Jan Böhmermann: So war die letzte Folge "Neo Magazin Royale"

Tschüss ZDF Neo, hallo ZDF-Hauptprogramm : So lief die letzte Folge „Neo Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann

Am Donnerstagabend lief die letzte Sendung von Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ auf ZDF Neo. Ab dem kommenden Herbst wird er im Hauptprogramm zu sehen sein. In der letzten Ausgabe zeigte er nochmal, wieso der den Platz im ZDF auch absolut verdient hat.

War es wirklich schon damals sein Ziel, als er vor sechs Jahren und genau 42 Tagen das erste Mal das „Neo Magazin“ – zu jener Zeit noch ohne den Zusatz „Royale“- moderierte? Wollte Jan Böhmermann schon damals direkt in das Hauptprogramm des Zweiten Deutschen Fernsehens? Schnell geklappt hat es jedenfalls nicht. Sechs Jahre und 42 Tage dauerte es von der ersten bis zur letzten Sendung und der Versetzung des „Neo Magazin Royale" – nun mit dem royalen Zusatz im Sendungstitel.Jetzt also „Haaaauptprograaaaam“, wie es Böhmermann in der letzten Sendung am Donnerstagabend in einem Lied zu Beginn verpackte.

Mit seiner „kleinen, trotteligen, krawalligen TV-Show“ hat er Staatskrisen ausgelöst, er hat TV-Shows reingelegt, er hat für Verwirrung gesorgt, ob nun ein Mittelfinger gezeigt wurde, oder eben auch nicht. Und er hat immer wieder gesungen. Und wie. So sang er sich in der letzten Ausgabe nach sechs Jahren und 42 Tagen durch die Sendung, Das „Neo Magazin Royale“ sei immer „ein Spagat zwischen scheiße und geil“ gewesen - zwischen ernsten, nachdenklichen Tönen und plumpem Entertainment.

Passend dazu trat eine Stepptänzerin im Kostüm eines riesigen Grundgesetzbandes auf. Es kommen alle Sidekicks aus den letzten sechs Jahren und 42 Tagen zu Wort. Ob es die Bastel Brothers sind, William Cohn, DJane Larissa Rieß, Florentin Wille als „Beefträger“, der Scherz-Anwalt Dr. Christian Witz, die „Schwiegertochter gesucht“-Fake-Darsteller Rene und Robin und und und. „Na, kennt ihr uns noch? Wir waren mal ganz oben, für drei Wochen“, singen sie, während sie am Schreibtisch sitzen und Bier trinken. Natürlich kommt auch der ehemalige Sidekick Ralf Kabelka vor, den es mittlerweile zur „Heute-Show“ verschlagen hat. „Hier werde ich endlich so behandelt, wie ich es verdiene“, sagt er in einem Einspieler, während er im TV-Studio der Sendung sitzt. Dann kommt Gastgeber Oliver Welke und macht ihm direkt klar, wie es mit ihm als Chef in der Sendung wird: „Verpiss dich“.

Es sind natürlich maßlos übertriebene, hochgejazzte Sätze, die Böhmermann in seiner letzten Sendung von sich gibt – aber sie haben Wirkung. Wenn er sagt: „Sechs Jahre und 42 Tage machen wir jetzt diese Sendung. Können wir ein einziges Mal eine Sendung machen, in der es nur um mich geht? Nur einmal in sechs Jahren möchte ich bitte mal im Mittelpunkt stehen. Nur einmal“ und „es ist alles von mir. Ich weiß nicht, wie es bei anderen Moderatoren ist, aber ich brauche keine Autoren. Wir brauchen keine Autoren“, dann ist klar, Böhmermann wäre ohne sein Team nichts. Dementsprechend treten die Autoren der Sendung auch auf und fragen sich, was nun aus ihnen werde, wenn sie nicht mit ins Hauptprogramm dürfen – singend, versteht sich. Denn singend läuft die ganze Show. Anders als andere Sendungen, in denen zum Abschluss nach Jahren lustige Clips gezeigt werden.

Der 38-Jährige, der seit der ersten Ausgabe im Oktober 2013 manches graue Haar bekommen hat, sinnierte zwischen den Nummern unter anderem über die Frage, warum er so oft verklagt wurde„Ich hab soviel mit Rechtsanwälten zu tun. Immer noch. Weil ich ständig missverstanden werde. Ich mein's ja nicht böse. Ich werde einfach missverstanden. Dabei war und ist mein Motto nach all den Jahren immer noch: Brücken bauen, zur Not auch da, wo gar keine Gräben sind. Das Saarland, Sachsen, Lena, RTL, Günther Jauch, "Aspekte"! Wer hätte ahnen können, dass es immer so viel Ärger gibt?“

So schließt sich nach 43 Minuten der Vorhang des „Neo Magazin Royale“. Natürlich mit einem großen Showdown, einer Huldigung, Domian, der schon in der ersten Sendung mitwirkte und Johannes B. Kerner.

„Sechs Jahre und 42 Tage hast du auf mich aufgepasst. Du warst stets an meiner Seite, hast hinter mir gestanden, hast mich aufgebaut, wenn es mir schlecht ging. Du hast mich kritisiert, mich gelobt. Wir haben uns geliebt. Deine Liebe hat mich in den letzten sechs Jahren und 42 Tagen vom Atheisten zum Gläubigen gemacht. Was wäre der Wahnsinn ohne die Vernunft? Alles was war, ist und noch kommt, gibt es nur, weil es dich gibt. Das letzte Lied ist nur für dich, weil es ein Glück ist, dass du da bist“, sagt Böhmermann und singt dann zum krönenden Abschluss „Halleluja“ vom legendären Leonard Cohen. Auf einem Schrein vor ihm sind Marlen Thieme, die Vorsitzende des ZDF-Programmrats, ZDF-Intendant Thomas Bellut und Programmdirektor Norbert Himmler zu sehen. Hinter Böhmermann erscheint das ZDF-Organigramm und er, der künftige Hauptprogramm-Moderator, gibt alles, um seinem Arbeitgeber zu zeigen, wie geil er es findet, endlich befördert zu werden.

Passenderweise ist die Schlussszene für den Wechsel: „Jetzt bist du einer von uns“ – Johannes B. Kerner dreht sich in einer Limousine, in der Böhmermann mit Domian sitzt, aus dem Fahrerbereich um und begrüßt ihn. „In zwei Jahren moderierst du die große Silvesterparty am Brandenburger Tor mit Andrea Kiewel. Wenn du willst, ich bring dich ins Ratepanel bei der ‚Großen Terra X Show‘. Das ist doch total cool, du kannst Pulli und Sakko tragen. Für mich kannst du der neue Steven Gätjen werden.“ Abfahrt also ins „Haaaauptprograaaaam“.

Mach’s gut, „Neo Magazin Royale“, du kleine, tolle Spartensendung.

(mit Material der dpa)