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Tatort "Macht und Ohnmacht": Jack Nicholson in Neuperlach

Tatort "Macht und Ohnmacht" : Jack Nicholson in Neuperlach

Der neue Münchener "Tatort" widmete sich einem ernsten und wichtigen Thema: Stress, Überforderung und Gewalt im Polizeidienst. Leider trugen die Macher derart dick auf, dass viele Szenen albern wirkten. Echte Betroffenheit stellte sich nicht ein.

"Sie können die Wahrheit doch gar nicht vertragen. (…) Sie wollen das nicht wahrhaben, denn tief in Ihrem Inneren, doch das sagen Sie nicht auf Partys, wollen Sie, dass ich an dieser Mauer stehe, Sie brauchen mich an dieser Mauer!" Okay, dieses Zitat stammt nicht aus "Macht und Ohnmacht", sondern aus "Eine Frage der Ehre". Wir erinnern uns: Mit diesen Worten rechtfertigte sich Jack Nicholson, weil er mit seinen Soldaten umging, wie es ihm gerade in den Kram passte. Der männliche Zuschauer schielte zwar die meiste Zeit auf Demi Moore in Uniform, verstand aber: Ein Held, dem sein Heldentum zu Kopf steigt, wird selbst zum Problem.

In "Macht und Ohnmacht" fehlte zwar Demi Moore, dafür gab es jede Menge Probleme. Prügelnde Polizisten, prügelnde Ehe-Männer, Problem-Migranten, Wohnsilos in Neuperlach, Trinkgelage und kaputte Polizisten-Ehen. Alle leiden wahnsinnig, alle saufen Schnaps, niemand kommt mehr zur Ruhe, Sex als Einschlafhilfe. Die Frauen gehen reihum. Ein Polizist erschießt sich in der Umkleide. Bei der Trauerfeier bewerfen Kollegen sein Bild mit Schnaps. Weinen können sie nicht, Schnaps geht immer.

Im Mittelpunkt der Apokalypse stand Revierleiter Lechner, der das Gesetz selbst in die Hand nahm und dafür letztlich mit dem Leben bezahlte. Kurz vor seinem Ableben gab er zu Protokoll: "Kein Mensch will wissen, was da draußen wirklich vor sich geht. Alle machen Augen und Ohren zu, weil niemand die Verantwortung übernimmt. Aber ich bin Polizist. Und ich übernehme Verantwortung." Jack Nicholson in Neuperlach.

Eines muss man dem "Tatort" lassen: Das Drehbuch verzichtete gänzlich auf unnötige Schnörkel und hielt reichlich Action und Spannung parat. Das Kurz-Comeback von Michael Fitz alias Ex-Assistent Carlo gelang durchaus. Auch wenn sich der einst für die Komik zuständige Sidekick ernst und düster präsentierte. Aber das passte natürlich zum allgemeinen Elend in München. Und weil Carlo ja kein Polizist mehr ist, konnte er einem Verdächtigen auch ordentlich auf die Mütze hauen. Carlo ist nämlich nicht mehr lustig. Carlo ist kaputt wie alle.

Das dicke Ende kam zum Schluss: "Erst können wir nicht helfen, dann bringen wir uns um", beschreibt eine Beamtin die Polizeiarbeit im Allgemeinen. "Ich bin doch Polizist! Ich bin doch Polizist", wimmert ein Kollege mit Kugel hilflos am Ende. Schade. Das Thema hätte mehr verdient gehabt.

(csi)