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"Maischberger" mit Robert Habeck: "Wann immer die ‚hü‘ sagen, sagt ihr ‚hott‘ – das ist alberne Politik"

Robert Habeck bei Maischberger : „Wann immer die ‚hü‘ sagen, sagt ihr ‚hott‘ – das ist alberne Politik.“

Wieso klingen die Grünen mehr und mehr wie die Kanzlerin? Das soll der Ko-Vorsitzende der Partei in der Takshow erklären – ebenso wie seine Chancen, trotz Frauenquote Kanzlerkandidat zu werden.

Das Ende ihrer Talkshow „Maischberger – Die Woche“ am Mittwochabend hat Moderatorin Sandra Maischberger dem Grünen-Politiker Robert Habeck vorbehalten. Er soll zu Vorwürfen Stellung nehmen, die Äußerungen seiner Partei seien nur noch wenig vom Kurs der Bundeskanzlerin Angela Merkel zu unterscheiden.

Zu diesem Behufe präsentiert Maischberger ihren Gast zunächst einmal als streitbaren Geist – und lässt ein Video mit Habecks Reaktion auf eine Rede des damaligen US-Präsidenten Donald Trump in Davos einspielen („schlechteste Rede, die ich je gehört habe“). Er habe gesagt, was gesagt werden musste, kommentiert Habeck und kritisiert diejenigen, die erst nach der Abwahl Trumps deutliche Worte gefunden haben.

Flink lenkt Maischberger den Fokus auf Habecks Kanzlerambitionen und fragt, ob er das in einem solchen Amt auch noch so sähe. „Wenn man verhandeln muss, muss man Contenance bewahren“, räumt der Ko-Parteivorsitzende der Grünen/Bündnis 90 ein. „Aber ein bisschen mehr Klartext wäre hilfreich gewesen.“

Diesen Klartext vermissen Kritiker, die auch in den eigenen Reihen zu finden sind. Maischberger zitiert die Grünen-Ikone Christian Ströbele mit dem Argument, die Partei sei „unnötig nah am Kurs der Regierung“ und brauche nicht schon vor etwaigen Koalitionsverhandlungen Einigkeit zu demonstrieren. Habeck hält dagegen: „Ihr seid jetzt Opposition, und wann immer die ‚hü‘ sagen, sagt ihr ‚hott‘ – das ist alberne Politik.“ Zudem missfällt Habeck die Pauschalität der Kuschelkurskritik. Er habe beispielsweise das Versäumnis der Bundesregierung kritisiert, die Impfproduktion frühzeitig hochzufahren.

Die grüne Harmonie mit den Tönen aus dem Kanzleramt erklärt Habeck zum einen mit inhaltlicher Zustimmung, zum anderen findet die Form Habecks Anerkennung. Merkel und Kanzleramtsminister Helge Braun konzentrierten sich nicht mehr auf die CDU-Fraktion. „Sie haben sich von ihrer eigenen Partei komplett entkoppelt.“ Als Beispiel dafür nennt Habeck die Schuldenbremse und die Pandemiebekämpfung. Merkel und Braun seien „auf Probleme der Wirklichkeit konzentriert“ und darauf, Lösungen zu entwickeln. „Sie achten weniger auf die Wehwehchen der CDU“, so Habeck. Die Grünen versuchten, ähnlich zu agieren, und das erkläre, warum sie zuweilen Ähnliches sagten wie die Kanzlerin.

„Im Bundestag wird es heißen Grün gegen Schwarz. Wir kämpfen um die Führungsrolle", betont Habeck. Angesichts der Doppelführung in seiner Partei weist Maischberger darauf hin, dass es in der Bundesregierung aber nur eine Spitze gebe – und die Grünen ja nun für Frauenförderung bekannt seien.

Würde die Frauenquote entscheiden, wäre der Fall klar, sagt Habeck. Er sei ja nun einmal ein Mann. Darüber habe er mit seiner Ko-Parteivorsitzenden Annalena Baerbock als Erstes gesprochen. „Aber sie hat mehrfach gesagt: Das ist nicht die Karte, die sie spielen will.“ Sie wollten darüber eine politische Entscheidung treffen – und die beiden Bundesvorsitzenden würden die Frage untereinander klären.