"Zimmer frei" mit Martin Sonneborn: Kein Skandal, nur Langeweile

"Zimmer frei" mit Martin Sonneborn : Kein Skandal, nur Langeweile

Düsseldorf (RPO). Gestern war es soweit: Der WDR strahlte die zwischenzeitlich sagenumrankte Ausgabe von "Zimmer frei" mit Martin Sonneborn aus. Eben die Ausgabe, die im öffentlich-rechtlichen Giftschrank verschwunden war. Wer nach Mitternacht einschaltete, wurde allerdings enttäuscht. Denn es war ziemlich langweilig.

Düsseldorf (RPO). Gestern war es soweit: Der WDR strahlte die zwischenzeitlich sagenumrankte Ausgabe von "Zimmer frei" mit Martin Sonneborn aus. Eben die Ausgabe, die im öffentlich-rechtlichen Giftschrank verschwunden war. Wer nach Mitternacht einschaltete, wurde allerdings enttäuscht. Denn es war ziemlich langweilig.

Martin Sonneborn hat sich den Ruf als Deutschland profiliertester Satiriker redlich verdient. Fünf Jahre lang leitete er das Satire-Magazin "Titanic", spielte erschreckend echt den Bundesvorsitzenden der "Partei" und holte mit einem getürkten Bestechungsfax die Fußball-WM 2006 nach Deutschland. So will es jedenfalls die Legende. Vor seinem Auftritt bei "Zimmer frei" waren die Erwartungen entsprechend hoch.

Und wurden leider nicht erfüllt. Denn Sonneborn wollte sich so rein gar nicht auf das Konzept der Sendung einlassen. Er lästerte über das Essen, beschied selbst freundlichste Fragen mit kleinkarierter Nichtbeachtung. Das Publikum bat er nicht zu klatschen, weil dies schließlich von seiner Sprechzeit abgehe. Sonneborn spielte lustlos die Rolle des Ekel-Politikers. Das sollte wohl ironisch rüberkommen, fiel dem Zuschauer aber bereits nach einigen Minuten auf die Nerven.

Bitter wurde es, wenn die tapfere Christine Westermann versuchte, dem 44-Jährigen persönliche Fragen zu stellen. Die blockte der Gast vehement wie unlustig ab und flüchtete sich in seine Polit-Plattitüden. Spätestens nach dem Besuch auf dem "Zimmer" wurde es dann auch Westermann zu bunt. Der Journalistin war der Ärger deutlich anzusehen. Die Sendung war früh gelaufen.

Ein kleiner Triumph blieb den Moderatoren doch noch vergönnt. Denn sowohl beim Bilderrätsel als auch bei einem interaktiven Theaterspiel, bei dem eine Handlung spontan weiterentwickelt werden musste, bewies Sonneborn, dass bei ihm der Groschen ziemlich langsam fallen kann. Am Schluss der Sendung setzte es dann folgerichtig die Quittung: Rund die Hälfte des Studiopublikums zeigte Sonneborn die "Rote Karte".

Was bleibt von diesen 60 Minuten "Zimmer frei"? Die ursprüngliche Entscheidung des Senders, die Folge nicht auszustrahlen, war eigentlich richtig. Denn es war eine langweilige Sendung. Und dass der WDR seine Zuschauer vor Langeweile schützen will, ist mal ein gutes Zeichen.