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"Markus Lanz" mit Kretschmann: Schwarzmalerei, Schuldfragen, Schulchaos

TV-Nachlese „Markus Lanz“ : „Bis zur Marktreife wird Impfstoff als öffentliches Anliegen gesehen“

Schwarzmalerei, Schuldfragen, Schulchaos: An Kritik mangelt es nicht in der x-ten Auflage der Corona-Diskussion bei „Lanz“. Diesmal berührt das Thema Wirtschaft dabei aber eine weniger abgenudelte Frage.

Die Woche bei „Markus Lanz“ startet am Dienstag wieder einmal mit einer Talkrunde über das Coronavirus.

 Die Gäste:

  • Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg
  • Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats
  • Martin Knobbe, Journalist
  • Tankred Stöbe, Vorstandsmitglied von „Ärzte ohne Grenzen“

 Darum ging’s:

Von Impfstoff bis Schulöffnung grast Moderator Markus Lanz vieldiskutierte Aspekte der Pandemie-Diskussion ab. Spannend wird es in puncto Marktwirtschaft.

 Der Talkverlauf:

Gleich zu Beginn will Moderator Markus Lanz über Medienberichte sprechen, die die Kostenpflichtiger Inhalt Wirksamkeit des in Großbritannien bereits zugelassenen Impfstoffs von Astrazeneca anzweifeln – und als Beleg eine Erfolgsquote von nur acht Prozent bei den Über-65-Jährigen heranziehen. Das sei falsch, stellt die Medizinerin und Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx klar. „Jedem, der nur ein bisschen damit zu tun hat, ist klar: Das kann nur Quatsch sein.“ Diese acht Prozent bezögen sich auf der Anteil dieser Altersgruppe unter den Testpersonen der Studie, nicht auf die Immunantwort dieser Menschen.

Die Hersteller der Impfstoffe sollen später in der Runde dennoch für Gesprächsstoff sorgen, doch erst einmal ist der zugeschaltete baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann an der Reihe. Ihm wendet sich Lanz mit seinem Lieblingsthema zu: der Öffnung - oder Schließung - der Schulen. Dazu hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel fast zeitgleich zu Kretschmann geäußert, aber mit einer anderen Botschaft. Das sei „gefühlt anders rübergekommen“, sagt Kretschmann, und dann gibt es ein ellenlanges, aber letztlich fruchtloses Pingpong.

Schließlich wendet der Intensivmediziner Tankred Stöbe ein, dieses „pädagogische Thema“ dominiere die öffentliche Debatte so sehr, dass die von der Pandemie besonders Gefährdeten aus dem Fokus gerieten. „Mir ist nicht bekannt, dass in den Bildungseinrichtungen so viele Menschen sterben“, sagt Stöbe und erinnert an seine Einsätze in Altenheimen, wo 50 bis 100 Prozent infiziert seien.

Buyx pflichtet ihm bei und ergänzt: „Wir diskutieren das Schulthema deshalb so lange, weil es in der Praxis nicht funktioniert.“ Die Behauptung, da ginge nun eine ganze Generation verloren, hält die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats indessen für maßlos übertrieben. Buyx warnt davor, dass eine solche Phrase zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden kann. „Das halte ich für Schwarzmalerei, die auch Motivation nehmen kann“, sagt sie.

Als die Runde zur Bestellung des Impfstoffs zurückkehrt, verweist Kretschmann darauf, dass er nicht der passende Ansprechpartner sei. Da er bei den EU-Verhandlungen nicht zugegen war, wolle er sich auch kein Urteil anmaßen. Eins gibt er der Runde dennoch mit auf den Weg: „Schuldfragen sind in einer Krise nicht produktiv.“

Die Frage, was eine Impfdosis bei den verschiedenen Firmen kostet, kann selbst der Journalist Martin Knobbe nicht beantworten, der dicht an dem Thema dran ist. Mit viel Zustimmung in der Runde moniert Stöbe daraufhin mangelnde Transparenz. Seiner Ansicht nach fehlt es auch an Rechenschaftspflicht für die beteiligten Pharmakonzerne. Der Vorstand von „Ärzte ohne Grenzen“ fordert, wegen der Notlage für eine befristete Zeit den Patentschutz aufzuheben. Das könnte auch die globale Verteilung ändern.

Stöbe verweist darauf, dass die Impfstoffentwicklung „massiv mit öffentlichen Geldern finanziert“ sei, aber die Politik dennnoch erlaube, dass die Firmen sich bedeckt halten darüber, wie viel es koste, den Impfstoff zu produzieren und zu vertreiben. „Bis zur Marktreife wird Impfstoff als öffentliches Anliegen gesehen, und dann heißt es: Das regelt der Markt. Aber das tut er ja nicht“, sagt Stöbe und erinnert an ausbleibende Lieferungen bereits bestellter und bezahlter Ware.