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Katja Suding: "Tagesschau" entschuldigt sich für Schwenk auf ihre Beine

Entschuldigung für "Altherren"-Kamera-Einstellung : Die "Tagesschau" und der Schwenk auf Katja Sudings Beine

Es ist fast zwei Jahre her, dass die Sexismus-Debatte um FDP-Politiker Rainer Brüderle das Land beherrschte. Ausgerechnet beim Dreikönigstreffen der Liberalen hat nun die "Tagesschau" eine Einstellung gefilmt, die genau zu dieser Debatte passen würde. Es geht um Katja Sudings Beine.

Traditionell hatte die FDP am Dienstag zu ihrem Dreikönigstreffen in die Stuttgarter Oper eingeladen. Mit neuem Logo und einer Kampfansage des Liberalen-Chefs Christian Lindner versucht die Partei, nun wieder anzugreifen. Genau darüber berichtete wie viele Medien auch die "Tagesschau" in ihrer 20 Uhr-Sendung. Der Beitrag befasste sich mit dem, was Lindner sagte, zeigte ihn bei seiner Rede. Auch Mitglieder wurden interviewt. Dann ging es um die nächste entscheidende Wahl in Hamburg.

Die Spitzenkandidatin dort: Katja Suding, auf deren Wahlplakaten die Liberalen mit dem Slogan "Unser Mann für Hamburg" werben. Vielleicht hatte dies ja den Kameramann zu seiner folgenden Einstellung inspiriert. Denn in Minute fünf der "Tagesschau" zeigt die Kamera zunächst nur Sudings Beine, fährt dann ganz langsam hoch, um dann doch auf ihrem Gesicht zu verweilen.

Beim "Tagesschau"-Team jedenfalls wurde dies nach der Sendung heiß diskutiert, wie Kai Gniffke, Erster Chefredakteur von ARD-aktuell, in seinem Blog schreibt. "Es ist einer dieser Schwenks die wir in den 80er und den frühen 90er Jahren noch gesehen haben und der gerne mal die Vorlage für Altherrensprüche lieferte", schreibt Gniffke.

"Der Beine-Schwenk gehört auf den Index"

Einen Hang zu Altherren-Witzen hatte man auch Brüderle immer wieder nachgesagt, was in der Sexismus- und "Aufschrei"-Debatte um Brüderles Begegnung mit der Journalistin Laura Himmelreich hinreichend thematisiert wurde. Entsprechend schreibt auch Gniffke: "Nun könnte man sagen, dass diese Einstellung prima zu einem FDP-Bericht passt. Aber der Aufschrei gegen sabbernder Liberale ist ja nun als Thema durch." Es sei ja nicht so, als habe die FDP selbst Bildregie geführt.

Und schließlich entschuldigt sich Gniffke für den Kameraschwenk, der seiner Ansicht nach hätte ausgetauscht werden müssen. Nicht etwa, "weil feministische Gäule mit mir durchgehen", sondern weil sich einige Zuschauer(innen) darüber empören könnten. Dass sich Zuschauer empörten, dagegen habe er ja gar nichts, "aber nicht über die Art und Weise, wie wir Menschen filmen".

Und so schließt Gniffke sein Blog mit den Worten: "Der Beine-Schwenk gehört auf den Index. Tut mir leid, Frau Suding." Ob die FDP-Politikerin selbst die Kamera-Einstellung als empörend empfand, ist übrigens bislang nicht bekannt.

(das)