Jan Böhmermann erklärt, was hinter seiner SPD-Kandidatur steckte

TV-Satiriker wollte Parteichef werden : Jetzt erklärt Jan Böhmermann, was hinter seiner SPD-Kandidatur steckte

Schon von Anfang an klang es verrückt: TV-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann hatte im Herbst angekündigt, SPD-Parteichef werden zu wollen. Viele fragten sich: Meint er das ernst? Jetzt hat er sich erklärt.

In seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ vom Donnerstag, die am Freitag auch im ZDF-Hauptprogramm ausgestrahlt wurde, gibt Böhmermann zu: Die Idee mit der Kandidatur für den Posten des SPD-Parteichefs habe sich für ihn „innen drin genauso beschissen angefühlt, wie sie von außen ausgesehen hat“. Auch er habe sich gewundert, wie wenig es braucht, um mit seinen Botschaften ein großes Publikum zu erreichen: „ein Scherzkeks, dem scheißegal ist, dass er sich zum Affen macht, eine nette Kulisse, und ein bisschen Ehrlichkeit.“

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Böhmermanns Streben nach dem Parteivorsitz hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. In diversen Videos warb er für sozialdemokratische Positionen, wurde sogar Parteimitglied im SPD-Ortsverband Köthen in Sachsen-Anhalt. Der Name der Kampagne: Neustart19. Nie schien dabei ganz klar, wie ernst er es wirklich meint – ob die Kandidatur nur ein großer Scherz ist oder doch ein echtes politisches Experiment.

Genau das kritisiert Böhmermann nun. Es sei Teil des Problems des deutschen Parteiensystems, „dass ein Fernsehtrottel wie ich sich offenbar genötigt fühlt, weil er es nicht mehr mit ansehen kann, Lösungen für etwas zu suchen und anzubieten.“ Seine Erklärung folgt wenige Tage, nach denen klar geworden war, dass der SPD-Mitgliederentscheid Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans an der Parteispitze sehen wollen. Am Freitag, einen Tag nach Böhmermanns erklärender Sendung, wurden sie vom Parteitag offiziell gewählt.

Er wolle kein Politiker sein, erklärt der Moderator, und kritisiert die Parteien. Diese hätten ein „Attraktivitätsproblem“. Viele Menschen wollten sich engagieren. In den Parteien seien Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen und junge Menschen aber unterrepräsentiert. „Es fühlt sich nicht richtig an, dass sich Menschen durch meinen Quatsch ernster genommen fühlen, als von echten Politikern“, beklagt Böhmermann. „Ich will nur spielen. Ich will es nicht ernst meinen müssen.“

Wie häufig ist während der Sendung nicht immer klar, welche Aussagen Böhmermanns wirklich für bare Münze zu nehmen sind. Offenbar hatte aber auch das ZDF mit der Zeit etwas gegen sein Engagement für die SPD-Parteispitze. Zitiert wird ein Schreiben aus der Programmdirektion des Senders. Darin heißt es, Böhmermann könne seine Sendung nicht weitermachen, wenn er weiter SPD-Chef werden wolle.

Am Ende löst er zudem auf, worum es ihm eigentlich gegangen sei: nämlich Olaf Scholz an der SPD-Parteispitze zu verhindern. Finanzminister und Vizekanzler Scholz hatte sich gemeinsam mit Klara Geywitz ebenfalls um den Parteivorsitz beworben, gegen das Duo aus Esken und Walter-Borjans aber den kürzeren gezogen. Die „SPD vor Olaf Scholz bewahren“: Das sei ihm gelungen, freut sich Böhmermann, und grinst in die Kamera.

Mit diesem Foto will sich Böhmermann für alle Zeiten politisch disqualifizieren. Foto: Screenshot/ZDF

Und dann will er offenbar noch sicherstellen, dass politisches Engagement von ihm nie wieder so ernst genommen wird wie in den vergangenen Wochen. „Ich mache jetzt ein Foto, bei dem in Zukunft alle sagen werden: Dieser Typ ist politisch völlig untragbar“, sagt Böhmermann, setzt sich eine Bergmannsmütze auf, zieht sich aus, überschüttet sich mit Tomatensoße und posiert in roten Lederstiefeln zwischen zwei Pappaufstellern der Linken-Politiker Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht. Das Publikum jubelt. Am Ende scheint eben doch alles ein großer Scherz gewesen zu sein.

(hebu)