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Forscher Groebel: "Medien haben dazu gelernt": Interview bei Irrfahrt

Forscher Groebel: "Medien haben dazu gelernt" : Interview bei Irrfahrt

Düsseldorf (rpo). Die Konkurrenz der Medien habe zugenommen, aber auch die Sensibilisierung für angemessene Berichterstattung. 15 Jahre nach dem Gladbecker Geiseldrama hält der Düsseldorfer Medienforscher Jo Groebel eine Wiederholung der damaligen Form der Berichterstattung für unwahrscheinlich.

Seinerzeit hätten Journalisten das Geschehen massiv beeinflusst, sagte der Generaldirektor des Europäischen Medieninstituts der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Die Medien haben seitdem dazu gelernt. Keiner würde sich mehr so stimulierend verhalten wie damals." Zahlreiche Medien hatten seinerzeit die Entführer bei ihrer Irrfahrt durch Nord- und Westdeutschland begleitet und währenddessen Interviews mit ihnen geführt.

Allerdings habe die Wettbewerbsituation der Medien untereinander weiter zugenommen, sagte der Professor für Medienpsychologie weiter. Auch gebe es viel mehr freie Journalisten, die nicht ständig mit den ethischen Grundsätzen von Redaktionen in Berührung seien. Überdies seien die Medien schneller geworden. "Insofern ist Gladbeck strukturell auch heute noch möglich."

Die Instrumente, die Medien zu angemessener Berichterstattung anzuhalten, seien ausreichend, meinte Groebel. "Darüber hinausreichende Sanktionen sind derzeit nicht erforderlich." Groebel verwies in diesem Zusammenhang auf die Selbstkontrollmechanismen der deutschen Presse. Auch die öffentliche Diskussion über die Grenzen der Berichterstattung gehe weiter. "Die Gesellschaft ist sensibilisiert durch Gladbeck."