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Marie-Agnes Strack-Zimmermann bei „Lanz“: „Machen Sie das zu Hause bei Ihrer Frau auch so?“

Düsseldorfer FDP-Politikerin Strack-Zimmermann bei „Lanz“ : „Machen Sie das zu Hause bei Ihrer Frau auch so?“

Duell der Unterbrechungen bei „Lanz“: Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann steht dem Talkshow-Moderator mit ihren Einwürfen nicht nach. Das heißt aber nicht, dass sie auf alles klar antwortet.

Am Mittwochabend macht sich der Wahlkampf im Talk bei „Markus Lanz“ bemerkbar. Wir haben uns dabei auf die Beiträge einer Düsseldorferin konzentriert: der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

 Die Gäste:

  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Vorstandsmitglied
  • Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär
  • Anne Hähnig, Journalistin
  • Dirk Heinrich, medizinischer Leiter des Hamburger Impfzentrums

Darum ging’s:

Um fehlenden Impfstoff und Vorwürfe gegen Jens Spahn, um Stadt, Land – und Steuererhöhungen.

Der Talkverlauf:

Zu Beginn der Sendung wendet sich Moderator Markus Lanz dem Mediziner Dirk Heinrich zu. Der Leiter des Hamburger Impfzentrums findet unter anderem: „Es macht wenig Sinn, mehr Impfstellen aufzubauen.“ Denn dann werde nur überall weniger geimpft – weil der Impfstoff fehle. Lanz’ Frage, warum das dennoch so gehandhabt werde, lenkt den Blick bald auf das politische Personal in der Runde. „Das ist natürlich auch viel PR“, sagt Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Die Düsseldorfer FDP-Politikerin kritisiert die Regierung für ihre vielen Versprechungen. „Auch nach einem Jahr hat diese Regierung es nicht vermocht, Impfstoff zu organisieren, und das ist schon bemerkenswert schrecklich.“ Damit scheint der Ton für die Diskussion angeschlagen.

Der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sieht in der Impfstofffrage Fehler in der Kommunikation – und zwar bei der CDU, und allen voran bei Gesundheitsminister Jens Spahn. Jener hätte auch bei ihm den Eindruck erweckt, es käme zusätzlicher Impfstoff. „Wenn alle Minister verlässlich arbeiten würden, hätten wir ein Problem weniger“, sagt Klingbeil. Lanz schlägt tiefer in diese Kerbe und bringt den Vorwurf ins Gespräch, das Gesundheitsministerium habe minderwertige Masken an Bedürftige verteilt. Strack-Zimmermann sieht in der Reaktion der SPD eine Vorverurteilung von Spahn. Eigentlich sei dieser Vorwurf ein Fall für einen Untersuchungsausschuss. Aber ehe es „sauber geklärt“ ist, den Minister zum Rücktritt zu fordern? Dafür zeigt das FDP-Vorstandsmitglied kein Verständnis. Jedoch: „Wenn dem denn so wäre, dann ist allerdings Schicht im Schacht.“

Beim Blick auf die Wahl in Sachsen-Anhalt kommt das Gespräch auch auf die Unterschiede zwischen Stadt und Land, etwa bei den Auswirkungen der E-Mobilitätsförderung auf Pendler. Strack-Zimmermann sieht darin ein Kernproblem: allzu theoretische Debatten. Zudem wünscht sich die Düsseldorferin, „dass wir mal aus dieser Großstadtperspektive herauskommen“. Schließlich lebten die meisten Deutschen auf dem Land.

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Nun will Lanz von Klingbeil und Strack-Zimmermann wissen, wie denn eine künftige Regierungsarbeit ausfallen könnte. Dabei spricht Strack-Zimmermann der SPD sogleich die Chance auf eine Zusammenarbeit ab. Ihr Ressort sei die Verteidigungspolitik, und „allein in meinem Bereich wüsste ich überhaupt nicht, wie ich mit der Sozialdemokratie noch ins Gespräch kommen könnte“. Zwar beteuert die FDP-Politikerin, ihre Partei habe „sehr große Lust zum Regieren“, spricht aber nicht von einer solchen Zukunft, sondern lamentiert über vergangene Koalitionsverhandlungen.

Als Lanz mehrfach nachhakt, mit wem die FDP denn eine Koalition eingehen würde, sagt Strack-Zimmermann: „Sie unterbrechen wirklich immer. Machen Sie das zu Hause bei Ihrer Frau auch so?“ Für einen Moment wirkt der Moderator verdattert. „Wenn Sie abweichen und schwafeln, muss ich leider dazwischengehen.“ Aber dann geht es erst so richtig los mit dem Durcheinanderreden.

Der Stein des Anstoßes ist das vollmundige Versprechen der FDP, keine Steuern zu erhöhen. Strack-Zimmermann bekräftigt dies. „Steuererhöhungen sind unsinnig in einer Phase, wo wir das Land wieder auf die Beine stellen müssen“, sagt sie. Allerdings lässt sie auch auf Nachfragen offen, mit wem die FDP unter diesen Bedingungen regieren könnte. Abgesehen von der CDU, die noch kein Wahlprogramm vorgelegt hat, haben alle in Frage kommenden Parteien Steuererhöhungen vorgesehen. Nach einer Weile Hin und Her beschwert sich wiederum Lanz, dass Strack-Zimmermann ihn unterbreche – und schießt die Frage zurück, ob sie das zu Hause auch mache. „Ja, mach ich“, sagt die Politikerin, „aber ich bin trotzdem 40 Jahre glücklich verheiratet.“ Am Schluss bringt die Journalistin Anne Hähnig den Stand der Diskussion auf den Punkt: Sie sei gespannt, wie die FDP mit diesem „selbstgeschaffenen Steuerdilemma“ umgehen werde.