Kritik zum "Tatort" aus Luzern: Kommissare bleiben gewohnt blass

Vorletzter „Tatort“ aus der Schweiz : Kurz vor dem K.O.

Auch in ihrem vorletzten „Tatort“ bleiben die Ermittler Flückiger und Ritschard blass. Der Fall rund um eine entführte Boxerin ist allzu klassisch aufgezogen, meint unser Autor.

Martina Oberholzer (Tabea Buser) schreit ihre Freude heraus, nach einem harten Kampf hat sie ihre Gegnerin auf die Bretter geschickt. Durch den Sieg winken ihr Kämpfe in größeren Hallen, mehr Zuschauer, Ruhm, Geld. Doch schnell wird klar, dass etwas nicht stimmt. Denn die Besiegte steht nicht wieder auf, der Ringarzt kann nichts mehr für sie tun. „Das war nicht dein Schlag, da war schon vorher was los mit ihr“, murmelt ihr Trainer. Die Boxerin starrt ins Leere. Bloß ihr Manager Sven Brügger – ein fleischgewordenes Goldkettchen – ist happy: „Was Besseres gibt’s nicht! Das wollen die Leute sehen! Und deswegen machen wir jetzt richtig fett Kohle!“

Doch sein Schützling hat genug, sie will aussteigen aus dem Sport und auspacken darüber, was hinter den Kulissen abgeht: Doping in ganz großem Stil, gesundheitsgefährdend und offenbar auch verbunden mit organisierter Kriminalität. Ihr Manager sperrt sie ein – und wird in der nächsten Szene dafür erschossen, per Pumpgun, im Bademantel, nach einem Sonnenbank-Besuch. Der noch am Tatort gefasste Schütze gesteht sofort. Mehr noch: Heinz Oberholzer (Peter Jecklin) hat die Ermittlerin Liz Ritschard selbst gerufen – er ist Ritschards langjähriger Mentor bei der Kripo, und der Onkel der entführten Boxerin.

Ritschard und Flückiger haben also keinen Mordfall zu lösen. Vielmehr müssen sie herausfinden, in welchem der zahllosen Bunker in und um Luzern die junge Boxerin festgehalten wird, bevor sie verdurstet – ein klassisches Rennen gegen die Zeit. Hinzu kommen ein klassischer Streit zwischen den Ermittlern, ein klassisches dunkles Geheimnis sowie ein klassischer Fall von „Die Fahnder biegen die Regeln, um zum Erfolg zu kommen“.

Denn der privat involvierte Kripo-Mann schwört, dass Gangsterboss Pius „King“ Küng (Pit-Arne Pietz) die Entführung aus dem Knast heraus organisiert hat. Sein Plan: Er will sich ins Luzerner Zentralgefängnis einliefern lassen, um dort aus dem Drahtzieher herauszukitzeln, wo sich seine Nichte befindet.

Doch das scheitert lange an den Bedenken der bösen Bürokraten, namentlich Ritschards Chef Eugen Mattmann  (Jean-Pierre Cornu) und Gefängnischefin Thea Gabler (Doris Schefer). Also legt Ritschard Küng ein Foto der Entführten vor und erklärt: „Wenn wir sie nicht finden, stirbt sie.“ Antwort? Ein spöttisches „Ui.“

Danach nimmt ein arg klassisch konstruierter Krimi seinen Lauf, bis hin zum bitteren Ende. Die Versatzstücke passen nicht recht zusammen – wie so oft beim Luzern-„Tatort“. Dass Polizeichef Mattmann wie eine Karikatur von Jean-Claude Juncker wirkt, mag manchen mehr stören und manchen weniger. Aber die Nachsynchronisierung der schwyzerdütschen Dialoge lässt alles steril wirken. Egal jetzt. Nächstes Mal heißt es „Adé“ Ritschard und Flückiger – und nicht „Uf Wiederluege“.

„Tatort: Ausgezählt“, Das Erste, So., 20.15 Uhr

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