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Markus Lanz mit Reinhold Messner: "„Après-Ski ist fürchterlich, es ist auch peinlich“

Reinhold Messner bei „Markus Lanz“ : „Après-Ski ist fürchterlich, es ist auch peinlich“

Was sagt der Bergsteiger zum Coronavirus? Diese Frage findet Antworten in der Talkrunde bei „Markus Lanz“. Reinhold Messner erklärt unter anderem, warum er sich in der Pandemie an alle Regeln hält.

Bei „Markus Lanz“ ging es am Dienstag um historische Krisen, religiöse Fragen, die Behandlung zu früh geborener Babys – und das Coronavirus. Für dieses Thema hat der Moderator vor allem Reinhold Messner vorgesehen. Der Bergsteiger bringt Naturgewalten ins Gespräch, als Lanz nach dem Umgang mit der Pandemie fragt.

Das Coronavirus sei weder gut noch böse, es folge lediglich seiner Erbinformation: „Es muss sich vermehren, und der Mensch ist sein Wirt“, so Messner. Angesichts der heutigen medizinischen Möglichkeiten, der Zahl der Virologen und der Geldsummen, die in die Forschung für Behandlung und Impfstoffe fließen, merkt Messner an: „Wir sollten vielleicht lernen, dass wir Menschen keine Chance haben, die Natur in den Griff zu bekommen.“ Von einer Rache der Natur will er indes nichts hören. Die Natur sei völlig absichtslos.

Lanz will mit Messner auch über das Ringen zwischen Freiheit und Gemeinschaft, zwischen Selbstbestimmung und Verantwortung diskutieren. Während im Hintergrund ein Foto einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen aufblitzt, führt Messner gedanklich in die winterliche Bergwelt. Wenn er auf einer Ebene im Neuschnee herumstapfe, sei das für niemanden eine Gefahr. In einem lawinengefährdeten Hang dagegen sei er allein Schuld, wenn etwas passiere – nicht die Natur und auch nicht andere Menschen.

„In der Wildnis bin ich allein für das verantwortlich, was ich tue“, sagt Messner, der berühmt für seinen Hang zum Extremen ist. Doch diese absolute Selbstbestimmung habe er für die Pandemiezeit aufgeben müssen, „weil ich der Meinung bin, das ist nur gemeinsam lösbar“. Deshalb halte er sich an alle Regeln, auch wenn er nicht immer mit den politischen Entscheidungen einverstanden sei.

Um sein in 1000 Meter Höhe gelegenes Schloss herum treffe er freilich niemanden, da sei die Ansteckungsgefahr gleich Null, bekundet Messner. Eigentlich sei er es gewohnt, ständig irgendwo eine Idee umzusetzen. Aber nun habe er gemerkt: „Das Dasein eines Pensionärs ist auch erträglich.“ Menschen, die es sich nicht auf einem ausladenden Alterssitz gemütlich machen können, können die Lage seiner Ansicht nach dennoch annehmbar gestalten – und zwar auch im Winter.

Zwar beharrt Messner auf seiner früher geäußerten Kritik am Après-Ski. „Après-Ski ist fürchterlich, es ist auch peinlich“, sagt er. Der 76-Jährige erkennt gleichzeitig an, dass die Menschen in den Alpen vom Skibetrieb leben, und er hält ihre Situation während der Pandemie für „friedlich lösbar“. Doch vor allem hofft Messner, dass die Coronakrise dazu beiträgt, andere Wintersportarten zu entdecken, etwa Langlauf und Wandern, mit oder ohne Schneeschuh. „Das Schönste am Winter ist das ganz normale Herumlaufen“, sagt Messner. Dabei könne man die Natur ganz anders erleben. Das Skifahren sei ohnehin so teuer geworden, dass viele Familien es sich nicht mehr leisten könnten.