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Sönke Möhring: "Im Pott zu drehen war ein Déjà-vu"

Sönke Möhring : "Im Pott zu drehen war ein Déjà-vu"

Der 41-jährige Schauspieler Sönke Möhring spricht über seine Liebe zum Ruhrpott-Dialekt, seine "kunterbunte Vita" und seinen älteren Bruder Wotan Wilke.

Er selbst bezeichnet die Serie, in der mitwirkt, als "Schmunzelkrimi": Sönke Möhring spielt in "Koslowski & Haferkamp" (ARD, immer donnerstags, 18.50 Uhr) den Sicherheitsmann Martin Koslowski. Zusammen mit seinem besten Freund Hasan Haferkamp (Tim Seyfi) eröffnet er in Bochum eine Detektei, nachdem sie selbst fälschlicherweise als Diamanten-Diebe unter Tatverdacht geraten waren.

Sie sind in Herne aufgewachsen - also mitten im Pott. Wie war's, für die Dreharbeiten wieder ins Ruhrgebiet zu kommen?

Sönke Möhring Ich lebe seit 22 Jahren in Berlin, und für die Dreharbeiten wieder nach Bochum zu kommen war ein Déjà-vu. In Herne kann man nicht groß einkaufen, also sind wir, als ich jünger war, immer nach Bochum gefahren.

Kommen Sie gerne zurück?

Möhring Natürlich, ich besuche meine Mutter immer sehr gerne. Sie wohnt sehr idyllisch im Grünen, was die Leute, die nicht aus der Region kommen, immer wieder erstaunt. Aber so bestimmte Orte - wo man mit Mutti vor 20 Jahren ein Sakko gekauft hat -, da geht man nicht häufig hin. Da gab es lustige Momente.

Zum Beispiel?

Möhring Ein Mann hat mich erkannt, ich ihn aber nicht. Mit dem war ich auf der Schule, und der brüllte mir dann so zu, als ich vor der Kamera stand: "Sönke, Sönke!" Und es macht ja auch sehr viel Spaß in der Gegend. Das Ruhrgebiet ist eine pulsierende Region.

Spiegeln sich diese Ruhrpott-Typen denn auch in der Serie wieder?

Möhring Schon. Ich finde aber, sie könnte noch mehr Lokalkolorit haben, denn ich finde den Dialekt einfach super. Er ist ja auch ein Kennzeichen.

Krimi-Serien gibt es ja zurzeit wie Sand am Meer. Wie grenzt sich die Serie "Koslowski & Haferkamp" von den anderen ab?

Möhring Bei uns ist es nicht so bierernst. Um das Genre mal zu benennen: Das ist so'n bisschen ein Schmunzelkrimi. Es ist nicht so, dass man danach nicht mehr gut schlafen kann. Wir haben aber auch versucht, das nicht zu überzeichnen, denn es ist ja immer ein schmaler Grat zwischen nervig-albern und lustig. Ich denke, wir haben es hingekriegt.

Die erste Staffel ist abgedreht. Wie geht es weiter?

Möhring Ob es weitergeht, wissen wir nicht. Ich würde es mir wünschen. Das Ende der ersten Staffel lässt auf jeden Fall Raum für eine Fortsetzung. Ich ermittele auch noch in Hamm beim Radio-"Tatort" - mit Uwe Ochsenknecht. Das ist sehr lustig und sehr erfolgreich. In dieser Rolle spreche ich nur den harten Ruhrpott-Dialekt.

Sie haben also viel zu tun?

Möhring Ja, und das ist in diesen Zeiten ein hohes Gut für einen Schauspieler.

Sie hatten Ihr Filmdebüt erst 2003 mit 30. Das ist recht spät . . .

Möhring Das ist total spät. Ich habe eine kunterbunte Vita - einen roten Faden wird man nicht finden. Ich habe in Berlin ein bisschen Psychologie und Soziologie studiert, das war aber nicht mein Ding. Dann habe ich mit einem Freund in Ostdeutschland Textilien vertrieben, bin anschließend zu einer Jeansfirma gewechselt, habe aufgehört und noch Werbekaufmann gelernt, dann bei einem Verlag gearbeitet - aber der Wunsch, Schauspieler zu werden, war immer da.

Ihr älterer Bruder Wotan Wilke ist auch Schauspieler.

Möhring Das hat bei mir eher das Gegenteil bewirkt, nach dem Motto: Nee, mach du mal. Für eine klassische Schauspielausbildung war ich dann auch schon zu alt. Aber ich habe mich mit Workshops und viel Demut doch durchgeschlagen.

Hilft das bei Rollen?

Möhring Ich habe den Eindruck. Man geht unverkrampfter an die Sache ran, und dann tut sich auch mehr.

Sie haben in Filmen wie Tarantinos "Inglorious Basterds" und "The Impossible" mit Ewan McGregor mitgespielt. Arbeiten Sie gezielt an einer internationalen Karriere?

Möhring Das lasse ich auf mich zukommen - da habe ich im Prinzip ja auch nichts für gemacht (lacht). Ich bin da planlos im positiven Sinne. Ich bin jetzt aber auch seit zwei Jahren Papa, und da geht man nicht mal eben ein halbes Jahr in die USA - zumindest jetzt nicht.

Sie und Ihr Bruder standen schon oft gemeinsam vor der Kamera. Gibt es demnächst wieder ein Projekt?

Möhring Wir können uns das beide sehr gut vorstellen. Ich würde mir das wünschen, weil die letzten Sachen schon eine Weile zurückliegen. Vielleicht, wenn ein guter Filmstoff vorliegt.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE JESSICA KUSCHNIK

(RP)