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Frankfurter Ermittlerin geht: Letzter "Tatort" mit Nina Kunzendorf

Frankfurter Ermittlerin geht : Letzter "Tatort" mit Nina Kunzendorf

Nach nur fünf Folgen braucht der Frankfurter "Tatort"-Kommissar Joachim Król eine neue Partnerin. Erst folgt Alwara Höfels, dann Margarita Broich. Am Sonntag ist die letzte Folge mit Nina Kunzendorf zu sehen.

Nina Kunzendorf strahlt über ihr ganzes herb-schönes Gesicht: Sie steigt aus. Hauptkommissarin Conny Mey, so will es das Drehbuch, verlässt die Frankfurter Polizei, um in Kiel an einer Polizeischule zu unterrichten. Nur ihr Partner, Kommissar Frank Steier (Joachim Król), weiß es noch nicht. Und es dauert den halben "Tatort", bis sie es ihm endlich sagt. Und dass sie glaubt, dass man die Welt verbessern kann, und dass sie das doch gemeinsam haben. Oder nicht?

Niemand kann so verzweifelt, so bitter und so tapfer lächeln wie Joachim Król, wenn er dann seufzend sagt: "Es stimmt, Frau Mey, wir kennen uns schon eine ganze Weile, aber eine größere Scheiße haben Sie noch nicht von sich gegeben." Er versucht es später noch einmal netter und verspricht, sich zu ändern, falls es an ihm liegt: "Ich dachte: Zwei wie Pech und Unglück, wir gehen durch dick und doof."

Die komplette Folge "Wer das Schweigen bricht" wird vom Nebeneinander der beiden Hauptdarsteller bestimmt. Steier ist mit seinem eigenen Elend und seiner Säufer-Seele beschäftigt, die noch zerknitterter ist als sein Trenchcoat, und tobt seine wütende Verzweiflung diesmal richtig aus. Allerdings dauert es reichlich lange, bis der Zuschauer erfährt, was diesmal an Steier nagt. Joachim Król spielte das wie immer großartig.

Und einen Fall gibt es natürlich auch. In einem Jugendgefängnis wird beim morgendlichen Aufschluss der 19-jährige Mustafa Zeydan tot in seiner Zelle gefunden. Das Opfer wurde gefoltert, jemand hat ihm acht Zehennägel gezogen. Auch Erhan Karabay, einem weiteren Insassen, fehlen die Zehennägel, aber er überlebt. Steier und Mey ermitteln — einander anschweigend — in einer Welt des Schweigens. Die pädagogisch gestimmte Anstaltsleitung und das Justizpersonal verachten sich gegenseitig, unter den Gefangenen gibt es merkwürdige Allianzen und offenkundige Feindschaften. Es geht um Drogen, um Macht und um Geld.

Kunzendorf soll den "Tatort" verlassen haben, weil ihr das ewig fröhliche Tussi-Gehabe der Mey-Rolle nicht gepasst hat, die mit ihrer ruppigen Erotik in fröhlichen Tops, hohen Stiefeln und der an ihrer Hüfte wackelnden Dienstwaffe jedoch eine der buntesten Figuren in der Reihe war. Für die nächste Frankfurt-Folge (Arbeitstitel "Der Eskimo"), die im März abgedreht wurde, bekommt Król Alwara Höfels ("Keinohrhasen", "Die Tatortreiniger") an die Seite, was aber offenbar nur eine Verlegenheitslösung gewesen ist. Joachim Król hätte dem Vernehmen nach gern ganz auf eine Partnerin verzichtet und noch deutlich mehr Gewicht in seine Rolle gelegt. Gestern gab der Hessische Rundfunk bekannt, Margarita Broich als neue "Tatort"-Kommissarin verpflichtet zu haben, und begrüßte den Zugang wenig schmeichelhaft: "Ihr Gesicht ist vielleicht bekannter als ihr Name."

"Tatort — Wer das Schweigen bricht", ARD, So. 20.15 Uhr

Hier geht es zur Bilderstrecke: Nina Kunzendorfs letzter "Tatort"-Fall

(RP/jco/sap)