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Markus Lanz: Lauterbach geht von guten - nicht normalen Weihnachten aus

TV-Nachlese „Markus Lanz“ : Lauterbach geht von einem guten, wenn auch nicht normalen Weihnachten aus

In der Talkrunde bei „Markus Lanz“ geht es am Mittwochabend um die neu beschlossenen Corona-Maßnahmen. Dabei hat der Epidemiologe Karl Lauterbach nicht nur Warnungen im Gepäck.

Nur wenige Tage nach seiner letzten Einladung findet sich der Intensivmediziner Stefan Kluge bei „Markus Lanz“ wieder. Das liegt daran, dass sich die Lage in den Krankenhäusern rasant geändert hat. Fragen richtet der Moderator aber vor allem zwei andere Gäste der Runde.

Die Gäste:

  • Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitsexperte
  • Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident Baden-Württembergs
  • Stefan Kluge, Chef der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
  • Clemens Fuest, Chef des ifo Instituts
  • Christiane Hoffmann, Journalistin

Darum ging’s:

Wieder einmal ist das Coronavirus das Thema der gesamten Talkshow. Diesmal geht es dabei speziell um die neu beschlossenen Maßnahmen von Bund und Ländern.

Der Talkverlauf:

Karl Lauterbach hat nichts zu meckern. Ein „ganz, ganz großer Erfolg“ sei das Ergebnis der Besprechung zwischen Bund und Ländern. Die neuen Maßnahmen seien geeignet, „wie im Lehrbuch“ das exponentielle Wachstum der Infektionszahlen durch frühzeitiges, konsequentes Handeln zu unterbrechen. Ohne diesen Beschluss hätte es in drei Wochen einen kompletten Shutdown gegeben. „Das ist wie eine Medizin, die nur wirkt, wenn sie ganz früh eingesetzt wird“, sagt Lauterbach. Damit könne es Deutschland gelingen, abermals besser durch die Krise zu kommen als andere Länder.

Mit dem Einwurf, dass diejenigen Länder deutlich besser durch die Pandemie kämen, die Datenschutz nicht so ernst nähmen wie Deutschland, kommt die Journalistin Christiane Hoffmann nicht an. „Die Pandemie wird besiegt werden durch die freien kapitalistischen Länder, die Impfstoffe entwickeln“, entgegnet Karl Lauterbach. Der Epidemiologe ist der Ansicht, dass Taiwan und Südkorea nicht durch Ausspähung, sondern durch ihre Erfahrung mit ähnlichen Pandemien wie SARS im Vorteil seien. Sie hätten von Anfang an mehr Schutzmaterial und Masken gehabt und auch ihr Gesundheitssystem ausgebaut.

Damit ist nun der Intensivmediziner Stefan Kluge gefragt. Er begrüßt die neuen Maßnahmen, weil er es angesichts der steigenden Zahlen schon mit der Angst bekommen hatte. Auf die Zahl der freien Intensivbetten zu schielen, hält er für falsch. Denn es habe schon vor der Anschaffung dieser Betten an Personal gefehlt. Das müsse nun bereits aus anderen Stationen abgezogen werden. Und: „Covid-Patienten bleiben lange im Krankenhaus“, so Kluge. Die Krankheit rufe sehr hartnäckige Lungenentzündungen hervor, so dass die Patienten die Betten viel länger belegten als etwa Grippe-Patienten.

Mit der von den neuen Maßnahmen besonders betroffene Gastronomie haben alle Gäste Mitgefühl. Die von der Bundesregierung geplante Kompensation sei richtig, findet Clemens Fuest. Der Wirtschaftsexperte stellt allerdings auch klar, dass der Anteil der Gastronomie an der Gesamtwirtschaftsleistung klein sei. Andere Branchen seien von der Coronakrise kaum betroffen.

„Das Virus mag Geselligkeit, es mag Freiheit, es mag das, was wir selber auch mögen“, sagt der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Nun werde deshalb das „Angenehme“ eingeschränkt, gleichzeitig sollen aber Kernbereiche der Wirtschaft und die Bildung aufrechterhalten werden.

Angesichts von Befürchtungen, unter dem Deckmantel der Gesundheitsfürsorge könnten langfristige Eingriffe in Bürgerrechte vorgenommen werden, entgegnet Kretschmann nicht nur, dass die Politiker in Deutschland stolz auf einen freiheitlichen Staat seien. Ebenso betont er, dass das auch wieder aufhöre. „Weltweit suchen 200 Firmen einen Impfstoff, der hoffentlich gefunden wird – und dann ist der Zauber endlich rum“, sagt Kretschmann und bringt mit seiner Ausdrucksweise die Runde zum Schmunzeln.

Moderator Markus Lanz freilich sucht nicht nach Heiterkeit, sondern nach Auseinandersetzung. So will er von Lauterbach wissen, was es mit dessen Forderung nach Kontrollen in Privatwohnungen auf sich habe. Lauterbach beharrt darauf, seine Äußerung bedeute nicht, dass Ordnungskräfte die Wohnungen betreten würden oder von sich aus kontrollieren. Stattdessen gehe es ihm um dasselbe Vorgehen wie bei einer Ruhestörung: Das Ordnungsamt gehe Beschwerden nach, und gegebenenfalls verhänge es eine Anzeige. Überdies gibt Lauterbach zu Protokoll: Er gehe von einem guten, wenn auch nicht normalen Weihnachten aus, wenn das exponentielle Wachstum aufgehalten werde.