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Kritik: So gut war der Drogen-Polizeiruf "Tod einer Toten"

Nachlese zum „Polizeiruf: Tod einer Toten" : Keine Macht den Drogen

Der Polizeiruf „Tod einer Toten“ zeigt packend, welche Opfer das lukrative Geschäft mit harten Drogen fordert – direkt und vor allem indirekt. Exzellent besetzt und mit einem altbekannten Song zum Finale.

Worum ging‘s? Um ein Mysterium. „Das kann nicht sein“, sagt Werner Mannfeld, als ihm Brasch (Claudia Michelsen) eröffnet, seine Tochter sei ermordet worden. Aus ihm spricht mehr als Nichtwahrhabenwollen. Denn seine Tochter ist bereits vor vier Jahren bei einem Autounfall in Bratislava gestorben. Wie kann das sein? Kurzfassung: Fingierter Tod und neue Identität als Teil einer Kronzeugen-Regelung im Prozess gegen den Drogenboss, für den sie Heroin schmuggelte.

Worum ging es wirklich? Um die Folgen des Konsums harter Drogen. In der Pathologie nämlich erkennt Mannfeld seine Jessica sehr wohl. Und sagt dennoch bestimmt: „Das ist nicht meine Tochter.“ Vielleicht spricht da aus ihm mehr als der Schock: Nach Jahren der Lügen und vergebenen zweiten, dritten, vierten Chancen hatte er sich von seinem Kind losgesagt. Und seine Jessica vom Hof gejagt, als sie ihn am dringendsten brauchte – weil sie ein Kind erwartete. Aus Kummer über all das, so legt der Film nahe, ist Mannfelds Frau gestorben. Eine Meisterin des Pragmatismus, die ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn in deren Not sogar erlaubte, auf ihrem Hof Heroin zu verstecken. Doch bevor Mannfeld die Drogen suchen kann, muss er einen Umgang finden mit der Hinrichtung seiner Tochter sowie der zeitgleichen Ankunft seiner zuckersüßen Enkelin und seines verhassten Schwiegersohns.

Was war gut? Die komplette Besetzung. Beat Marti als adretter Drogenboss („Ich bin Geschäftsmann“) und Deborah Kaufmann als dessen eiskalte Frau, die im Zweifel Ex-Junkies Heroin spritzen lässt. Ben Münchow als schlichter Alex Zapf, dem ebendas widerfährt. Christian Ehrich als überforderter Kleindealer in Todesangst. Madeleine Tanfal als Fleisch gewordene Unschuld Marie. Das ungleiche Duo von der Drogenfahndung (Luisa-Céline Gaffron und Steffen C. Jürgens).

Und in einer Klasse für sich Christian Kuchenbuch als gebeutelter Werner Mannfeld. In diesem gebrochenen Mann ist neben Wut auf die Polizei („Wissen Sie, wie oft ich bei Ihren Kollegen war? Ich hab‘ denen alles erzählt: Wo Jessie die Drogen kauft, an welchen Ecken die Schweine stehen… und wissen Sie, was die gemacht haben? NICHTS!“) vor allem Leere. Exzellent gemacht, vor allem durch Verzicht auf große Gesten und Worte.

Was war schade? Die sonst so helle Pia Sommer hatte das Rätsel um die Waffe schon gelöst, mit der Jessica und zuvor auch zwei weitere Dealer erschossen worden waren. Dass sie es brühwarm ihrem Partner bei der Drogenfahndung erzählte, der ebenjene Waffe nie in der Asservatenkammer eintragen ließ, ergibt keinen Sinn. Der billige Schockmoment, dass er sie daraufhin erschießt, war in jeder Hinsicht unnötig. Der klassische Showdown zum Schluss hätte auch so funktioniert.

Was war das für ein Song am Ende? „The Hanging Tree“ sangen James Newton Howard und Jennifer Lawrence in „Die Tribute von Panem“.

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Das eindringliche Lied vom „Henkersbaum“ handelt vom unbedingten Willen zur Freiheit. Mannfeld scheint einen Hauch davon zu spüren, als er das Gift ins Feuer wirft, das seine Tochter indirekt und Lobrechts Sohn direkt das Leben gekostet hat, was wiederum Lobrecht zum Dreifachmörder machte.