Düsseldorf: Kleine Morde unter Bergbauern

Düsseldorf : Kleine Morde unter Bergbauern

Neuer Krimi in der ARD: Die "Kripo Bozen" hat eine gute Kommissarin, verbreitet aber Chaos.

Ihr Mann ist pleite, deshalb zieht Kommissarin Sonja Schwarz (Chiara Schoras) aus Frankfurt nach Bozen. Dort will er den Weinbaubetrieb seiner verstorben ersten Frau übernehmen. Deren Mutter hasst Sonja, die bei ihrem ersten Diensteinsatz auf eine Schleuserbande trifft. Bei der Verfolgung der Flüchtlinge findet sie ein Skelett, dann wird ein Apotheker tot aufgefunden. Ihr Mann scheint eine Verbindung zu einem vor Jahren verschwundenen Mädchen zu haben, ein syrischer Flüchtlingsjunge leidet an Diabetes. Außerdem geht es um Doping, Biathlon, gestohlene Wäsche, den "Ötzi" und den Südtiroler Graukäse. Zudem steht die Beziehung zu ihrem Mann auf der Kippe.

Um die verwirrende Faktenvielfalt auf den Punkt zu bringen: Frau Commissario hat in der neuen Krimireihe "Kripo Bozen" wirklich viele Probleme - und damit auch der Film. Denn es geht in den 90 Minuten inhaltlich drunter und drüber. Einzig die Kommissarin hält in dem Durcheinander den Kopf hoch und vermag, in der Rolle zu überzeugen.

Die Deutschen lieben Krimis, und sie lieben Krimis, die im Ausland spielen: "Commissario Brunetti" in Venedig ist ein Beispiel dafür oder auch die Kommissare Özakin ("Mordkommission Istanbul") und Dupin ("Bretonische Brandung"). Nun ermittelt Sonja Schwarz in Bozen, und es gibt neben den lebenslustigen Italienern und der verbissenen Deutschen einiges an Stereotypen. Hauptproblem der Krimis an Orten, wo Leute gerne Urlaub machen, bleiben aber Sprache und Glaubwürdigkeit, wenn deutsche Schauspieler Italiener verkörpern sollen: Die Einheimischen sprechen eher Bayerisch als Südtirolerisch, der smarte Matteo Zanchetti (Tobias Oertel), ein Kollege der Polizei in Bari, flirtet natürlich in akzentfreiem Deutsch, und Gerichtsmedizinerin Chiara Bonetti (Marion Mitterhammer) streut gelegentlich ein "diciamo" und "buongiorno" ein.

Ob es eine Fortsetzung gibt und so dieser Krimi auch erst zur Reihe wird, steht noch nicht fest. Deshalb ist das Ende durchaus gewagt. Und sollte es einen zweiten Teil geben, wäre der tapferen Hauptdarstellerin Chiara Schoras ein besseres Drehbuch zu wünschen, in das nicht jede Problematik reingepackt wird, die zurzeit in Mode ist.

"Kripo Bozen - Wer ohne Spuren geht", ARD, 20.15 Uhr

(RP)