedenfalls sagt Lanz: „Ich erlebe deutsche Polizisten wirklich vollkommen anders.“