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"Markus Lanz" mit Precht und Thelen: Hyperloop, Superkonzern, Freiheitsverlust?

TV-Nachlese zu „Markus Lanz“ : Precht und Thelen debattieren über technologischen Fortschritt

Der Investor Frank Thelen und der Philosoph Richard David Precht haben verschiedene Ansichten über die Digitalisierung. Bei „Markus Lanz“ sollen die beiden nun streiten – doch statt Geschrei gibt es dabei Gelächter.

Am Mittwochabend stehen mehrere Themen nacheinander auf der Tagesordnung bei „Markus Lanz“. Eines davon dreht sich um den Fortschritt – in der Technologie, aber auch in den Köpfen.

Die Gäste:

  • Richard David Precht, Philosoph
  • Frank Thelen, Unternehmer
  • Gabriele Krone-Schmalz, Autorin
  • Dr. Klaus Reinhardt, Mediziner

Darum ging’s:

Um die Zukunft. Frank Thelen („Die Höhle der Löwen“) ist dabei in Talkshow-Kreisen im Namen des Technologie-Glaubens unterwegs, Richard David Precht als kritische Stimme.

Der Talkverlauf:

Mit dem Mediziner Klaus Reinhardt spricht Moderator Markus Lanz über das Coronavirus, mit der Autorin Gabriele Krone-Schmalz über Gesprächskultur. Aber schon am Beginn der Sendung macht er klar, was die Hauptattraktion werden soll: ein Schlagabtausch zwischen Frank Thelen und Richard David Precht.

Thelen beginnt mit einem Plädoyer für Lösungen, die „skalieren“ – und schon ist er bei seinem Lieblingsthema, dem Hyperloop. Thelen schwärmt davon, mit dem Zug in der Röhre könne man bei 1400 km/h CO2-frei reisen. Dagegen habe er gar nichts davon, wenn aus Umweltgründen in Deutschland der SUV verboten würde.

Doch Richard David Precht gießt sogleich Wasser in den Wein. Er glaube nicht, dass die Welt warten könne, bis der Hyperloop serienreif sei, sagt der Philosoph. Ohnehin finde er die Argumentation merkwürdig, die besagt: entweder technischer Fortschritt oder Verzicht. An weltrettende Firmenchefs glaubt er schon gar nicht.

Thelen dagegen hegt eine tiefe Bewunderung für den Amazon-Chef Jeff Bezos und den Tesla-Chef Elon Musk. Letzterer arbeite aus der Motivation heraus, die Umwelt zu retten, so Thelen. Und auch Bezos sorge dafür, dass Amazon klimaneutral werde.

Als Precht darauf zurückkommt und von „Fanboy-Worten“ spricht, beginnen sowohl Lanz als auch Thelen fröhlich zu lachen. Doch Precht fährt auch harte Argumente auf. CO2-Neutralität gebe es bei Amazon zwar als Idee, aber allein die ganzen Auslieferungsfahrzeuge stünden dem entgegen. Zudem sei Amazon nicht Teilnehmer des globalen Online-Handels, sondern der Markt desselben. „Das widerspricht meiner liberalen Seele: Hier gibt es keine freie Marktwirtschaft mehr“, so Precht.

Die ethischen Ideale in Firmenbeschreibungen sieht Precht als Lippenbekenntnisse. „Ohne einen ‚purpose‘ wagen nur noch Verbrecher, einem zu schaden.“ Sowohl Bezos als auch Musk würden am Ende tun, was das Investitionskapital will. Dennoch hat er eine Innovationsfrage an Frank Thelen.

In der bisherigen Geschichte, so Precht, seien Städte um Kirchen und Marktplätze gewachsen, nun verschwinde aber nach den Kirchen auch der Markt, der immer auch ein Platz des Begegnens und Austausches gewesen sei. Weil die Leute von zu Hause aus Waren bestellen, würden die Städte zu Ödland. „Was fällt Ihnen an Innovationen ein, um das, was hier verloren geht, zu ersetzen?“, fragt Precht. Dazu hat Thelen keine Antwort, das sei nicht seine Profession, meint der Unternehmer. „Ich kann nur sagen: E-Commerce ist die Zukunft.“

Precht hingegen hat sich grundsätzliche Gedanken gemacht. Er sei dafür, den Online-Handel ab einer bestimmten Größe anders zu besteuern als den qualifizierten Einzelhandel, und die Erlöse daraus zu nutzen, um Letzteren zu subventionieren. An diesem Punkt lenkt Thelen das Gespräch aus unerfindlichen Gründen wieder auf den Hyperloop. Statt in diese Zukunftstechnologie zu investieren, gehe „das ganze Geld in die Deutsche Bahn“. Das ist einer der seltenen Momente, in denen Lanz sprachlos erscheint. Was denn nun mit der Bahn nicht in Ordnung sei, will er wissen. Auch Precht zeigt sich neugierig. Der Hyperloop sei „total cool, viel besser“, sagt Thelen. Und abermals bricht in der Talkrunde Heiterkeit aus.

Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten definiert Precht abermals Fragen für die Gestaltung der Zukunft. Wo lässt sich Innovation ohne ethische Probleme liefern? Wo ist das Bärenfell noch nicht so verteilt, dass Deutschland eine Chance habe? Da stimmt Thelen zu: Eine eigene Suchmaschine zu erfinden, habe keinen Sinn. Precht schlägt etwa den Bereich Umwelttechnologie vor, während Thelen bereits wieder ans „skalieren“ denkt. „Wir brauchen Superkonzerne“, sagt er. Lanz zeigt sich zufrieden. In genau dieser Konstellation müsse man bald weiterreden, meint der Moderator. Schließlich schreite die Technologie so schnell voran.