"In einem wilden Land": Sat.1 versucht deutschen Western

Berlin: Sat.1 versucht deutschen Western

"In einem wilden Land" erzählt die deutsche Einwanderung nach Texas im Traumschiff-Stil.

Wenn man erst zur Mitte des Films einschaltet, könnte man auf die Idee kommen, in einer "Traumschiff"-Folge gelandet zu sein: Da schlendert die 20-jährige Emilia Schüle ("Helden") als entführte Beute-Frau Mila wie eine verkleidete Touristin im adretten Indianer-Kostümchen durch das Komantschen-Lager und erwärmt sich für den Junior-Chef der ansehnlichen Wilden. Der stellt sich als exotischer Liebhaber zwar so ungelenk an wie er heißt (Buffalo Hump, gespielt von Wesley French), aber edel wie er nun einmal ist, will er Frieden mit den Weißen. Da es sich bei letzteren um Deutsche handelt, sind sie in einem deutschen Film natürlich nicht alle abgrundtief böse, sondern bloß Opfer hinterhältiger Texaner und schlechter deutscher Anführer. Die Handlung basiert reichlich lose auf den Bemühungen des Mainzer Adelsvereins, zwischen 1844 und 1847 rund 7000 Deutsche in Texas anzusiedeln. Das Abenteuer endete für den Verein in einer Katastrophe, mündete aber auch in dem einzigen Friedensvertrag zwischen Weißen und Indianern, der niemals gebrochen wurde. Das reicht Sat.1 dann aber auch schon mit den historischen Genauigkeiten.

Alle Figuren des Films sind frei erfunden. Da gibt es den schurkischen Graf Armin von Hohenberg (nicht schlecht: Benno Fürmann), vor dem die armen Siedler schließlich von seiner Frau Cecilie (Nadja Uhl) und der unerschrockenen Mila gerettet werden müssen. Der Landausflug der Traumschiff-Passagiere ist übergossen mit dramatischer Musiksoße, die auf der Melodie von "Kein schöner Land" basiert.

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Als Vater des Komantschen-Juniorchefs agiert Gojko Mitic, der in den DDR-Western der DEFA über Jahre der Film-Indianer schlechthin war. Das darf man durchaus als Warnhinweis betrachten. "In einem wilden Land" ist nicht so schlecht wie die DDR-Western oder der westdeutsche "Potato Fritz" (unvergessen: Paul Breitner mit Hardy Krüger als Kartoffelbauer im Westen, 1975), aber er scheitert verlässlich an zu viel Kitsch und dem misslungenen Versuch, die Sehnsuchtsbilder der Karl-May-Filme aus den 60er Jahren wiederzubeleben. Aber immerhin ohne Pierre Brice.

"In einem wilden Land", Sat.1, 20.15 Uhr

(RP)
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