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"Markus Lanz" mit Karl Lauterbach: "Wir stehen am Anfang, nicht am Ende"

Karl Lauterbach bei „Markus Lanz“ : „Wir stehen am Anfang, nicht am Ende“

Der Mann mit der Maske? Moderator Markus Lanz rückt den Corona-Atemschutz in den Mittelpunkt – kommt mit seinen Argumenten bei Karl Lauterbach aber nicht weit.

Am Mittwochabend geht es bei „Markus Lanz“ einmal mehr um das Coronavirus. Unter den Gästen tut sich Karl Lauterbach hervor – und redet Tacheles.

Die Gäste:

  • Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion der CDU/CSU
  • Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe
  • Stefanie Holm, Internistin
  • Johannes Hano, Auslandskorrespondent in New York
  • Marcus van Riesen, Hotelier

Darum ging’s:

Irrationale Ängste, Großveranstaltungen, New Yorker Verhältnisse: Das alles tritt ein wenig in den Hintergrund, wenn die Maske den Ausweg aus der Isolation weisen könnte. Doch so simpel ist es selbst in einer Talkshow nicht.

Der Talkverlauf:

„Es gibt keinen Grund zur Entwarnung.“ Für solche Bemerkungen mögen Talkshow-Gastgeber den SPD-Gesundheitsexperten und Epidemiologen Karl Lauterbach. Er stellt klar: Selbst wenn wir von einer hohen Dunkelziffer ausgingen, seien wir erst ganz am Anfang der Pandemie. Denn ein Großteil der Bevölkerung sei noch nicht infiziert, es sei also fast noch nichts gewonnen.

Moderator Markus Lanz findet das deprimierend – da könne man sich den Sommerurlaub ja wohl von der Backe putzen. Davon inspiriert fragt er alle möglichen Dinge ab, ob die denn vielleicht bald wieder gingen. Aber Lauterbach bleibt bei den Fakten. Freibad, Fußball, Festivals: geht alles nicht. Denn das könnte eine zweite Welle von Masseninfektionen nach sich ziehen, die Krankenhäuser überfordern und auch eine Gefahr für die Wirtschaft darstellen. „Wir stehen am Anfang, nicht am Ende“, sagt Lauterbach.

Eine Kombination aus drei Dingen entscheiden seiner Ansicht nach bei einer Lockerung der Maßnahmen über den Erfolg: Chirurgische Masken, eine freiwillig genutzte App und massenhaftes Testen. „Die Produktion von Masken in Deutschland spielt eine zentrale Rolle für das Wiederanfahren der Wirtschaft“, so Lauterbach. Und da haben wir den Salat.

Markus Lanz beißt sich an der Maske fest, und nicht nur das. Über weite Strecken ignoriert er in der Sendung den Unterschied zwischen selbstgemachten Mundtüchern und medizinischen Masken aus Spezialmaterial. Obendrein suggeriert er, die Nutzlosigkeit von Masken sei möglicherweise nur aus politischem Kalkül verkündet worden – weil es nicht genug Masken gab. Aber auf eine solche Argumentation lässt sich keiner der Gäste ein.

Auch das RKI habe lange Zeit gesagt, Masken böten keinen geeigneten Schutz, wendet etwa der Mittelstandsexperte Carsten Linnemann ein. „Regierungsbehörde!“, unterbricht Lanz, worauf Linnemann anmerkt, er halte wenig davon, mit Vorwürfen zu arbeiten. Damit sind die Masken allerdings nicht vom Tisch.

Österreich mache das doch, insistiert Lanz: Maskenpflicht und die Wirtschaft hochfahren. „Die versuchen das“, relativiert Lauterbach. „Ob das klappt, ist ja noch die Frage.“ Er rät dazu, nicht zu überschätzen, was möglich ist.

Immerhin beklagen viele Länder der Welt eine Knappheit von Schutzmaterial für Ärzte und Pflegepersonal – von einer Ausrüstung der Bevölkerung gar nicht zu reden. So fragt sich Lauterbach, woher die Masken in Österreich eigentlich kämen. Daraufhin gibt Lanz eine Anekdote aus der Sendung des Vortags zum Besten: Ganz Österreich würde Masken nähen. Aber auch damit beißt er in der Runde auf Granit.

Es gebe Studien, die verschiedene Masken-Materialien vergleichen, so Lauterbach. Eine OP-Maske schneide demnach circa fünfmal so gut ab wie eine selbstgenähte Baumwollmaske. Und nicht Stoff, sondern Staubsaugerbeutel würden unter den Haushaltsmaterialien am besten abschneiden.

Lauterbach hält es für sehr optimistisch, auf einen Impfstoff für die breite Bevölkerung im nächsten Jahr zu setzen. Für Hochrisikogruppen sei eine Impfung dann aber vielleicht möglich. Die gute Nachricht sei: Im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten wie etwa Krebs können die Menschen Covid-19 durch Hygieneregeln, Abstandhalten und Masken in den meisten Fällen verhindern – und so auch eine lange Strecke aushalten. „Es geht, aber wir müssen anders leben als in der Vergangenheit“, sagt Lauterbach.