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Markus Lanz: TV-Kritik zu ZDF-Talkshow - Lafontaine-Talk ohne Lafontaine

ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ : Lafontaine-Talk ohne Lafontaine

Vier Frauen hat Moderator Markus Lanz am Dienstagabend in seiner Talkshow, aber das scheint ihm nicht zu reichen. Eine Aussage von Oskar Lafontaine soll unter anderem Sahra Wagenknecht interpretieren.

Am Dienstagabend ging es bei „Markus Lanz“ um das Coronavirus und um den Wahlkampf in Deutschland. Wir haben uns auf den lebhaften Teil der Sendung konzentriert, der sich um eine Aussage von Oskar Lafontaine drehte – der allerdings gar nicht Gast der Sendung war.

 Die Gäste:

  • Sahra Wagenknecht (Die Linke), Politikerin
  • Anja Maier, Journalistin
  • Helga Rübsamen-Schaeff, Virologin
  • Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats

Der Talk:

Gleich nach der Vorstellungsrunde sagt Moderator Markus Lanz extra dazu, dass vier Frauen im Studio sitzen. Das habe sich so ergeben, sagt er. Als ob es da etwas zu entschuldigen gäbe. Einen guten Batzen Gäste-Unterbrechungen später würgt Lanz abermals eine Diskussion ab, um ein langes Zitat vorzulesen.

Bis zu diesem Punkt schien es, als sei die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht zu Gast, um über ihre Ansichten zur die Corona-Politik zu sprechen oder über ihr Buch oder über das Ausschlussverfahren, das ihre Partei gegen sie anstrebt. Doch nun sitzt sie plötzlich da als die Frau von Oskar Lafontaine. Von ihm stammt jenes Corona-bezogene Zitat, das Lanz später als „ganz hart an der Verschwörungstheorie“ bezeichnen wird. Erst einmal aber soll Wagenknecht erzählen, ob ihr Mann denn geimpft sei.

„Na klar!“, sagt Wagenknecht. Lanz drängt daraufhin weiter ins Private. Er will wissen, ob Wagenknecht auch geimpft sei. Als diese sich zurückhaltend äußert, hakt er nach, gepaart mit der Frage, ob ihr das jetzt zu persönlich sei. So weit, so typisch für die Sendung. Wagenknecht räumt ein, sie könne ruhig öffentlich sagen, dass sie noch nicht geimpft sei. Aber bald kehrt die Diskussion wieder zu Lafontaine zurück.

In besagtem Facebook-Posting hatte der Linken-Politiker den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach als „Covid-Heulboje“ bezeichnet. Diesen Ton kritisiert die Journalistin Anja Maier. Sie findet eine solche Polemik auch deshalb bemerkenswert, weil Lafontaine auch einmal der SPD angehört hat, und sinniert mit Blick auf Wagenknecht, wie das Ehepaar zu Hause wohl über andere Menschen rede. Da es um das Coronavirus geht, fragt sie aber auch: „Woher kommt denn jetzt diese Expertise?“

Wagenknecht greift daraufhin Expertenprognosen über den Verlauf der Pandemie an und nennt als Beispiel, dass die britische Variante sich gar nicht so ausgewirkt habe, wie es vorhergesagt wurde. Daraufhin setzt ihr die Medizinethikerin Alena Buyx auseinander, wie gut sich diese Aussage als Beispiel für das Präventionsparadox eigne: „Die Prognosen sind nicht eingetreten, weil gegengesteuert wurde.“ Die Virologin Helga Rübsamen-Schaeff erinnert daran, dass die dritte Pandemiewelle selbst in Details auf eine stärker geschützte Bevölkerung traf: „Vor einem Jahr hatten wir nicht einmal Masken“, sagt sie.

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Damit ist der Geist von Oskar Lafontaine aber immer noch nicht aus der Runde verschwunden. Nun geht es darum, wie Lafontaine in seinem Facebook-Posting Verflechtungen der Pharmaindustrie mit der Politik andeutet – und dabei eine Rolle auch für Experten impliziert. Wagenknecht versucht sich mit allgemeinen Äußerungen über den Einfluss von Pharmaunternehmen. Doch das sehen Rübsamen Schaeff und Buyx als Ablenkung vom eigentlichen Kern der Aussage.

„Es gibt viele gute Argumente für die Impfung, die nichts mit wirtschaftlichen Interessen zu tun haben“, sagt Buyx. Als Beispiel nennt sie medizinische, epidemiologische und ethische Gründe. Auf diesem Hintergrund würden Experten sich zur Impfung äußern, und sie in die Nähe von Pharma-Interessen zu stellen, würde ihre Aussagen als suspekt hinstellen, kritisiert Buyx.

Wagenknecht geht dennoch nicht einen Milimeter auf den Rest der Runde zu. Schließlich sagt Maier, was die ganze Zeit unausgesprochen im Raum stand: „Es wäre jetzt das Allerbeste, man hätte Herrn Lafontaine hier sitzen und würde das mit ihm besprechen.“