Kölner "Tatort: Weiter, immer weiter": Starker Fall mit überraschendem Ende

Kölner „Tatort“ am Sonntag : Starker Fall mit überraschender Auflösung

Ballauf und Schenk bekommen bei den Ermittlungen gegen die Russen-Mafia Hilfe vom Streifenpolizisten Frank Lorenz. Kann das Trio den Paten überführen?

Es gibt Dinge, die sind normalerweise deutlich komplizierter als die Vorschau auf einen Kölner „Tatort“ zu schreiben. Das Andübeln einer Vorhangstange in einem Altbau zum Beispiel. Sand in der Wand ist hier das Stichwort. Oder das Reinigen der Scharniere einer von Wasserschimmel befallenen Duschkabine. Eigentlich alle Tätigkeiten, die Werkzeug und Geduld erforderlich machen, sind deutlich komplizierter als das Schreiben einer TV-Vorschau. Heute ist das ausnahmsweise anders. Denn das Beste am neuen Fall „Weiter, immer weiter“ aus Köln ist die überraschende Auflösung. Und es wäre schon ziemlich doof, jetzt hier zu viel zu verraten.

Also ganz vorsichtig: Der Streifenpolizist Frank Lorenz (Roeland Wiesnekker) sieht bei einer Verkehrskontrolle mit an, wie ein junger Drogensüchtiger von einer Straßenbahn überfahren wird und stirbt. Zuvor war der junge Mann von einem dunklen SUV verfolgt worden. Am Steuer saß ein Mann mit einer auffälligen Mafia-Tätowierung. Wurde das Opfer absichtlich in den Tod gehetzt? Kommissar Schenk (Dietmar Bär) kennt Lorenz aus der Polizeischule. Lorenz, eigentlich immer ein emsiger Ermittler und guter Kumpel, hatte privat viel Pech. Erst kam die Scheidung, dann der Alkohol und schließlich eine Degradierung, weil er betrunken zum Dienst erschien. Heute muss er wieder Streife gehen und wohnt bei seiner Schwester. Abends gibt es Leberwurstbrote mit Gurke. Der reine Grusel.

In den Ermittlungen läuft Lorenz allerdings zu Hochform auf. Gemeinsam mit Schenk und Ballauf (Klaus J. Behrendt) wertet er Videos der Verkehrsüberwachung aus, erstellt Phantomzeichnungen, nimmt in seiner Freizeit Spuren am Tatort, trifft sich mit Informanten in Waschstraßen und stellt letztlich die Verbindung zu einem russischen Drogenbaron her, der im Rheinland seit Jahren sein Unwesen treibt. Schenk freut sich für seine alten Kumpel, der vielleicht doch noch mal eine Chance bekommt. Ballauf hingegen ist wie so oft von allem genervt und meckert viel. Mehr darf nicht verraten werden.

Regisseur Sebastian Ko ist einer der besten Kölner Fälle der vergangenen Jahre gelungen. Roeland Wiesnekker glänzt dabei in der Rolle des chronischen Verlierers Lorenz, der es allen noch einmal zeigen will, bevor es zu spät ist. Der Schweizer ist mehrfach im Jahr in Nebenrollen im „Tatort“ zu sehen. Wer „Weiter, immer weiter“ sieht, wundert sich nicht, warum „Tatort“-Macher den 51-Jährigen so gerne buchen.

Zu meckern gibt es leider doch etwas. Denn die Auflösung des Rätsels um den russischen Mafia-Paten kommt schon zehn Minuten vor dem Abspann. Ab 21.35 Uhr ist der Drops also gelutscht. Die verbleibende Zeit wird dann mit einer wilden Geiselnahme inklusive SEK-Einsatz und Schießerei gefüllt, was so eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre und auch etwas albern wirkt.
Bleibt noch zu sagen, dass man diesen Kölner „Tatort“ nicht verpassen sollte, gegen Wasserschimmel in der Duschkabine nur regelmäßiges, proaktives Trockenreiben hilft und das feste Andübeln einer Vorhangstange im Altbau für normale Menschen nahezu unmöglich ist.

Die nächste „Tatort“-Vorschau wird dann hoffentlich wieder unkomplizierter.

„Tatort“, Das Erste, So., 20.15 Uhr