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Markus Lanz gestern: „Der Söder piesackt den Laschet jeden Tag, das hilft“

Wahl-Talk bei „Lanz“ : „Der Söder piesackt den Laschet jeden Tag, das hilft“

Bewirbt sich Moderator Markus Lanz gerade auf einen neuen Job? Er will in der Show „knallharte Koalitionsgespräche“ zwischen der SPD und der Linken führen. Das funktioniert natürlich nicht wie gedacht.

Am Mittwochabend diskutiert die Talkrunde bei „Markus Lanz“ über Fragen zur Bundestagswahl.

Die Gäste:

  • Ralf Stegner (SPD), ehemaliger Bundes-Vize seiner Partei
  • Katja Kipping (Linke), ehemalige Parteivorsitzende
  • Sarna Röser, Unternehmerin
  • Wolfram Weimer, Publizist

Darum ging’s:

Um Wahlkampf, Vergangenheitsbewältigung und Schreckgespenster aus der Zukunft.

Der Talkverlauf:

So manche Zuschauer haben in den letzten Monaten den Eindruck bekommen, dass sich Markus Lanz immer stärker von bunten Runden abwendet und sich auf politische Debatten konzentriert. Am Mittwochabend scheint es noch einen Schritt weiterzugehen: Er wolle „knallharte Koalitionsverhandlungen führen“, kündigt der Moderator zum Beginn der Sendung an. Nicht ganz so knallhart moniert Lanz sogleich, dass der SPD-Parteivorsitzende Norbert Walter-Borjans „spontan abgesagt“ habe, nach Lanz‘ Aussage wegen der Befürchtung, es würde „zu viel über die Linkspartei gesprochen“.

Der ehemalige Vize-Chef der SPD, Ralf Stegner, winkt ab. „Och“, sagt er, „Befürchtungen muss man keine haben, wenn man zu Ihnen in die Sendung kommt.“ Sowohl Stegner als auch die Linken-Politikerin Katja Kipping bringen Lanz zudem bald auf den Boden der Tatsachen zurück: Koalitionsverhandlungen würden erst nach der Wahl geführt, und dann auch von den Parteispitzen.

Dann dürfen die beiden Politiker ein paar Spitzen ablassen, mit denen sie den aktuellen Stand der Umfragen unter den Wahlberechtigten kommentieren. „Der Söder piesackt den Laschet jeden Tag, das hilft“, sagt Stegner, und Kipping stimmt ihm quasi zu. „Dass Scholz vorne steht, liegt weniger an seiner Brillianz als an den Fehlern, die die anderen Kanzlerkandidaten gemacht haben“, sagt sie.

Dann geht es um das Schreckgespenst Rot-Rot-Grün, mit dem die CDU Wahlkampf macht. Das Thema sei das größte Risiko für den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz, befindet der Publizist Wolfram Weimer. Solange die SPD eine Koalition mit der Linken nicht ausschließe, nutze sie sowohl der Linken, die sich um die Fünf-Prozent-Hürde nicht sorgen müsse, als auch der CDU, der sie „ein letztes großes Thema“ beschere. Doch der SPD-Politiker Stegner bleibt ungerührt. „Diese Rote-Socken-Kampagne erschreckt doch nicht mal mehr Kinder“, sagt er. Und die Vertreterin der Linkspartei zeigt, dass die Masche mit dem Schrecken sich auch umkehren ließe. „Noch vier Jahre mit der Union in der Regierung, und niemand wird mehr an eine positive Veränderung glauben“, sagt Kipping. „Und diese Stimmung ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die menschenfeindliche, rechte Hetze betreiben.“

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Nun kommt Weimer dem SPD-Politiker Stegner moralisch: Die SPD sei immer gegen Diktaturen aufgestanden und solle die Erben von Diktaturen nicht verharmlosen. „Die Linkspartei ist die umbenannte SED“, sagt Weimer. Sie sei die Partei des Mauerbaus und habe Stasi-Leute in ihrem Ältestenrat.

„Die Zeiten des Kalten Kriegs sind vorbei“, kontert Kipping. Sie legt dar, wie ihre Partei sich kritisch mit ihrer Vergangenheit auseinandergesetzt habe. Weimers Argument empfindet sie als vorgeschoben. Die eigentliche Sorge dahinter sei, dass ihre Partei bei der Bewältigung der Krisenkosten auch Unternehmen und Reiche beteiligen wolle, deren Vermögen während der Krise noch gewachsen seien.

Der von Weimer angesprochene Stegner beißt ebensowenig an. Kühl verweist er auf die tiefen Verstrickungen der CDU mit den Nazis bis in die 1970er Jahre hinein. Von dieser Seite lasse sich die SPD nicht erklären, was Integrität sei. „Wenn der Wähler sagt, es gibt keine absoluten Mehrheiten, dann muss man mit den demokratischen Parteien reden“, sagt Stegner. Ausgeschlossen seien für die SPD nur Demokratiefeinde, und die säßen bei den Rechten.

Beim Thema „Nato“ zeigt sich Lanz von Kipping überrascht. „Die Linke hat zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass ein Nato-Austritt Voraussetzung für Koalitionsverhandlungen ist“, sagt die Politikerin. Das würde Lanz gern als Votum für die Nato übersetzen. Doch Kipping spielt nicht mit. Die Linke sei gegen Militärinterventionen und auch dagegen, mehr Geld in die Rüstung zu stecken. Dass das nicht dasselbe ist wie ein Austritt aus dem Bündnis, scheint sich Lanz aber nicht zu erschließen.