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"Kannste regieren?": Was Kinder Scholz, Baerbock und Lauterbach fragen

Sat1-Sendung „Kannste regieren?“ : Baerbock hat ein geheimes Codewort mit ihrer ältesten Tochter

Im Sat1-Format „Kannste regieren?“ haben sich Kanzler Scholz, Außenministerin Baerbock und Gesundheitsminister Lauterbach Kinderfragen gestellt. Dabei verriet die Außenministerin: Mit ihrer ältesten Tochter hat sie ein geheimes Codewort. Wenn das fällt, lässt sie alles stehen und liegen.

In der Sat1-Sendung „Kannste regieren?“ hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ein Versprechen aus dem Bundestagswahlkampf eingehalten - und 17 Schüler aus ganz Deutschland ins Kanzleramt eingeladen. Das Format ist eine Fortsetzung des Polit-Docutainments „Kannste Kanzleramt?“. In der Sendung vor der letztjährigen Bundestagswahl hatten sich neben Scholz auch die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Grüne) den Kinderfragen gestellt. Damals hatte Scholz den Schülerinnen und Schülern versprochen, sie im Fall eines Wahlerfolgs ins Kanzleramt einzuladen und dort herumzuführen.

„Hereinspaziert. Guckt euch um“, begrüßte er die Kinder nun in seinem Büro im siebten Stock der Regierungszentrale. Die Kinder waren demnach eine Stunde im Kanzleramt zu Gast und hatten viele Fragen an Scholz.

In der im August aufgezeichneten und am Donnerstagabend ausgestrahlten Sat.1-Sendung „Kannste regieren?“ standen neben dem Bundeskanzler auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) den Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren Rede und Antwort - in einem Berliner Klassenzimmer. Das waren ihre Themen:

Krieg in der Ukraine

Schülerin Lara wollte wissen, ob der Kanzler Angst vor einem russischen Angriff auf Deutschland habe, falls er am Telefon etwas Falsches zu Putin sagen würde. Die Antwort von Scholz: „Nein. Denn wir sind ja erstens nicht alleine, sondern haben Freunde und Verbündete in der Europäischen Union und unserem Verteidigungsbündnis, der Nato. Aber gleichzeitig haben wir ja auch selber eine starke Bundeswehr, um uns selbst zu verteidigen.“

Weniger formell und doch mit mehr Mut zur Komplexität beantwortete Baerbock die Ukraine-Fragen der Kinder. So verteidigte sie etwa die Waffenlieferungen, schränkte dabei aber ein: Diese seien nicht für einen Gegenangriff gedacht, sondern zur Selbstverteidigung. „Wenn wir Ukraine nicht unterstützen würden, würden in vielen Orten ganz schlimme Dinge passieren“, sagte die Außenministerin. Und: „Wenn es einen großen Streit gibt, darf man sich wehren. Aber nicht einfach auf andere losgehen.“

Schulschließungen

Lauterbach bekräftigte im Gespräch mit den Kindern, dass es im Herbst und Winter keine coronabedingten Schulschließungen mehr geben werde. „Das wird nicht mehr kommen, darunter haben viele Kinder gelitten“, sagte er. Das brauche man auch nicht mehr, da der Impfschutz viel besser sei und es verbesserte Behandlungsmöglichkeiten gebe.

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Die Kinder wollten es aber genau wissen. Schülerin Lara fragte etwa, ob eine für Januar geplante Ski-Freizeit stattfinden könne. Die Antwort des Ministers: „Ich glaube, das wird funktionieren. Ich gehe davon aus, dass wir die Fallzahlen so gut in den Griff bekommen, dass wir diese Reisen durchführen können.“ Er könne sich aber vorstellen, dass für einen großen Teil der Freizeit Maske getragen werden müsse. Lauterbach trug natürlich selbst eine. Gleich zu Beginn hatte er den Kindern erklärt, dass er sie für die Sendung nicht absetzen würde.

Umgang mit eigenen Kindern

Wer wird nach dem Familienleben gefragt? Nicht die beiden Männer. Die Schülerin Mia stellte Baerbock die Frage, wie sie mit ihren Kindern in Kontakt bleibe. Die Antwort der Grünen-Politikerin: Sie versuche, immer mittwochs zum Abendessen zu Hause zu sein - also an den Tagen, an denen das Kabinett in Berlin tagt und sie meist nicht in der Welt unterwegs ist. Die Ministerin räumte ein, dass ihr forderndes Amt zu Lasten der gemeinsamen Zeit mit der Familie gehe. Früher habe sie ihre Kinder immer mittwochs von der Schule abgeholt, sagte Baerbock. „Das schaff ich jetzt nicht mehr ganz“, fügte sie hinzu.

Wegen der vielen Reisen kommuniziert die Ministerin nach eigenen Worten aber auch viel per Handy mit ihren Kindern. Die ältere ihrer beiden Töchter habe bereits ein Smartphone und schicke ihr auch Nachrichten. Für den Fall, dass die Tochter dringend zurückgerufen werden will, hätten sie ein Codewort vereinbart, verriet Baerbock. Dann verlasse sie jede Sitzung und melde sich sofort bei der Tochter. Bislang habe diese aber noch nicht Gebrauch gemacht von dem Codewort. Um welches Wort es sich handelt, sagte Baerbock nicht.

Herzensangelegenheiten

Ob er in der Schulzeit einmal verliebt war, wollten die Kinder beim Besuch im Kanzleramt wissen. Scholz hielt es wie mit so manchen ganz anderen Themen: Er bekundete, das nicht mehr so genau zu wissen.

Freunde und Feinde

Den Gesundheitsminister befragten die Kinder hingegen mehrmals zu Drohungen gegen ihn aus der Querdenker-Szene. „Das ist ein Preis meiner Arbeit“, sagte Lauterbach. Im Alltag denke er darüber nicht nach. Es gebe Menschen mit schlimmeren Schicksalen. „Wo mich das aber belastet, ist, wenn das meine Familie betrifft“, sagte er.

Bei einem Spiel musste der Lauterbach zudem verraten, welche Politiker eher seine Freunde sind - und welche eher nicht. Dabei druckste er zunächst herum. Harsche Worte fand er schließlich für die AfD-Politikerin Alice Weidel. Sie hetze Menschen gegeneinander auf, sagte Lauterbach. Das sei „menschlich sehr problematisch“.

Regierungspolitiker in Aktion

Zum Abschluss seines Gesprächs im Klassenzimmer spielte Lauterbach mit den Kindern eine Runde Tischtennis. Auch Baerbock zeigte sich sportlich: Sie tanzte mit den Kindern zum Tiktok-Hit „Jiggle Jiggle“, oder sie versuchte es jedenfalls. Baerbock bekundete, schon ihre Tochter habe versucht, ihr die dazugehörigen Bewegungen beizubringen. Dann drehte sie den Spaß um - und lud die Kinder zu einem „Macarena“-Tänzchen ein.

Weniger schweißtreibend ging es zum Ausklang des Besuchs im Kanzleramt zu. Dort warfen die Schüler zusammen mit Scholz Papierflieger von der Terrasse des Kanzleramtes. Darin waren Wünschen notiert. Scholz schrieb in seinen Papierflieger: „Frieden“.

(peng/dpa)