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Markus Lanz mit Theo Waigel: "Wenn du Angst hast, musst du aufhören"

TV-Nachlese „Markus Lanz“ : „Wenn du Angst hast, musst du aufhören“

Der ehemalige Finanzminister Theo Waigel bekommt die Ehrengastrolle bei „Markus Lanz“. Die anderen Gäste bleiben zumeist im Hintergrund. Nur Benjamin von Stuckrad-Barre spielt sich in den Vordergrund.

Am Mittwochabend hatte Markus Lanz unter anderem den ehemaligen Finanzminister Theo Waigel zu Gast. Die anderen Gäste mussten da etwas zurückstehen – einer gab sich mit dieser Rolle aber nicht zufrieden.

 Die Gäste:

 Darum ging’s:

Vor allem um Geschichten aus den Zeiten der Wiedervereinigung. Um Geld, Mord und Männer, die Bücher schreiben – allerdings leider nicht um Krimis.

 Der Talkverlauf:

Der Pop-Autor Benjamin von Stuckrad-Barre unterbricht mit eigenen Fragen und Witzchen, schaukelt auf seinem Stuhl und zieht so viele Grimassen, dass das ZDF sein Konterfei zuweilen auch zeigt, wenn jemand anderes spricht. Trotzdem bekommt nicht er den Löwenanteil in der Sendung, sondern Theo Waigel.

Der CSU-Politiker und ehemalige Finanzminister rückt gleich zu Anfang die Perspektive auf die Ausgaben für Corona-Hilfen zurecht. Für die deutsche Einheit habe die Bundesregierung für mehr als ein Jahrzehnt jedes Jahr 4 bis 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufgewendet, allein im Haushalt seien das 100 bis 150 Milliarden pro Jahr gewesen. Mit Nachdruck schiebt Waigel hinterher: „Die jetzige Krise wird nicht so lange dauern.“

Bei diesem Thema wendet sich Moderator Markus Lanz kurz der Leiterin eines Seniorenzentrums zu: Sie soll der Diskussion um den Schutz der Älteren einige Erfahrungswerte beisteuern. „Wenn ein erster Fall in einer Einrichtung auftritt, ist das Virus nicht mehr aufzuhalten“, sagt Bernhild Braun. Sie erlebe die Wertschätzung alter Menschen nicht unbedingt als positiv. Die Hintergründe dafür formuliert sie so: „Wir sind eine Branche, die Geld kostet und nichts herstellt.“ Zu den neuen Regeln der Politik, die sie als Leiterin einen Tag vor Inkrafttreten am 1. Dezember erhalten habe, gehört ein umfangreiches Testprogramm. Das sei eine gute Strategie, findet Braun. Aber: „Das Problem sind personelle Ressourcen.“ Wegen des ohnehin schon gravierenden Pflegemangels würde in ihrer Einrichtung nun die Einrichtungs- und Pflegedienstleitung das Testen übernehmen.

Nun möchte Lanz über andere Gefahren sprechen und gibt Waigel das Stichwort „Gefährdungsliste“. Der reagiert prompt: „Ich war die Nummer Eins im Fadenkreuz der RAF.“ Waigel behauptet, weil die RAF an ihn aber nicht herangekommen sei, habe sie 1991 den Treuhand-Chef Detlev Rohwedder erschossen. In Wahrheit wurde der Mord nie aufgeklärt, und bis heute gibt es Zweifel an dieser These.

Lanz will wissen, warum der Treuhand auch in Ostdeutschland Hass entgegenschlug. „Unser Fehler war, dass wir den Menschen den Zustand der DDR-Wirtschaft, für den sie nichts konnten, nicht genug erklärt haben“, sagt Waigel. Die Bundesregierung habe zunächst selbst nichts über diesen Zustand gewusst. Auch Markus Lanz bringt den Verdacht ins Spiel, hinter der Ermordung Detlev-Karsten Rohwedders 1991 in Düsseldorf, dessen Aufgabe die Privatisierung der DDR-Wirtschaft war, habe die Stasi gesteckt.

„Haben Sie diese Serie auf Netflix gesehen?“, fragt Benjamin von Stuckrad-Barre. Er habe davon gehört, meint Waigel, er sei in der Sendung ja selbst aufgetreten. Stuckrad-Barre zeigt sich skeptisch, ob es überhaupt eine dritte Generation der RAF-Terroristen gegeben habe, und führt den „hohen Organisationsgrad“ bei der Ermordung Rohwedders an. Jener war aus 63 Metern Entfernung zielsicher erschossen worden. Aber Waigel will davon nichts hören. „Aber man hat doch ein Haar gefunden, das auf einen RAF-Mann hindeutet“, beharrt er, und nun fragt sogar Lanz nach: „Ein Haar?“

Schließlich lenkt er das Gespräch auf aktuelle Terrordrohungen von Rechtsradikalen oder Islamisten und fragt, wie ein bedrohter Politiker damit umgeht. „Wenn du Angst hast, musst du aufhören“, sagt Waigel. Man dürfe bei Bedrohungen keine Angst haben, wenn man weitermachen wolle, sagt Waigel. Dann hätten „die“ keine Chance. „Selbst wenn ihr mich umbringt, bringt ihr die Demokratie und diese Gesellschafts- und Staatsordnung nicht um.“

Danach schwenkt Lanz dann zu zwanzig Minuten Buchwerbung um, begonnen mit einer Begegnung am Strand von Heiligendamm zwischen einem angesäuselten Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre. Letzterer beschwert sich beifallheischend darüber, dass Suter seinen Stoff in der Tiefe recherchiert – und für eine LSD-Szene in entsprechenden Foren nachgeforscht und sogar mit dem Erfinder von LSD gesprochen habe. Dazu sagt Stuckrad-Barre: „Was ist das denn für eine Arbeitseinstellung?“ Er selbst würde das alles erleben und es dann aufschreiben.