Jan Fedders letzte Fahrt über die Reeperbahn

Trauerfeier im Hamburger Michel : Fedders letzte Fahrt über die Reeperbahn

Am 14. Januar findet im Hamburger Michel eine Trauerfeier für den verstorbenen Volksschauspieler statt. Die Feier soll auf einer Großbildleinwand nach draußen übertragen und im Fernsehen gezeigt werden.

Als letzte Fahrt im Sarg über die Reeperbahn – das wäre wohl ganz nach Jan Fedders Geschmack gewesen. Definierte sich der am 30. Dezember gestorbene Volksschauspieler doch nicht nur als echter Hamburger, sondern als echter St. Paulianer – „das ist ’ne ganz besonders edle Rasse“, wie er seinen Kiez-Kommissar Matthies im „Großstadtrevier“ mal erklären ließ. Am Dienstag wurden nun Details zu Fedders Trauerfeier bekannt. Demnach soll der Gottesdienst im Hamburger Michel voraussichtlich auf einer Großbildleinwand auf den Kirchplatz übertragen werden. Zwar fasst die Kirche rund 2000 Besucher, wird aber schon mit geladenen Gästen gut gefüllt sein. Anschließend geht es dann zur letzten Reise über die Reeperbahn. Der Norddeutsche Rundfunk will die Trauerfeier am 14. Januar live ab 13.45 Uhr übertragen – an diesem Tag hätte Fedder seinen 65. Geburtstag gefeiert.

Dutzende Hamburger, darunter Bürgermeister Peter Tschen­tscher (SPD), haben sich bereits in der Hamburger Davidwache in das Kondolenzbuch für den Schauspieler eingetragen. „Hamburg nimmt Abschied von einem großartigen Schauspieler und Menschen“, schrieb Tschentscher. Bis zur Trauerfeier liegt das Kondolenzbuch aus, teilweise stehen die Menschen Schlange, um einen letzten Gruß an das norddeutsche Original zu verfassen. Fedders Witwe Marion verabschiedete sich am Samstag mit einer Traueranzeige im „Hamburger Abendblatt“ von ihrem Mann. Unter der Überschrift „Fertig is fertig, wenn ich sag is fertig!“ heißt es dort: „Es ist nie der richtige Zeitpunkt. Es ist nie der richtige Tag. Es ist nie alles gesagt. Es ist immer zu früh. Mein geliebter Jan, Du bleibst für immer in meinem Herzen. In ewiger Liebe. Deine Marion.“

Auch das Publikum liebte Fedder heiß und innig. Zunächst in der Rolle des Polizisten Dirk Matthies, den der „Stern“ als „Brackwasser-Bogart“ adelte, später als bräsiger Bauer Brakelmann in „Neues aus Büttenwarder“ eroberte er die Herzen der Zuschauer, auch diejenigen außerhalb der norddeutschen Diaspora. Als Darsteller mag Fedder begrenzt gewesen sein, weil er vor allem sich selbst spielte, als Volksschauspieler war er ein Schwergewicht, angesiedelt in der Liga von Inge Meysel, Heidi Kabel oder, auf rheinischem Territorium, Willy Millowitsch. Fedder hatte es gar nicht nötig, seine Kollegen vor der Kamera an die Wand zu spielen, er verdrängte sie einfach durch schiere Präsenz, durch großes Charisma. Hauptdarsteller-Gen nannten das einige, aber es war wohl vor allem die Kraft des Faktischen: Fedder machte aus jeder Szene eine Fedder-Szene, sagte Drehbuchautor Norbert Eberlein.

Große Klappe, großes Herz, das waren Fedders Markenzeichen, in seinen Rollen wie im Leben. Großartig unterschieden wurde da nicht. Fedder pfiff auf Konventionen, sagte, was er dachte, auch wenn es unbequem war, bezeichnete sich selbst als grundehrlichen Menschen, der niemandem etwas vormachte. Weil er es so gelernt hatte, als Sohn einer Tänzerin und eines Kneipiers, der im Kirchenvorstand saß und sein Lokal um 18 Uhr schloss, um die Betrunkenen draußen zu halten. Großvater und Urgroßvater fuhren zur See, Hamburg steckte also tief in seinen Genen. Fedder war ein waschechter Junge von St. Pauli, ein charmantes Raubein, die ideale Besetzung für die Rolle des Maats Pilgrim im Kinoerfolg „Das Boot“. Damit begann 1981 seine Film- und Fernsehkarriere, die 2006 mit dem Deutschen Fernsehpreis gekrönt wurde, für die Hauptrolle im Film „Der Mann im Strom“.

Fedder liebte das Leben, genoss es buchstäblich in vollen Zügen – bis 2012 rauchte er 50 Zigaretten pro Tag. Getrunken habe er „wie eine Sau“, erzählte er 2018 bei „Beckmann“, nahm auch da kein Blatt vor den Mund. Gab sich angeschlagen, aber trotzig optimistisch, kämpferisch. Die schweren Krankheiten schienen überwunden, die Krebsdiagnose 2012, ein Mundhöhlen-Karzinom, eine langwierige Blutvergiftung. Eine „Tüte Gesundheit“ erhoffte er für sich, und weiter drehen zu können. Wenn das nicht mehr ginge, dann sei es vorbei.

Jan Fedder in seiner Paraderolle als „Großstadtrevier“-Polizist Dirk Matthies. Foto: ARD. Foto: ARD/Thorsten Jander
Typisch norddeutsch: Jan Fedder als Bauer Brakelmann (l.) und Peter Heinrich Brix als Adsche Tönnsen in der ARD-Serie „Neues aus Büttenwarder“. Foto: dpa/Wolfgang Langenstrassen

Fedder hatte sich eine Trauerfeier im Hamburger Michel gewünscht. „Logisch, wo denn sonst?“, antwortete er auf eine Frage von Reinhold Beckmann. Im Michel wurde er getauft, dort hat er im Knabenchor gesungen, dort wurde er konfirmiert und getraut. An seinem 65. Geburtstag wird dort seiner fast staatsmännisch gedacht – eine Hauptrolle, die Hamburgs Ehrenkommissar mit der Kodderschnauze wohl gefallen, auf die er aber sicher gerne noch ein paar Jahre gewartet hätte. (mit dpa)