1. Panorama
  2. Fernsehen

Jan Böhmermann: Erstmals mit seiner Satire-Show Magazin Royal im ZDF

ZDF Magazin Royale : Böhmermann im Hauptprogramm - viel Wind um wenig Neues

Nach einem dreiviertel Jahr Fernsehpause meldet sich Deutschlands Populär-Satiriker Nummer eins zurück - und zwar im Hauptprogramm des ZDF. Dass Jan Böhmermann im Nischensender Neo so erfolgreich war, lag auch an seiner Unangepasstheit - deren Zauber inzwischen verflogen ist.

Es ist einfach zu behaupten, aber am Ende muss man sagen: Jan Böhmermann kann es besser. Monatelang haben seine Fans gewartet, sich ein dreiviertel Jahr ausgemalt, mit welchem Knaller Böhmermann sich wohl zurückmelden wird aus der Fernsehabstinenz, in die er sich im Dezember 2019 verabschiedet hatte. Als Anstifter der Wendler-Telegram-Aktion hat man ihn vermutet, als Glitzerplüschtier bei Pro Siebens „The Masked Singer“ und manch einer würde ihm wohl gar eine Präsidentschaftskandidatur in den USA zutrauen, nur um gegenüber der ganzen Welt den moralischen Zeigefinger erheben zu können.

Was hat Jan Böhmermann nicht auch schon alles persifliert? Vom RTL-Trash-Format „Schwiegertochter gesucht“, bei dem er seine Mitarbeiter eingeschleust hat, über den Mittelfinger des damaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis, den er in eine Sendung hineinbearbeitet hat (#Varoufake) und nicht zuletzt den Türkischen Präsidenten Erdogan, dem er ein Gedicht widmete, das nicht weniger als eine Staatskrise auslöste.

Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich im Anschluss seiner neuen Sendung „ZDF Magazin Royal“ rührt, scheint ausgeschlossen. Weniger weil Böhmermann in seiner coronabedingten One-Man-Show im neuen, aber leeren Studio unwichtigen Themen widmet. Viel mehr, weil er es in seiner allseits bekannten und vielleicht auch ein wenig über-strapazierten Art tut. Und das gefühlt einige Wochen zu spät, was die Aktualität angeht.

„Die ganz große Verschwörung“ ist das Leitthema seiner ersten Ausgabe im ZDF-Hauptprogramm. Eine Woche lang schon hat er auf eine Pointe hingearbeitet - einen eigenen Telegram-Kanal errichtet, sich selbst in den „Mordor des Internets“ begeben, dem Whatsapp für Leute, „denen Whatsapp zu seriös ist“.

Telegram, so Böhmermann, habe nämlich erst seit dem „Querdenker“-Aufkommen während der Pandemie so richtig Aufwind erfahren. Vorher sei der verschlüsselte Messengerdienst aus Russland eher ein Geheimtipp gewesen für Islamisten oder übermotivierte Bundeswehrsoldaten. Dass Telegram nach eigenen Angaben schon Anfang April weltweit 400 Millionen Nutzer verzeichnete - geschenkt.

Dass er mit diesen Spitzen Hunderttausende deutsche Nutzer in Abrede stellt und auch jene Zehntausende „Querdenker“ zu seiner Zielscheibe macht, die an diesem Wochenende in Leipzig demonstrieren wollen, hilft wenig. Weder ist es besonders innovativ, witzig oder kreativ, noch erreicht es Menschen, die ohnehin aufgeklärt sind über Verschwörungsmythen und Extremismus. Verunsicherte oder Verwirrte erreicht man am ehesten, indem man ihre Sorgen ernst nimmt. Aber um die geht es Böhmermann ohnehin nicht.

Es geht ihm um die „ganz große Verschwörung“, die ganz großen Irren. Anhand der Teddyfigur „Spencer“ wird die Wendler-Tragödie abgehandelt und ad absurdum geführt - die im Übrigen auch schon gut drei Wochen her ist. Ein paar „Querdenker“-Demo-Teilnehmer kommen mit Irrsinn zu Wort. Erst gegen Ende der Sendung wird klar, worauf Böhmermann eine Woche lang mit Telegram-Nachrichten in Großbuchstaben hingearbeitet hat: Die große Verschwörung gebe es nicht, die große Verschwörung brauche es gar nicht, denn, Überraschung: Die größte Verschwörung sei die Wirklichkeit.

Als Belege bemüht er die gewohnt große Moralkeule: Die Reichen würden immer reicher, die Überreichen immer unsichtbarer. Er nennt Jeff Bezos, der nicht genug Steuern zahlt und Familie Quandt, die Lobbyarbeit im Bundestag betreibt. In aller Hast versucht Böhmermann dann noch die gefährliche Theorie der „jüdische Weltverschwörung“ zu entzaubern mit ein paar wichtigen, aber weitgehend bekannten Beispielen jener Mächtigen, die von der Enteignung jüdischer Menschen und von Ausbeutung der Zwangsarbeiter im Dritten Reich profitierten.

Mit all dem hat er freilich Recht - doch vom Großmeister der deutschen Satire hätte man in seinem ersten Auftritt im ZDF-Hauptprogramm mehr erwarten können.

„Moral ist eine Leitplanke, die wir brauchen, um das mit dem Leben und dem Zusammenleben überhaupt hinzubekommen“, sagte Böhmermann kürzlich in einem Interview. Das wird in dieser ersten Folge seiner Satire-Show deutlich. Er wisse, dass er lustig ist, sagte Böhmermann in einem anderen Interview. „Die Frage ist nur, will ich immer lustig sein?“

Ganz offensichtlich will er das nicht, jedenfalls nicht nur. Wer einfach mal wieder was zu Lachen haben will, sollte Freitagabends vielleicht nach der „heute show“ den Fernseher ausschalten. Bierernst wird es bei Böhmermann anschließend zwar auch nicht (er bevorzugt live Rotwein) - aber vielleicht ist der Vorspann, in dem Trumps Anwalt Michael Cohen, Alexander Gauland, Boris Palmer und HC Strache ihm viel Erfolg wünschen, noch das Lustigste an der Sendung. Es sei denn, man steht auf H.P. Baxxter.

(RP)