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Maischberger: Virologin Melanie Brinkmann wirbt für härtere Corona-Regeln

Virologin Brinkmann bei „Maischberger.Die Woche“: : „Man muss die ganze Mannschaft auf dem Platz haben“

Ein Lockdown nach dem Motto „hart aber schnell“ ist sehr wahrscheinlich. Bei „Maischberger. Die Woche“ geht es am Abend um den Zusammenhalt in der Gesellschaft, die Fehler des Sommers - und der Glühwein wurde „Gewinner des Jahres“.

Darum ging es

Maischberger. Die Woche“ kreiste am Abend in der ARD um ein so ernstes wie klares Problem: Die Coronavirus-Neuinfektionen und Todeszahlen sind zu hoch. Wie geht es weiter? fragt die Moderatorin Journalisten, eine Virologin und einen Wirtschaftsboss. Auch der Bundesgesundheitsminister nimmt Stellung.

Die Gäste

  • Ingo Zamperoni, Moderator der „Tagesthemen“
  • Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin „Die Welt“
  • Peter Zudeick, Journalist und Autor
  • Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister, CDU
  • Melanie Brinkmann, Virologin
  • Joe Kaeser, Siemens-Chef

Wie geht es weiter angesichts von 590 Todesfällen pro Tag und Infektionszahlen, die nicht sinken? In Sandra Maischbergers letzter Sendung des Jahres passierte etwas Ungewöhnliches: Ihre Gäste sind sich in einer grundsätzlichen Frage so einig wie selten: Der Weg aus der verschärften Pandemie-Situation ist nur gemeinsam zu schaffen und ein härterer Lockdown kaum zu vermeiden. Am griffigsten formuliert das Virologin Melanie Brinkmann als sie sagt, die Situation sei jetzt ein bisschen wie im Fußball: „Man muss die ganze Mannschaft auf dem Platz haben. Man kann nicht nur den Torwart und die Verteidiger das Spiel fahren lassen.“ Letztere seien Ärzte und Pflegepersonal, und „die dürfen wir nicht allein lassen“.

Der „Lockdown light“– auch da sind sich Gäste und Experten einig – hat nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. „Wir haben das nicht in den Griff bekommen“, sagt Ingo Zamperoni, für den an einem härteren Lockdown kaum noch ein Weg vorbei führt: „Es ist besser jetzt konsequenter zu sein, als die Situation immer wieder zu verschleppen.“

Journalistin Rosenfeld erhofft sich aus Berlin mehr „Einheitlichkeit, die Verständlichkeit schaffen soll.“ Dass die Kanzlerin am Vortag auch deutlich mehr Emotionen zeigte, wertet sie als Druckmittel auf die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten. Sie kritisiert, dass in den Pflegeeinrichtungen offenbar im Sommer nicht die nötigen Vorkehrungen getroffen wurden und fragt, warum das „erfolgreiche Beispiel Tübingen” nicht landesweit nachgeahmt wurde. Mit Zudeick ist sie sich einig, dass man die Schulen aus einem möglichen harten Lockdown raushalten soll.

Jens Spahn, zugeschaltet aus Berlin, wiegelt zum Thema Schulschließungen ab: Die seien ja ohnehin zwei Wochen geschlossen. „Es ist die ruhigste Zeit im Jahr“, appelliert er, und diese Zeit sei einfach nötig „um dem Virus mal zwei Wochen gar keine Chance zu geben“, und wichtig um wieder auf ein anderes Niveau zu kommen. „Im Moment stehen einige an den Glühweinständen, andere kämpfen als Pflegekräfte um die Patienten - das ist keine gute Arbeitsteilung“, kritisiert der Minister und verrät: „Auch ich mag den Glühweinstand gerne, aber die Frage ist doch, ob wir es in einer Jahrhundertsituation, in einer Ausnahmesituation wie dieser, die uns alle fordert, die Menschenleben und Gesundheit fordert, mal ein Jahr ohne den Glühwein schaffen.“

Virologin Brinkmann wirft noch ein paar wissenschaftliche Wahrheiten in die Debatte: „Es ist der falsche Blick, auf leere Intensivbetten zu schauen“, sagt sie mit Blick auf Nachlässigkeiten im Sommer. „Denn die Dynamik dieser Infektion ist so rasant, dass diese Intensivbetten sehr schnell gefüllt sind.“ Im Sommer wurde ihr „zu wenig getan und zu viel diskutiert, dass das Virus vielleicht gar nicht so gefährlich ist.“ Jetzt wisse man: „Der halbe Lockdown hat nicht funktioniert.“ Sie ergänzt: „Die Wischiwaschi-Strategie ist einfach nicht richtig. Am besten würden wir alle zuhause bleiben, ab heute, damit wir die Zahlen drücken.“ Langfristig sei das auch für die Wirtschaft besser. „Die Halbherzigkeit ist keine gute Idee“, sagt Brinkmann. „Wir müssen dem Virus eins auf den Deckel geben.“ 
Ihrer Ansicht nach ist langfristig auch ein Inzidenzwert von 50 noch zu hoch, besser sei, wenn der bei 10 läge.

Auch Zudeick ist der Ansicht dass zu halbherzige Maßnahmen keine Zukunft haben und zitiert den Regisseur Alexander Kluge: „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod.“

Joe Kaeser soll zu den Wirtschaftshilfen der Regierung Stellung nehmen, schwenkt aber in eine andere Richtung. „Wenn wir nur ein Wirtschaftswachstums-Problem hätten, wäre ich echt froh“, sagt der Siemens-Chef. „Wir erleben die größte Krise in Friedenszeiten seit dem zweiten Weltkrieg.“ Und die treffe alle, nicht nur die Wirtschaft: „Wir haben auch auch eine soziale Krise, die dabei ist sich zu entwickeln“, sagt er und sorgt sich mehr, dass „aus einer wirtschaftlichen Krise eine soziale Krise wird, die letztlich den sozialen Frieden gefährdet.“ Er hat Vertrauen, dass die Regierung die richtigen Entscheidungen trifft und stimmt den übrigen Gästen zu: „Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und sagen: dass meistern wir jetzt zusammen.“

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">&quot;Wir erleben die größte Krise in Friedenszeiten seit dem Zweiten Weltkrieg!&quot; <a href="https://twitter.com/SiemensDE?ref_src=twsrc%5Etfw">@SiemensDE</a>-Chef <a href="https://twitter.com/JoeKaeser?ref_src=twsrc%5Etfw">@JoeKaeser</a> blickt besorgt in die Zukunft. Warum es aber nicht allein die wirtschaftlichen <a href="https://twitter.com/hashtag/Pandemie?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Pandemie</a>-Schäden sind, auf die wir uns konzentrieren sollten. <a href="https://twitter.com/DasErste?ref_src=twsrc%5Etfw">@DasErste</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/maischberger?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#maischberger</a> <a href="https://t.co/oG2r5zLwWP">pic.twitter.com/oG2r5zLwWP</a></p>&mdash; Maischberger (@maischberger) <a href="https://twitter.com/maischberger/status/1336809956172042241?ref_src=twsrc%5Etfw">December 9, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Trotz der ernsten Lage gibt es auch einen heiteren Moment in der Sendung: Auf die Frage nach seinem „Gewinner des Jahres“ zögert Zudeick keinen Moment und nominiert den Glühwein: „Jahrelang hatte er den Ruf als übelste Weihnachtsmarkt-Plörre - Jetzt pilgern alle, auch die Connaisseurs zu den Ausschankstätten“, sagt der Autor und ergänzt mit einer schönen Dosis Ironie: „Das ist doch schon eine tolle Karriere: Vom Menetekel des schlechten Geschmacks zum Topthema der Presse.“