1. Panorama
  2. Fernsehen

Karl Lauterbach bei "Illner": So lief der erste Talk-Auftritt des neuen Gesundheitsministers

„Maybrit Illner“ zu Impfstoffen, Omicron und Co. : So lief Lauterbachs erster Talk-Auftritt als Gesundheitsminister

Impfstoffbeschaffung, Omikron-Abwehr, wichtige Maßnahmen: Mit seiner neuen Aufgabe als Gesundheitsminister ist Karl Lauterbach ordentlich beschäftigt. Bei „Maybrit Illner“ formuliert er seine Ziele.

Bei „Maybrit Illner“ lautete das Motto für den Talk am Donnerstagabend „Omikron und Impfpflicht – neuer Minister, neue Sorgen?“.

Die Gäste:

  • Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister
  • Tobias Hans (CDU), Ministerpräsident des Saarlands
  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Bundestagsabgeordnete
  • Viola Priesemann, Physikerin und Modelliererin
  • Tina Hildebrandt, Journalistin

Darum ging’s:

Um das bisher geringe Wissen über die Omikron-Variante, um den Nutzen der Auffrischungsimpfung und um einen Blick über das Pandemie-Tagesgeschehen hinaus.

Der Talkverlauf:

Für den frischgebackenen Gesundheitsminister Karl Lauterbach gibt es einen warmen Empfang in der Talkrunde. Die Journalistin Tina Hildebrandt nennt ihn angesichts der Hashtag-Kampagnen seiner Fans auf sozialen Netzwerken „den ersten direktgewählten Minister“, die Wissenschaftlerin Viola Priesemann freut sich über Lauterbachs Fachkenntnis. Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann räumt unumwunden ein, wie selten Lauterbach mit seinen Vorhersagen danebengelegen habe, und als Mitglied der Opposition sagt der CDU-Politiker Tobias Hans zu: „Ich werde nicht gleich auf ihm herumhacken, auch nicht, wenn vielleicht einmal ein Fehler passiert.“

Moderatorin Maybrit Illner will von Lauterbach wissen, was er als neuer Gesundheitsminister als erstes anders machen werde. „Ich werde erst mal erklären, was zur Zeit notwendig ist“, sagt der SPD-Politiker. Seiner Ansicht nach seien das in erster zügige Linie Booster-Impfungen und eine Erhöhung der Impfquote generell. „Wir müssen vor der Omikron-Variante die Kurve kriegen“, sagt Lauterbach. Er glaube, das sei zu schaffen. Für den Rest des Jahres sei genug Impfstoff vorhanden, und die Bestände für 2022 würden am Freitag in einer umfangreichen Inventur geprüft. Zudem habe er bereits erste Schritte zur Beschaffung des noch nicht entwickelten, auf die Omikron-Variante angepassten Impfstoffs eingeleitet.

Seinen Fokus auf die Impfung erklärt Lauterbach mit dem, was sich bislang über die neue Virusvariante herausschält: Es sieht so aus, als würde das Virus zweifach Geimpfte infizieren. Dabei verweist Lauterbach aber auf die bislang dünne Datenlage. „Wenn die Daten anders auskommen, haben wir Glück.“

  • Alter, Studium, Familienstand : Das ist Karl Lauterbach
  • Fast ein Jugendfoto: 2005 zog Karl
    Leverkusener Abgeordneter bezieht Chefsessel im Bundesgesundheitsministerium : Lauterbach kann auch Marinaden
  • Olaf Scholz und Karl Lauterbach im
    Neuer Gesundheitsminister : Impfgegner demonstrieren vor Lauterbachs Wohnung

Verständliche Darstellungen von wissenschaftlichen Fakten kommen bei der Journalistin Tina Hildebrandt gut an. Mit Blick auf Ex-Bundeskanzlerin Merkels Händchen für solche Erklärungen sagt sie aber auch: „Eine Pandemie erklären ist etwas anderes als Politik begründen.“ Hildebrandt findet, in puncto Impfung habe Bundeskanzler Olaf Scholz schon ein wichtiges Signal geliefert mit seiner Äußerung, die Menschen müssten sich wohl noch öfter impfen lassen. Nun wünscht sie sich eine klare Definition von Zielen, Instrumenten und Vorgehensweisen.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans schickt in dieser Frage sein Bundesland als Vorbild ins Rennen. Bei der Impfquote und beim Boostern liege es im landesweiten Vergleich vorn, schon im November habe er gezielt in Altenheimen Auffrischungsimpfungen durchführen lassen und bereits im Sommer mobile Impfangebote gemacht. Hans betont zudem den Nutzen testgestützter Modelle, besonders für Orte wie Restaurants oder Fitnessstudios, in denen das Maskentragen nicht möglich ist.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagt zunächst vor allem, was sie nicht für ein geeignetes Mittel hält – insbesondere seien das Schulschließungen. Das Mitglied im Vorstand der FDP bringt schließlich aber auch einen Vorschlag vor: andere Kommunikationswege für Impfkampagnen. „Es gibt irgendwelche Influencer, die machen Werbung für Lippenstift und Tralala, haben Millionen Follower: Warum holt man sich die nicht für Impfwerbung?“, fragt Strack-Zimmermann. Auch für eine Impfpflicht in Pflegeheimen setzt sie sich ein. „Wir sind auch in Freiheit in der Verantwortung, gerade für die, die sich nicht schützen können.“

Viola Priesemann lenkt den Blick beharrlich auf das große Ganze. Die Physikerin befasst sich in ihrem Beruf mit der Modellierung komplexer Systeme und hat mit ihrem Team bei der Erforschung der Corona-Pandemie einen sogenannten Kipppunkt vorausgesagt, an dem die Infektionsausbreitung außer Kontrolle geraten kann. „Wir können bei Varianten wie Omikron nicht lokal denken“, sagt sie und beschreibt das Problem einer schnellen Verbreitung: „Wenn eine Welle so steil ansteigt, dann stehen die Leute alle gleichzeitig vor den Krankenhaustüren.“

Priesemann verweist darauf, dass es inzwischen ja Erfahrungswerte im Umgang mit Varianten und Pandemiewellen gibt. Auch bei Omikron ließe sich eine schnelle Ausbreitung über Masken und Kontaktbeschränkungen verlangsamen. Allerdings pocht sie darauf, vor etwaigen Maßnahmen erst einmal die Ziele zu definieren. „Wenn das Ziel ist, die Fallzahlen schnell herunterzubringen, dann gilt: Mehr hilft überproportional mehr“, sagt die Wissenschaftlerin. „Aber wenn das Ziel ist, am Limit der Intensivstationen zu bleiben, dann kommen wir mit 2G relativ gut durch.“

Aus Modellierungen gehe zudem hervor, dass ein kurzes und hartes Durchgreifen langfristig wesentlich weniger Belastungen bringe als „diese halben Lockdowns“. Kategorisch harte Maßnahmen auszuschließen hält Priesemann für Wunschdenken. Sie empfiehlt der Politik, stattdessen alle Möglichkeiten durchzugehen und sich für die bestmöglichen Fälle ebenso zu wappnen wie für den schlechtmöglichen Verlauf. Die Politik solle sich rechtlich, organisatorisch und gedanklich nur einmal darauf vorbereiten, um im Falle des Falles nicht überrascht zu werden.

Am Ende folgt Lauterbach den Empfehlungen aus der Runde und formuliert seine Aufgabe. „Für mich ist das wichtigste Ziel, so schnell wie möglich die Bevölkerung zu immunisieren, dass wir die Delta-Welle mit möglichst wenig Toten abschließen, dass wir die Omikron-Welle, wenn irgend möglich, noch vermeiden, und dass wir dann einen guten Schutz vor weiteren Wellen haben.“ Als Instrumente sehe er Boostern und eine Impfpflicht. Der nötige Impfstoff müsse vorab besorgt werden, und zwar auch auf Reserve. „Wenn wir den Impfstoff nicht brauchen, können wir ihn immer noch spenden“, sagt der Gesundheitsminister.

(peng)