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Dänischer Redakteur: "Karikaturen als Reaktion auf Selbstzensur"

Dänischer Redakteur : "Karikaturen als Reaktion auf Selbstzensur"

Washington (rpo). Der für die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen verantwortliche dänische Redakteur hat den Abdruck der Zeichnungen als Reaktion auf Selbstzensur bezüglich den Islam betreffender Themen bezeichnet. Die Karikaturen seien als Antwort auf "sich verstärkende Ängste und Gefühle der Einschüchterung im Umgang mit Themen, die mit dem Islam zu tun haben" veröffentlicht worden, schrieb Flemming Rose in einem Kommentar für die Sonntagsausgabe der "Washington Post".

Als Beispiel führte Rose einen dänischen Kinderbuchautor an, der keinen Illustrator für ein Buch über Mohammed gefunden habe. Die Londoner Tate-Galerie habe eine Installation zurückgezogen, in der ein zerrissener Koran, eine zerrissene Bibel und ein zerrissener Talmud gezeigt wurden. Seine Zeitung habe in derartigen Ereignissen eine legitime Geschichte mit Nachrichtenwert gesehen und sich entschlossen, nach dem journalistischen Prinzip "zeigen, nicht erzählen" vorzugehen. Druck nachzugeben, die Karikaturen nicht zu veröffentlichen, wäre "unvereinbar mit einer säkularen Demokratie" gewesen, schrieb der Redakteur der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten".

Rose, der inzwischen auf unbestimmte Zeit in Urlaub gegangen ist, schrieb weiter, dass der Islam in den Karikaturen fair behandelt worden sei. "Die Karikaturisten behandelten den Islam auf dieselbe Art, wie sie das mit dem Christentum, dem Buddhismus, dem Hinduismus und anderen Religionen tun. Und indem sie Muslime in Dänemark gleichberechtigt behandelten, stellten sie fest: Wir integrieren euch in die dänische Satiretradition, weil ihr Teil unserer Gesellschaft seid, keine Fremden. Die Karikaturen schließen Muslime ein, nicht aus", schrieb Rose.

Kritiker hätten eine der Zeichnungen, die den Propheten mit einer Bombe im Turban zeigt, dahingehend interpretiert, dass damit Mohammed oder alle Muslime als Terroristen dargestellt würden. "Ich sehe es anders: Einige Individuen haben die Religion des Islams als Geisel genommen, indem sie Terrorakte im Namen des Propheten begehen. Sie sind diejenigen, die der Religion einen schlechten Ruf gegeben haben."

Zu Vorwürfen, seine Zeitung habe sich in der Vergangenheit geweigert, Jesus-Karikaturen abzudrucken, schrieb Rose: "'Jyllands-Posten' hat sich geweigert, satirische Karikaturen von Jesus abzudrucken, aber nicht, weil sie einen Maßstab von Doppelmoral anwendet. Tatsächlich hat derselbe Karikaturist, der Mohammed mit einer Bombe im Turban gezeichnet hat, eine Karikatur von Jesus am Kreuz mit Dollarnoten in den Augen gezeichnet und eine andere mit dem Davidstern, der an einer Zündschnur einer Bombe befestigt war. Als wir die veröffentlicht haben, gab es jedoch keine brennenden Botschaften oder Todesdrohungen."

Die zuerst im September abgedruckten Karikaturen haben weltweit zum Teil gewaltsame Proteste von Muslimen ausgelöst, bei denen zahlreiche Menschen getötet wurden. Andere westliche Zeitungen druckten die Karikaturen unter Berufung auf deren Nachrichtenwert und die Pressefreiheit später nach. Im Islam ist die Abbildung des Propheten Mohammed verboten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dänische Karikaturen empören islamische Staaten

(ap)