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Markus Lanz mit Haseloff: "Das wird ein dickes Brett, das ihr bohren müsst"

TV-Nachlese zu „Lanz“ : „Die Pandemie hat bei jedem eine traumatische Erfahrung hinterlassen“

Warum haben die Ministerpräsidenten angesichts steigender Inzidenzen nicht längst Maßnahmen ergriffen? Bei „Lanz“ gerät der einzige anwesende Landeschef unter Beschuss – aber auch Hendrik Wüst bekommt sein Fett weg.

Am Dienstagabend hat sich die Talkrunde bei „Markus Lanz“ wieder einmal mit der Corona-Pandemie befasst – diesmal auf dem Hintergrund der Bund-Länder-Konferenz vom Dienstag und der neuen Virusvariante Omikron. In der Sendung drängt sich dann aber das Ende der „epidemischen Lage“ in den Vordergrund.

 Die Gäste:

  • Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
  • Lars Klingbeil (SPD), Generalsekretär
  • Helga Rübsamen-Schaeff, Virologin
  • Kristina Dunz, Journalistin

 Darum ging’s:

Um Gründe für zu spät einsetzende Corona-Maßnahmen.

 Der Talkverlauf:

Zu Beginn des Talks lässt Moderator Markus Lanz die beiden Politiker in der Runde einander kritisieren, und diese Art von Unterhaltung prägt dann auch die Sendung. Wenig zu Wort kommt die einzige Wissenschaftlerin unter den Gästen, obwohl das Coronavirus das Hauptthema ist. Immerhin kommt Helga Rübsamen-Schaeff dazu, den frühzeitigen Wissensstand über Auffrischungsimpfungen unter Fachleuten zu betonen. Damit korrigiert sie eine Behauptung von Reiner Haseloff, die nahelegt, Experten seien von der Notwendigkeit einer Auffrischungsimpfung selbst überrascht worden und hätten die Politik deshalb falsch beraten. „Seit Juli wissen wir aus Israel, dass der Impfschutz nach einigen Monaten zurückgeht“, stellt die Virologin klar. Sie hält es für unwahrscheinlich, dass Menschen mit der dritten Impfung für den Rest ihres Lebens geschützt seien. „Wir müssen endlich mehr für die Medikamentenentwicklung tun, damit wir das Virus von zwei Fronten angreifen“, fordert Rübsamen-Schaeff.

Auch bei den anderen Talkgästen kommt der CDU-Politiker Haseloff nicht damit durch, Medizinern und Wissenschaftlern anzulasten, dass die Politik das Boostern nicht besser geplant hat. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt verweist auch auf die Ständige Impfkommission und auf Impfgegner in der Bevölkerung, ehe er sagt: „Man kann doch nicht die Politik alleine dafür verantwortlich machen, dass wir jetzt in der vierten Welle stehen.“

Zu Haseloffs Leidwesen interessiert Lanz genau die Frage, warum die Ministerpräsidenten angesichts steigender Inzidenzen mit Maßnahmen zögerten. Haseloff verweist dabei auf die Unterschiede zwischen einzelnen Landkreisen und kritisiert, dass die Ampel-Parteien sich im Parlament mit der Beendigung der so genannten „epidemischen Lage“ am 15. Dezember durchgesetzt hatten. Würde er jetzt etwa eine Schule oder Gastronomie schließen, müsste er diese am 15. Dezember wieder öffnen, sagt der sachsen-anhaltinische Landeschef.

Doch da widerspricht der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Ihn ärgere es, wenn Haseloff es so hinstelle, als hätte das Infektionsschutzgesetz ihm die Möglichkeit zu Schließungen genommen. Der Ministerpräsident könne jetzt auch nach dem 15. Dezember noch geschlossen lassen, was er habe schließen lassen. In Bezug auf das Infektionsschutzgesetz zeigt sich Klingbeil zwar offen für Korrekturen: „Wenn wir da etwas falsch gemacht haben in den letzten Wochen, dann wird das geändert.“ Doch der SPD-Generalsekretär lässt kein gutes Haar an der Politik in den Bundesländern, und sein Paradebeispiel des Abends ist NRW.

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„Wenn ich den Nachfolger von Herrn Laschet, Herrn Wüst, sehe, der so tut, als ob er es nicht verhindern könne, dass 50.000 Leute in Köln im Fußballstadion sind, dann ist das einfach unredlich“, sagt Klingbeil. Ein Ministerpräsident könne so etwas sehr wohl verhindern, auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hätte längst Maßnahmen auf den Weg bringen können. Klingbeil drückt sein Missfallen daran aus, wenn Landeschefs nach Berlin rufen, obwohl sie selbst handeln können. Mit süffisantem Lächeln fügt er hinzu: „Wenn Herr Wüst sagt, da bin ich nicht sicher, dann bin ich bereit, ihm zu helfen, wenn er es alleine nicht hinkriegt. Aber juristisch kann er das.“

Die Journalistin Kristina Dunz fordert klare Ansagen und eine nachvollziehbare Corona-Politik. „Die Pandemie hat bei jedem eine traumatische Erfahrung hinterlassen, und was wir jetzt brauchen, ist Führung.“ Der Regierung empfiehlt sie eine klare Entschuldigung für das Impfdebakel – nach dem Motto: Wir hatten gedacht, das klappt.

„Das wird ein dickes Brett, das ihr bohren müsst“, sagt der CDU-Politiker Haseloff am Ende zu Klingbeil und erheitert damit den Moderator. „Übersetzt heißt das: Freut euch auf das dicke Brett, das wir euch hinterlassen haben“, sagt Lanz.

(peng)