Vicco von Bülow Loriot ist tot

Düsseldorf (RPO). Vicco von Bülow ist tot. Der berühmte Komiker, Zeichner und Schauspieler, der als Loriot zum gefeierten Star wurde, starb nach Angaben seines Verlags Diogenes am Montag im Alter von 87 Jahren. Loriot schenkte den Deutschen unzählige Sketche und Filme. Zu seinen berühmtesten Figuren zählt der knollennasige Müller-Lüdenscheid in der Badewanne. Loriot soll im engsten Familienkreis beerdigt werden.

 Loriot mit Evelyn Hamann. Lange Zeit spielten die Beiden gemeinsam in Sketchen.

Loriot mit Evelyn Hamann. Lange Zeit spielten die Beiden gemeinsam in Sketchen.

Foto: dpa, dpa

In unzähligen Büchern, Zeichnungen, Sketchen und Filmen hat Loriot die Absurditäten des Alltags liebevoll aufs Korn genommen und gezeigt, das hinter der wohlgeordneten Welt des Spießers das pure Chaos lauert. An seiner Seite spielte in vielen Sketchen zumeist Evelyn Hamann, die 2007 gestorben war.

Müller-Lüdenscheid in der Wanne

Vicco von Bülow schuf den vielleicht populärsten Rentner und Lottogewinner der Fernsehgeschichte: Erwin Lindemann, der mit dem Papst und seiner Tochter auf Island eine Herrenboutique aufmachen wollte. Auch den knollennasigen Müller-Lüdenscheid in der Badewanne verdankt das Publikum Viktor (Vicco) von Bülow alias Loriot. Seine Filme "Ödipussi" und "Pappa ante Portas" sahen Anfang der 1990er Jahre Millionen Deutsche.

Angefangen hat Vicco von Bülow seine Karriere nach Notabitur und Kriegsdienst als Gebrauchsgrafiker, bevor er von 1950 an in Zeitschriften Karikaturen veröffentlichte. Dabei nutzte er das Pseudonym Loriot - die französische Bezeichnung für den Wappenvogel der Bülows, den Pirol.

Loriot zählte mit "Auf den Hund gekommen" (1954) zu den ersten Autoren des Diogenes Verlags. In fast sechzig Jahren erschienen 114 verschiedene Bände von Loriot-Büchern bei Diogenes, in einer Gesamtauflage von mehreren Millionen Exemplaren. Das letzte Buch von Loriot "Bitte sagen Sie jetzt nichts", Gespräche mit Loriot aus vier Jahrzehnten, war geplant für November 2011, es erscheint jetzt Mitte September 2011.

Millionenstarke Auflage

Bis heute haben seine zahlreichen Cartoons nicht nur museale Weihen erhalten, sondern auch eine millionenfache Auflage erreicht. Zu seinen vielen Auszeichnungen zählen der Ehrenpreis der Goldenen Kamera, der Karl-Valentin-Orden, das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik und die Ehrenbürgerschaft von Münsing und Brandenburg. Seit dem Sommer ist er auch Honorarprofessor in Berlin.

Loriot war das letzte Mal Ende April 2009 zur Verleihung des Ehrenpreises des Deutschen Films in Berlin öffentlich aufgetreten und antwortete der "Bild am Sonntag" in einem E-Mail-Interview auf die Frage, ob er gerne das Haus verlasse. Zu seinem Gesundheitszustand befragt schrieb Loriot, dazu falle ihm keine passende Antwort ein.

Jedenfalls habe er früher schneller laufen können. "Zu meinen jugendlichen Altlasten gesellten sich in den letzten Jahren überflüssige Probleme mit den Augen. Zum Beispiel sehe ich so manches doppelt, was mir schon einmal völlig ausreichen würde", schrieb der Humorist, der mit seiner Ehefrau Romi und dem Mops Emil am Starnberger See lebte.

Der Komiker wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren.

(csi/das)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort