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Lucas Vogelsang bei „Lanz“: „Gute Symbolpolitik, schlechte Symbolpolitik“

Journalistin bei „Lanz“ über Greenpeace-Aktion : „Grenze zwischen Öko-Aktivismus und Straftaten ist so langsam überschritten“

Buhrufe gegen kniende Spieler, ein aus dem Stadionhimmel abstürzender Greenpeace-Aktivist, Ronaldos Coca-Cola-Stichelei: Politische Auftritte bei der Fußball-EM sind ein Talk-Thema bei „Markus Lanz“.

Am Mittwochabend hatte die Talkshow „Markus Lanz“ mehrere Themen. Wir haben uns auf den Gesprächsteil über politische Gesten beim Auftakt der Fußball-Europameisterschaft konzentriert.

Die Gäste:

Darum ging’s:

Um Pfiffe gegen kniende Fußballspieler, Ronaldos Coca-Cola-Stichelei und natürlich den Absturz eines Greenpeace-Aktivisten ins Stadionpublikum.

Der Talkverlauf:

Lucas Vogelsang ist gleich am Beginn der Sendung an der Reihe, und er schmunzelt über Markus Lanz‘ Einführung. Der Moderator hat die aufsehenerregenden Szenen der EM aufgezählt, die mit dem Sport nichts zu tun haben. So stellt Vogelsang als Erstes fest: Eingeladen sei er als Fußballspezialist, aber „man kommt bei diesem Turnier direkt als politischer Korrespondent aus einem Land, das sich Fußball nennt.“

Vogelsang ist Autor und Produzent des Fußball-Podcasts „Fußball MML“ zusammen mit Micky Beisenherz und Maik Nöcker, er hat aber unter anderem auch einen Bestseller über das Leben von Migranten in Deutschland geschrieben. Nun verweist er darauf, dass es nichts Neues sei, ein internationales Turnier politisch zu instrumentalisieren. Später wird er die Diskussion darum in einer Formel zusammenfassen: „Gute Symbolpolitik, schlechte Symbolpolitik“.

Zunächst aber lässt Lanz eine Szene vom Vortag einblenden, in der ein Greenpeace-Aktivist bei einem Flug ins Stadion ins Trudeln gerät und abstürzt, wobei zwei Menschen schwer verletzt wurden. Dazu meldet sich der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff zu Wort. Er findet die Aktion „komplett unverantwortlich“ und sorgt sich vor Nachahmern mit terroristischen Zielen. Auch der eigenen Agenda habe Greenpeace damit geschadet. „Bisher war es gemeinnützig, gestern war es gemeingefährlich.“ Auch die österreichische Journalistin Anna Schneider findet: „So langsam ist die Grenze überschritten zwischen Öko-Aktivismus und Straftaten.“

Auch die Linken-Politikerin Katja Kipping glaubt, mit der Aktion habe sich Greenpeace einen Bärendienst erwiesen, sie findet aber auch, die Angelegenheit müsse ausgewertet werden. Es fehle etwa eine Stellungnahme der Polizei zu der Mitteilung von Greenpeace, die Aktion sei mit den Sicherheitskräften abgesprochen gewesen. Zudem verweist Kipping darauf, die Aktionen von Greenpeace hätten schon immer von Grenzüberschreitungen gelebt. „Früher haben die aber ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt“, wirft Graf Lambsdorff ein.

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Dann will Lanz eine Szene aus der Pressekonferenz von Fußballstar Cristiano Ronaldo besprechen, in der jener zwei Coca-Cola-Flaschen vom Tisch entfernte. „Wenn der größte kontinentale Werbeträger einen Sponsoren dieser Europameisterschaft beiseite schiebt, dann ist das auch ein Worst Case-Szenario – diesmal nicht für Greenpeace, sondern für Coca-Cola“, sagt der Fußballexperte Vogelsang. Während Lanz sich von den Auswirkungen auf Coca-Colas Börsenkurs fasziniert zeigt, bleibt Vogelsang beim Fußball. Das Beispiel zeige die Kraft des Individuums in einem Mannschaftssport. Vogelsang übernimmt es selbst, die entscheidende Frage zu stellen: „Was wollen wir eigentlich vom mündigen Fußballer?“

Das nutzt Lanz, um zum Kollaps des dänischen Spielers Christian Eriksen im Spiel gegen Finnland überzuleiten. Er fragt, ob die Dänen etwas hätten tun müssen. „Die Dänen haben etwas gemacht“, sagt Vogelsang. „Sie haben gespielt.“ Das hält der Autor für einen Fehler. Zudem könne eine solche Entscheidung niemand treffen, der derart unter Schock stünde. Stattdessen hätte er sich ein Eingreifen der UEFA gewünscht, etwa eine Verschiebung des Spiels. „Wir stellen uns einmal schützend vor das Spielermaterial, mit dem wir Geld verdienen“ - das wäre ein starkes Zeichen gewesen.

Vogelsang steht auch hinter der Symbolik kniender Fußballspieler. Sie täten dies aus ihrer Erfahrung heraus. Dass die russische Mannschaft vor dem Spiel gegen Belgienvor dem Spiel gegen Belgien dabei stehenblieb, sieht Vogelsang auch als ein Zeichen. „Fußball ist immer ein Abbild der Gesellschaft, in diesem Fall ein Abbild Europas.“ Schwerwiegender als die stehenden Russen findet er das buhende Publikum. „Das zeigt, welche Problematik dahintersteckt.“ Und jenen, die das Knien für eine leere Geste halten, entgegnet er: Es habe aber doch erreicht, dass immer wieder darüber gesprochen werde.