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Karl-Josef Laumann bei "Lanz": „Die CDU unter 25 Prozent, das ist einfach schlecht“

Laumann bei „Lanz“ : „Die CDU unter 25 Prozent, das ist einfach schlecht“

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ist dafür bekannt, Tacheles zu reden. Bei „Markus Lanz“ liefert er genau das – und einen Einblick, was vor Armin Laschets Rede am Wahlabend passierte.

Am Mittwochabend standen bei „Markus Lanz“ Zukunftssorgen, Corona-Maßnahmen und Parteipolitik auf dem Programm. Wir haben uns auf den Teil konzentriert, in dem der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sich zur Erneuerung der CDU äußern sollte.

 Die Gäste:

  • Karl-Josef Laumann (CDU), NRW-Gesundheitsminister
  • Mariam Lau, Journalistin
  • Stephan Grünewald, Psychologe
  • Christina Berndt, Wissenschaftsjournalistin

 Darum ging’s:

Um Armin Laschet, um Kandidaten für seine Nachfolge beim CDU-Vorsitz und um Haltung.

 Der Talkverlauf:

Moderator Markus Lanz startet das Gespräch mit einer Provokation. Er zitiert die anwesende Journalistin Mariam Lau damit, es gäbe in der CDU gerade eine Interviewsperre. Mit einem Seitenblick auf den CDU-Politiker in der Runde fragt Lanz, ob das nur für kritische Stimmen in der Partei gelte. Lau lässt sich auf das Spiel aber nicht ein. „Die Parole ist jetzt: Kirche im Dorf lassen“, sagt sie. Die Journalistin bescheinigt der CDU das Ziel, die Aufmerksamkeit auf etwaige Widersprüche bei den Ampel-Gesprächen zu lenken und nicht auf Streit bei der Union.

So ungefähr bestätigt das auch Karl-Josef Laumann. „Wahr ist ja auch, dass die CDU zur Zeit nicht Alleinunterhalter der politischen Szene sein muss, wenn auf der anderen Seite spannende politische Gespräche stattfinden“, sagt er bald darauf. Zunächst muss der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister dem Moderator aber auf die Frage antworten, ob er eine Erlaubnis für seinen Auftritt in der Sendung habe. „Ich gehe hin, wo ich hingehen will, fertig, aus“, sagt der CDU-Politiker. Gefragt habe er niemanden, von einer Sperre nichts gehört.

Wie zum Beweis redet Laumann freimütig über Dinge, die Parteikollegen zumindest nicht so deutlich sagen würden. „Die CDU unter 25 Prozent, das ist einfach schlecht“, sagt er etwa, ohne lange um den heißen Brei zu kreisen. Oder: „Wir sind keine Arbeitnehmerpartei, aber wir sind auch keine Unternehmerpartei.“ Zur Idee einer Doppelspitze: „Zwei Vorsitzende – das passt nicht zur CDU.“ Und unter den Frauen in der Partei sähe er „niemand so richtig, der das [den Parteivorsitz, Anm. d. Red.] machen könnte“. So richtig begeistert Laumanns Geradlinigkeit den Moderator aber bei dem Satz: „Die Tage, wo Armin Laschet Vorsitzender der CDU ist, sind gezählt.“

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Allerdings gibt es einen Punkt, zu dem der CDU-Politiker in der Sendung absolut nichts sagen will: Namen möglicher Nachfolger von Armin Laschet beim Parteivorsitz. Laumann verweist auf die Konferenz der 330 Kreisvorsitzenden seiner Partei am 30. Oktober. Dort solle sich erst einmal herausschälen, wie der Weg zum neuen CDU-Bundesvorsitzenden oder Vorstand aussehen könne. So lange will Lanz aber nicht warten. Er will nun Laumanns Favoriten unter fünf möglichen Kandidaten erfahren, die allesamt aus NRW stammen: Norbert Röttgen, Jens Spahn, Friedrich Merz, Carsten Linnemann und Ralph Brinkhaus. Aber damit beißt er bei Laumann auf Granit.

Hilfesuchend wendet sich Lanz an die Journalistin Lau. Da Laumann für einen Mindestlohn eintrete, bekäme Merz doch wohl kaum Laumanns Unterstützung. Doch Lau glaubt, angesichts der Wahlergebnisse würde Merz durchaus alte Positionen räumen. „Dass man mit der Melodie des Wirtschaftsliberalismus der 90er und frühen 2000er Jahre heute nicht mehr weiterkommt, weiß Herr Merz auch“, sagt sie. An der CDU-Basis sei Merz allerdings beliebt. Das werfe auch ein Licht auf die Befürworter einer Mitgliederbefragung. „Mitgliederbeteiligung ist eigentlich ein anderes Wort für Friedrich Merz“, sagt Lau.

Laumann lehnt eine Mitgliederbeteiligung bei der Vorsitzfrage ab. Als Grund dafür gibt er Personalfragen einer ganz anderen Art an: die Altersstruktur in der CDU. Die Parteimitglieder seien überwiegend auf der älteren Seite und spiegelten nicht die Wählerschaft wider. „Die Leute, die CDU wählen,  sind anders zusammengesetzt – Gottseidank – als die Mitglieder der CDU.“ Und der Wurm müsse nicht dem Angler, sondern dem Fisch schmecken.

Auch wenn Laumann beim Namensspiel nicht mitmacht, äußert er sich zu seinen Vorstellungen eines künftigen Parteivorsitzenden. „Ich will eine CDU haben, die keine Klientelpartei ist“, sagt Laumann. Zwar käme jeder Vorsitzende aus einer bestimmten Strömung der Partei. Aber ihm müsse stets bewusst sein, dass die CDU mehr sei als diese Strömung, und diesem Umstand gerecht werden. Laumann verweist zudem darauf, dass die CDU nicht nur von reichen Menschen gewählt würde. Und: „Es wird niemand sein können, der nicht über eine gewisse politische Erfahrung verfügt.“ Mit Lanz‘ Vorlesestunde dessen, was die Journalistin Lau über die Eigenschaften einer idealen, konservativen Figur schrieb, kann Laumann sich nicht nur mit Blick auf die Parteispitze anfreunden. „Konservativ ist keine Geistesströmung, sondern eine Haltung“, sagt der CDU-Politiker und führt als Beispiel den „ehrbaren Kaufmann von früher“ an.

Seine eigene Haltung scheint auch auf, als es um den Umgang der Union mit Armin Laschet geht. Eines nervt den CDU-Mann ganz besonders: die Kritik von Spitzenpolitikern der Union an Laschets Rede in der Wahlnacht. Das Parteipräsidium habe kurz vor Bekanntgabe der Wahlergebnisse abgesprochen, die Partei „nicht aus dem Spiel zu nehmen“. Das sei kein Alleingang Laschets gewesen. Einen Text habe man dort nicht beschlossen, wohl aber die Idee, sich nicht direkt in die Opposition zurückzuziehen. „Diejenigen, die heute im Präsidium der CDU sind, saßen bei dieser Entscheidung mit am Tisch“, bekräftigt Laumann. Deshalb hätte bei Laschets Rede auch das gesamte Präsidium mit auf der Bühne gestanden. Er hoffe, dass Laschet nun einen guten Platz in der Partei finde, sagt Laumann, „weil ich glaube, dass er ein guter Politiker ist, Punkt!“

(peng)