Jens Büchner aus "Goodbye Deutschland": Bei aller Trauer hält die Kamera drauf

Trauer bei „Goodbye Deutschland“ : Vox hält drauf - ohne Rücksicht

Jens Büchner wurde durch die Auswanderer-Doku „Goodbye Deutschland“ bekannt. Er starb im November 2018. Gleich zwei Sendungen widmete Vox nun den trauernden Hinterbliebenen. Im Mittelpunkt standen auch die Kinder – unnötigerweise.

Am Vormittag sind Danni Büchner und ihre 19-jährige Tochter Joelina allein zu Hause und kümmern sich um den Haushalt. Sie machen die Betten, auch im Zimmer von Teenager-Sohn Volkan. „Wie süß“, sagt Danni und nimmt Volkans Kopfkissen in die Hand – um dessen Bezug hat er ein Hemd seines im November verstorbenen Stiefvaters Jens gewickelt. Volkan ist nicht da, vielleicht ist er in der Schule. Unklar ist, ob er weiß, dass das Vox-Kamerateam mit seiner Mutter und seiner Schwester gerade sein Zimmer filzt, die Fotos erklärt, die er von seiner Familie und Jens aufgehängt hat.

Hier mehr über die erste Folge von „Goodbye Deutschland“ und die Trauer um Jens Büchner lesen

Jens Büchner war der Malle-Jens, Mallorca-Auswanderer und Aushängeschild der Vox-Doku „Goodbye Deutschland“. Seine Familie und er sind seit Jahren von einem Kamerateam begleitet worden, in guten wie in schlechten Zeiten. Im November 2018 ist er überraschend und innerhalb kurzer Zeit an Lungenkrebs gestorben. Auf ausdrücklichen Wunsch der Familie wurden auch die letzten Tage in seinem Leben mit der Kamera begleitet. Vox hat nun zwei Sendungen gezeigt, in denen es um den Abschied und die Trauer der Familie ging. Das garantiert eine gute Quote und verständlicherweise viele Tränen. Die erste Sendung in der vorigen Woche erreichte mit zwölf Prozent Marktanteil in der jüngeren Zielgruppe die beste „Goodbye Deutschland“-Quote seit 2016. Die zweite Folge am Montag blieb hinter diesem Rekord zurück, erreichte aber dennoch 8,7 Prozent Marktanteil.

Für Volkan ist es bereits der zweite schwere Verlust, auch sein leiblicher Vater ist gestorben. Wie seine Mutter beschreibt, sei es deshalb für den Jungen besonders belastend. Er habe sich sehr zurückgezogen, behalte vieles für sich und mache die Trauer mit sich alleine aus. Einige Interviews gibt er dem Kamerateam, manchmal steht er aber auch nur daneben, wenn seine Mutter redet. Er fängt an zu weinen, er versucht, die Tränen zu verbergen, versteckt den Kopf  hinter den Armen. 

Alles an ihm schreit: „Ich will hier jetzt nicht sein.“ Man weiß es nicht, aber man kann sich gut vorstellen, dass er es auch nicht möchte, dass Fernseh-Deutschland nun weiß, dass er abends seinen Kopf an das Hemd seines toten Stiefvaters kuschelt. Der Fakt an sich ist ja nicht verwerflich, aber er gehört zur Intimsphäre. Aber ein Mitwirkender einer Doku-Soap weiß womöglich gar nicht mehr, was das ist. Ein Minderjähriger in einer emotionalen Ausnahmesituation jedoch ist besonders schutzbedürftig, und wenn sein Erziehungsberechtigter das so nicht sieht, könnte es ja ein Fernsehsender so sehen.

Aber nicht Vox, Vox hält drauf. Als Volkan in einer anderen Szene wieder die Traurigkeit überkommt, redet Danni in der Küche auf ihn ein. Er signalisiert deutlich, dass er jetzt  nicht darüber sprechen will, sie lotst ihn von den Geschwistern weg auf die Treppe. Die Kamera hinterher. Die beiden reden, er weint, er wird getröstet. Eigentlich haben sich Mutter und Sohn der Situation und der Kamera entzogen, aber es geht trotzdem weiter. Man kann solche Bilder aufnehmen, aber muss man sie dann auch senden?

Dass es anders geht, beweist Jens‘ ehemalige Lebensgefährtin Jenny, mit der er einen achtjährigen Sohn hat. Auch sie spricht in der Folge vom Montagabend über seine letzten Tage, ihre Erinnerungen, darüber,  wie schwer es war, Leon zu erklären, dass sein Vater tot ist. Der Junge selbst äußert sich nicht dazu, gezeigt wird nur, wie er mit seiner Mutter Hausaufgaben bespricht und sich nach der Schule aufs Sofa haut. Jenny  spricht zwar auch über ihn, dass es ihm nicht gut geht, dass er manchmal traurig ist oder bei Kleinigkeiten ausrastet. Aber er wird nicht vorgeführt, seine Grenzen und sein Inneres werden respektiert. Es scheint also auch anders zu gehen, wenn es Absprachen dazu gibt.

Ziel der Sendung ist es ohnehin nur, die Saison auf Mallorca vorzubereiten: Jenny eröffnet bald ihre Boutique für die Sommersaison, Danni Büchner ist verantwortlich für fünf Kinder und muss die Faneteria-Kneipe ans Laufen bringen. Die TV-Prominenz trägt und bewirbt das Auskommen der Familien. So weit so gut. Zu diesem Geschäftsmodell sollten trauernde Kinder aber nicht gehören.

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