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ARD-Talk zum Thema Uli Hoeneß und die Steuer: Jauch schmunzelt über die Amigo-Bajuwaren

ARD-Talk zum Thema Uli Hoeneß und die Steuer : Jauch schmunzelt über die Amigo-Bajuwaren

Der gefühlt 100. TV-Talk befasste sich am Sonntagabend mit dem Thema Uli Hoeneß und dessen Steuerbetrug. Zum Ende der Sendung nahm die Diskussion Fahrt auf. Das lag vor allem an Thomas Gottschalk und Erwin Huber. Um Hoeneß ging es dann nur noch indirekt.

Neue Fakten zum Fall Hoeneß gibt es nicht, und dennoch versuchte sich Günther Jauch am Sonntagabend bereits zum zweiten Mal an der Aufarbeitung des Falls Hoeneß. Glücklicherweise hatte Jauch zwei schlagfertige Gäste eingeladen (SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Moderator Thomas Gottschalk) und einen, der sich um Kopf und Kragen redete: Erwin Huber. Sie gestalteten die Sendung unterhaltsam.

Neben Gottschalk, Steinbrück und Huber war Heribert Prantl ("Süddeutsche Zeitung") eingeladen. Die Männerrunde diskutierte zum Thema "Mia san mia — Uli Hoeneß und die Moral der Mächtigen". Natürlich musste Jauch zunächst von allen Gästen ihre Meinung zur Causa Hoeneß einholen.

Steinbrück kritisierte Hoeneß scharf

Steinbrück legte los und kritisierte, dass der Bayern-Chef sich nicht deutlich für seinen Steuerbetrug entschuldigt habe: "Hoeneß hätte sagen müssen: Ich habe meine Vorbildfunktion als Prominenter verletzt. Ich bin kein positives Beispiel mehr für diese Gesellschaft." Steinbrücks offene Kritik war insofern interessant, weil Hoeneß vor rund fünf Jahren im Beraterkreis des Genossen tätig war.

Er, Steinbrück, habe Hoeneß als Mann mit außerordentlichen Fähigkeiten kennengelernt, der sehr sozial engagiert sei. "Ich verstehe nicht, warum jemand sein Lebenswerk so aufs Spiel setzt, dadurch dass er glaubt, er sei oberhalb der Gesetze der Bundesrepublik Deutschland."

Gottschalk hat keine Ahnung von Fußball

Thomas Gottschalk räumte gleich zu Beginn ein, er hätte vielleicht doch auf seine Frau hören sollen. Die hatte sich äußerst kritisch geäußert, als er ihr von der Sendung und dem Thema berichtet hatte. Gottschalk war in die Sendung seines Duzfreundes Jauch gekommen und offenbarte, dass er keine Ahnung von Fußball habe, aber Bayern-Mitglied ist.

Nein, als Kriminiellen dürfe man Hoeneß nun nicht abstempeln, sagte Huber. Die Lebensleistung des Bayern-Präsidenten ist unbestritten, trotz der Millionen Euro hinterzogener Steuergelder. Vielleicht, so der ehemalige CSU-Chef, sollte die Gesellschaft ihre Idole nicht überhöhen. Hoeneß konnte die riesigen Erwartungen wohl nicht erfüllen. Die Gesellschaft soll also schuld sein. Es sollte nicht der letzte, typische Huber-Satz am Abend bleiben.

Prantl, Innenpolitik-Chef der "Süddeutschen Zeitung" und ehemaliger Staatsanwalt, stellte klar, dass bei Hoeneß keine Fluchtgefahr bestünde. Wo solle denn dieser Mann hin, der so verwurzelt ist in München und Bayern. Südafrika, fragte Prantl? "Nach Dortmund", preschte Gottschalk vor und heimste den Lacher Abends ein. Der Bayern-Präsident in der Hochburg des BVB — nicht vorstellbar. Prantl wollte nicht spekulieren: Über Hoeneß Motive, über die Höhe der hinterzogenen Gelder.

Steinbrück im Wahlkampfmodus

Es ist Wahlkampfzeit und daher redete Steinbrück lieber über Steuergerechtigkeit in Deutschland, über Anstand und Moral und über die "Egomanen, die sich mit Ellbogen durchsetzen" und nicht auf die anderen schauen. Da sah Gottschalk seine Chance: Er machte dem Genossen ein Angebot, schob aber rasch ein: "Vorsicht, jetzt wird meine Frau nervös. Ich wähle Sie zum Bundeskanzler, wenn Sie ein Steuersystem vorschlagen, bei dem jeder Bürger das Gefühl hat: 'Ich zahle soviel wie der andere nach meinen Möglichkeiten'."

Ein Spitzensteuersatz von maximal 40 Prozent, vielleicht 42 Prozent — Gottschalk und Steinbrück waren beide bei 100 Prozent Diskussionseinsatz. Der Moderator plädierte für eine Vereinfachung des Steuersystems und eine Senkung der Steuern. Steinbrück entgegnete, dies sei nur schwer vorstellbar. Auf einmal drehte sich die Sendung nicht mehr nur um Hoeneß — das verlieh dem Ganzen Vitalität.

Huber echauffierte sich

Und doch schaltete sich auf einmal Jauch ein. Krampfhaft fing er die diskutierenden Gäste ein. "Lassen Sie uns wieder über Bayern reden." Der ARD-Moderator wollte über Huber sprechen und die Steuer-Praktiken und das "Amigo-System" im Freistaat. "Das ist ein Zerrbild, das mit Bayern jetzt nichts zu tun hat", entgegnete Huber. Die Betonung des CSU-Politikers lag auf dem Wort 'jetzt'. Gelächter im Saal, bekam der Zuschauer doch den Eindruck, dass es früher durchaus Seilschaften und Kumpanei in der bayerischen Steuerverwaltung gegeben hat.

Bayern, echauffierte sich Huber lauthals, stehe finanziell nur deswegen so gut, weil das Land rechtmäßig die Steuern eintreibe. Schließlich würden die solventen Süddeutschen die Hälfte des Geldes des Länderfinanzausgleichs zahlen. "Und damit heizen wir in Berlin den Gasometer", warf Jauch ein. Der Gasometer ist die Sendehalle des ARD-Talks.

Selbst Jauch musste grinsen

Steinbrück verwunderte die Meldungen der vergangenen Tage, wonach es in Bayern offenbar üblich ist, dass CSU-Landtagsabgeordnete ihre Ehefrauen und unmündigen Kinder beschäftigen. "Da hab ich den Eindruck, da ist etwas üblich, was es in den anderen Bundesländern und auf Bundesebene nicht gibt." Huber antwortete: "Da muss ich sagen, das wird ja auch beendet."

Schon wieder erfüllten Lacher den Gasometer, selbst Jauch konnte sich ein spitzbübisches Grinsen hinter vorgehaltener Hand nicht mehr verkneifen. Ob freiwillig oder unfreiwillig — Huber zeichnete genau das Bild der "Amigo"-Bayern, das er zu widerlegen versuchte.

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(nbe)