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Joko und Klaas "15 Minuten": Pflegealltag in Echtzeit gezeigt - 7 Stunden

Live auf ProSieben : Joko und Klaas zeigen Alltag von Krankenpflegern in bewegender Sieben-Stunden-Doku

Was macht man mit 15 Minuten gewonnener Sendezeit? Man überredet den Haussender ProSieben, das gesamte TV-Programm abzuräumen und einen spektakulären Einblick in die Welt der Krankenpfleger und Krankenschwestern zu geben. So passiert am Mittwochabend bei Joko und Klaas.

Am Dienstag gewannen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in der Show „Joko und Klaas gegen ProSieben“ 15 Minuten Sendezeit – ein guter Auftakt des Moderationsduos zum Start der neuen Staffel. Am Mittwochabend zeigten die beiden Moderatoren dann, was sie sich in den Kopf gesetzt hatten. Und das war ziemlich aufwendig, glaubt man den vorher getätigten Ankündigungen. Erstmals in der Geschichte dieses Formats hätten Joko und Klaas die Hilfe von ProSieben in Anspruch genommen, gab das Duo in einem Instagram-Video am Nachmittag bekannt. „Wir mussten ProSieben einweihen, was wir vorhaben. Ihr könnt euch vorstellen, das machen wir nicht freiwillig und nicht leichtfertig“, sagte Klaas am Nachmittag. Da gingen die Spekulationen los.

Und so begann die Sendung wie immer mit einem Aufsager von Joko und Klaas. „Danke an ProSieben, die irgendwann gesagt haben: Scheiß auf die Quote“, sagte Joko, bevor die beiden die Zuschauer zu zahlreichen Kommentaren in den sozialen Netzwerken aufriefen. „Denn nur mit einer gewissen Lautstärke kommt die Botschaft bei denjenigen an, die sie nicht hören.“ Und die Botschaft hat es in sich: Der derzeit anhaltende Pflegenotstand in Deutschland, die Situation auf den Intensivstationen, der Arbeitsalltag von Pflegekräften in Deutschland während Corona.

In einer aufwendigen Reportage haben Joko, Klaas und das ProSieben-Team zahlreiche Pflegerinnen, Pfleger, Krankenschwestern zu Wort kommen lassen, die einen guten Einblick in ihr Berufsleben geben. Per Kamera wird Meike Ista, Krankenschwester aus dem Uniklinikum in Münster, einen ganzen Tag lang begleitet. Sie nimmt die Zuschauer am Mittwochabend mit vom Parkplatz – vor Beginn ihrer Frühschicht um 5.56 Uhr, mit zur Teambesprechung, in der die Übergabe aus der Nachtschicht stattfindet, Computerarbeit, Patientenversorgung – näher dran zu sein als hier, ist eigentlich kaum möglich.

Während der Aufnahmen aus dem Klinikum in Münster werden O-Töne von zahlreichen Pflegerinnen und Pflegern eingespielt. Und das Bild, das sie wiedergeben, ist zwiespältig. Zum einen ziemlich erschreckend, wenn die Protagonisten sagen, dass sich der akute Pflegenotstand durch die Corona-Pandemie weiter verstärkt habe, und zum anderen schwärmen sie, dass die Pflege ein Beruf sei, in dem man wirklich helfen könne und dass die Patienten eine Menge zurückgeben würden. Ein Lächeln, ein Danke – der Lohn für den Knochenjob.

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Auch Alexander Jorde kommt zu Wort, der Pfleger, der 2017 im Wahlkampf zur Bundestagswahl Kanzlerin Angela Merkel auf den schon dann herrschenden Notstand in der Pflege aufmerksam macht. Er sagt: „Ohne Pflegepersonal kann man keinen Patienten auf einer Intensivstation behandeln, ohne Pflegepersonal sterben die Menschen.“ Es gebe vielleicht Jobs, bei denen man Sachen abarbeitet und sich die Frage stellt, „ob ich einen Mehrwert geleistet habe“, sagt Jorde. Dies sei im Pflegeberuf deutlich zu erkennen. „Wenn man sich das bewusst macht, kann das sehr erfüllend sein“, sagt Jorde in der Dokumentation, die keineswegs nur 15 Minuten dauerte, sondern mit sieben Stunden Länge das ganze Abendprogramm auf Pro Sieben füllte – ohne Werbepause.

Franziska Bühler aus Frankfurt ist seit Jahren als Krankenpflegerin aktiv, seit Jahren ist das mangelnde Personal ein großes Problem. „Wir haben so viele Patienten, so viele Betten, aber kein Personal, das sie betreuen kann.“

Für Esther Binar, Krankenschwester aus Oldenburg, ist die Arbeitslast der Pflegerinnen und Pfleger in den vergangenen Jahren ebenfalls enorm gestiegen, damit verbunden auch der Druck. „Pflegekräfte gehen tagtäglich mit dem Gefühl nach Hause, nicht alles geschafft zu haben, jemanden nicht versorgt zu haben. Es ist immer alles auf Kante geplant, das ist in allen Bereichen so, es muss immer kompensiert werden und Kompensation bedeutet immer Mehrarbeit“, sagt Binar. Und die Mehrarbeit verteile sich eben nicht auf Schultern von vielen Mitarbeitern, schließlich sei die Zahl der Mitarbeiter im Pflegesektor seit Jahren rückläufig – erst recht während der Corona-Pandemie, in der auch viele Arbeitskräfte ihren Rückzug aus der Pflegewelt vollzogen haben.

Der Kölner Krankenpfleger Dustin Struwe sagte, es sei traurig, dass eine Pandemie wie Corona nötig gewesen sei, um die schlimme Situation der Pflege in Deutschland zu verdeutlichen. Die Bottroper Altenpflegerin Flora Reiling sagte zum Beispiel, es sei schlimm, dass manchmal nur zwei Pflegende für 35 Pflegebedürftige zuständig seien.

Der Bielefelder Intensivpfleger Ralf Berning wies auf die andauernde Überlastung hin. Er kenne Leute, die 23 Tage am Stück arbeiteten, das sei „völlig unmenschlich“. Er sei lange Soldat gewesen und ginge lieber wieder nach Afghanistan als noch einmal so etwas Schlimmes zu erleben wie während der zweiten Corona-Welle im Herbst.

Der Düsseldorfer Krankenpfleger Metin Dogru sagte, er liebe seinen Beruf, aber viele gäben auch auf, weil es zu anstrengend sei.

In der Dokumentation gibt es neben den vielen negativen Aspekten der Rahmenbedingungen (Bezahlung, Personalschlüssel) auch Herzensmomente, die immer dann aufkommen, wenn Meike Ista, die sich für Joko und Klaas die Kamera umgeschnallt hat und mit auf eine komplette Schicht nimmt, mit den Patientinnen und Patienten spricht, ihnen Mut zuspricht und für sie da ist.

So überrascht es angesichts des Aufwands nicht, dass Joko und Klaas ProSieben um Hilfe bitten mussten. Einen Arbeitsalltag auf einer Intensivstation in Echtzeit – das hat es im deutschen TV noch nie gegeben. Ein starkes Zeichen unter dem Hashtag #Nichtselbstverständlich. Kostenpflichtiger Inhalt Unseren Kommentar zur Sendung lesen Sie hier.

Die gewonnenen Sendezeiten verwenden Joko und Klaas für ganz unterschiedliche Themen. Mal machen sie auf das Schicksal von Geflüchteten aufmerksam, mal beleuchten sie die Situation im mittlerweile abgebrannten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos, mal laden sie in die Ausstellung „Männerwelten“ ein, in denen Frauen offenbaren, wie sie sexistisch belästigt worden sind. Mal ist aber auch der Klamauk an erster Stelle und die beiden Entertainer hinterlegen an vier Orten in Deutschland Geld, geben Hinweise und fordern die Zuschauer auf, sich binnen 15 Minuten auf die Suche zu machen.

(mja)