Harald Schmidt Katholische Kirche muss medial fit gemacht werden

Düsseldorf (RP). Der gläubige TV-Entertainer empfiehlt der katholischen Kirche, sich medial fit zu machen, und sieht im Weltjugendtag den Ausdruck neuer Sinnsuche. Harald Schmidt im Gespräch zum Ereignis in der Domstadt.

Wie Harald Schmidt unsere Politiker aufs Korn nimmt
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Foto: AP

Wie präsentiert sich aus der Sicht eines Fernseh-Entertainers die katholische Kirche in den Medien?

Schmidt: Es müsste viel mehr 2005 sein. Man müsste die Leute erst einmal medial fit machen. Wenn ich einen Bischof im Fernsehen sehe, dann weiß ich schon nach der zweiten Frage, dass er gleich zu rudern beginnt, weil es um Kondome und Aids geht. Aber das ist nur eine Trainingsfrage; man müsste die Leute eben viel besser schulen. Aber vielleicht kommt das noch.

Aber es ist dennoch erstaunlich, dass die uralten Rituale der Kirche junge Menschen begeistern.

Schmidt: Aber da sehen sie ja, wo die Bedürfnisse liegen.

Was fasziniert Sie an Benedikt den XVI und der katholischen Kirche?

Schmidt: Na gut, ich bin katholisch von Haus aus und in der ganzen katholischen Tradition aufgewachsen. Außerdem gefällt es mir, sich öffentlich zum Katholizismus zu bekennen; da es auch relativ leicht ist, gegen die katholische Kirche zu sein. Also denke ich, bin ich genau bei der richtigen Kirche.

Was halten Sie von der Schlagzeile der Bildzeitung "Wir sind Papst"?

Schmidt: Zunächst einmal glaube ich, dass für viele Leser der Bildzeitung die Überschrift grammatikalisch korrekt war. Insofern entspricht sie auch dem Gefühl. Davon abgesehen ist das für mich unter Marketinggesichtspunkten eine Superschlagzeile.

Was haben Sie beim Weltjugendtag schon besucht?

Schmidt: Ich war schon im Massagezelt der katholischen jungen Gemeinde, habe mich massieren lassen und selbst eine Gläubige massiert. Dann war ich noch auf der Domplatte und habe 14 Pilger aus El Salvador in meinem Studio untergebracht. Ich bin also voll in der Thematik drin. Außerdem wird auch im E-Werk, wo mein Studio ist, gepilgert was das Zeug hält.

Könnte das Thema Kirche in Ihren Sendungen später Mal eine Rolle spielen und wäre ein Bischof als Gast vorstellbar?

Schmidt: Eigentlich nicht. Einen Bischof würde ich auch nicht einladen, weil es dann so eine blöde Erwartungshaltung gibt, dass man ihn jetzt was ganz Besonderes fragen muss. Aus diesem Grund haben wir auch keine Politiker mehr in der Sendung.

Ist der WJT Ausdruck einer neuen Sinnsuche oder nur ein Erlebnis mit Kurzzeitfolgen?

Schmidt: Ich glaube, das mischt sich. Es ist ja schon einmal viel Wert, dass es so eine friedliche Veranstaltung ist. Ob das auch glaubensmäßig etwas bringt, kann ich gar nicht beurteilen; finde ich aber auch zweitrangig. Wenn so viele Leute aus so vielen Ländern hier vier Tage friedlich zusammen sind, dann empfinde ich das als ein sehr bemerkenswertes Ereignis.

Sind Sie eigentlich ein Kirchgänger?

Schmidt: Ja, aber ein schlechter.

(Rheinische Post)
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